08.11.2016 | Kategorie: Projekte , Bildung , national

#AKTIV! gegen sexualisierte Gewalt im Hochschulsport

Sexualisierte Gewalt hat viele Gesichter. Gerade im Sport wird häufig bagatellisiert, grenzverletzendes oder grenzüberschreitendes Verhalten nicht wahrgenommen oder als „Das gehört eben dazu!“ bewertet und eingeordnet. In einer Befragung ermittelte der Ausschuss für Chancengleichheit und Personalentwicklung (ACPE) die aktuelle Situation an den Mitgliedshochschulen. Zudem wurden Wünsche und Bedarfe abgefragt, um darauf zugeschnittene Maßnahmen zur Prävention und Sensibilisierung sexualisierter Gewalt planen und umsetzen zu können.

Das Thema der sexualisierten Gewalt ist komplex. Bei der Frage, was die Teilnehmenden unter sexualisierter Gewalt verstehen, wird deutlich, dass diese Frage nicht mit nur einem Wort beantwortet werden kann. Ausprägungen sexualisierter Gewalt reichen von unangemessenem Verhalten durch Blicke, Gesten oder herabwürdigende Sprache über unsittliche Berührungen, Bedrohungen und Nötigung bis hin zur Vergewaltigung. Ebenso wurde sexualisierte Gewalt als Machtmissbrauch höher gestellter Personen definiert oder auch das Zeigen von sexuellen beziehungsweise pornografischen Darstellungen als sexualisierte Gewalt gesehen. Dies zeigt, dass sexualisierte Gewalt viele Facetten und Ausprägungen hat und die Befragten unterschiedliche Schwerpunkte bei ihren Definitionen setzen. Das fehlende Einverständnis der Betroffenen ist jedoch allen Definitionsansätzen gemein.

Den Schutz vor sexualisierter Gewalt in den jeweiligen Hochschulsporteinrichtungen empfinden 72 Prozent der Befragten als wichtig bis sehr wichtig. Dennoch besitzen mehr als 50 Prozent der befragten Hochschulsporteinrichtungen weder Schulungsangebote, noch Informationsunterlagen oder Materialien zu diesem Thema. Die Hochschulen, die laut eigener Angabe Präventionsmaßnahmen durchführen, schulen maßgeblich ihre Übungsleitenden, nicht jedoch weitere Beschäftigte. 46 Prozent der Hochschulsporteinrichtungen stellen ihren Übungsleitenden Handlungsempfehlungen beziehungsweise einen Leitfaden für den Umgang in Verdachtsfällen zur Verfügung.

Nach ausführlicher Auswertung der Befragung beginnt der ACPE mit der zielgerichteten Planung konkreter Maßnahmen. Dabei wird er maßgeblich auf die genannten Bedarfe und Wünsche, die von einem Verhaltens- und Ehrenkodex bis hin zu einem Leitfaden für den Umgang mit Verdachtsfällen reichen, eingehen. Bereits jetzt sind verschiedene Broschüren zum Thema "Prävention sexualisierter Gewalt im Sport" sowie der adh-Ehrenkodex auf der #AKTIV-Projektseite zu finden.

Ausgangspunkte für die Initiierung der Kampagne waren die Einführung des Ehrenkodexes für Teilnehmende von Wettkampfveranstaltungen im Jahr 2012 sowie die fortbestehende Brisanz der Thematik. „Mit dem Kodex wurde ein erster großer Schritt getan, dennoch sollte das Thema jetzt an der Basis, in den Mitgliedshochschulen, platziert werden“, erklärt Juliane Bötel, Vorstand Chancen und Personalentwicklung, und fügt hinzu: „Aus diesem Grund erarbeitete der ACPE in seiner Frühjahrssitzung 2016 gemeinsam mit dem Öffentlichkeitsreferat die Inhalte der Kampagne #AKTIV!“. Die Onlinebefragung war Teil dieser Aktion und wurde im Mai dieses Jahres per Mail an die Mitgliedshochschulen verschickt.