Rund 100 Kilometer Luftlinie trennen die Hansestadt Bremen und die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover voneinander. Doch für Julia Strübig, Promotionsstudentin an der Uni Bremen, führt der Weg nach Hannover nicht über die A7, sondern über die Regattastrecke Oberschleißheim in der Nähe von München. Denn wenn vom 19. bis zum 21. Juni 2015 die besten studentischen Ruderinnen und Ruderer bei der DHM auf die Strecke gehen, läuft für Strübig der Formtest für die Europäischen Hochschulmeisterschaften im September. „Die DHM und die EUC geben den Studierenden die Möglichkeit, neben dem Studium Sport auszuüben und sich mit anderen Sportlerinnen und Sportlern zu messen. Dabei bilden sie einen Anreiz leistungsorientiert zu trainieren und schließen damit eine Lücke im Wettkampfangebot“, erklärt Strübig. Denn bei Regatten des Spitzenverbandes sei es für die 24-jährige Studentin schwer sich durchzusetzen. „Da misst man sich, gerade im Altersbereich zwischen 20 und 30 Jahren, größtenteils mit Sportlerinnen und Sportlern, die ihr Leben dem Sport komplett unterordnen“. Auch deshalb sind die studentischen Wettkämpfe für Julia Strübig die Saisonhöhepunkte. Ihre Leistung unter Beweis stellte die Bremerin im vergangenen Jahr bei den EUSA-Games im niederländischen Rotterdam. In der Hafenstadt schaffte die Sportlerin im Zweier ohne mit ihrer Partnerin den Sprung auf das Podest. „Ich blicke mit freudigen Gefühlen auf Rotterdam zurück. Es war meine erste internationale Veranstaltung und die Silbermedaille war der Lohn für unser bestes Rennen der Saison“, blickt Strübig zurück. Für die EUC im eigenen Land stehen die Zeichen auch auf Grund des Erfolgs in Rotterdam voll auf Angriff. „Gleich zu Beginn der Saison konnten wir an die letzten Wettkämpfe anknüpfen und haben uns im Vergleich zu Rotterdam schon jetzt gesteigert. In Hannover wollen wir mindestens auf das Podest“, gibt Julia Strübig vor.
Während Strübig ihre Qualifikation für die EUC Rudern in Hannover schon im vergangenen Jahr bei der DHM an gleicher Stelle fix machte, kämpft Maximilian Fränkel am kommenden Wochenende bei der DHM in Oberschleißheim um seine Chance, im September dabei zu sein. Der Sportler der HfPV Wiesbaden blickt voller Vorfreude auf die Wettkämpfe in der Nähe der bajuwarischen Landeshauptstadt. „Der Reiz der DHM liegt darin, sich wieder einmal mit den verschiedensten Kontrahenten messen zu können“, so Fränkel. Als Mitglied der Sportfördergruppe der hessischen Landespolizei trainiert der Wiesbadener Student 18 bis 20 Stunden in der Woche für sein Ziel. Dabei verbindet Fränkel mit der Sportart Rudern eine ganz besondere Faszination. „Es ist die Lust am Überwinden, die mich weiter antreibt. Jeder Schlag muss zum Kunstwerk werden. Man versucht die Perfektion beizubehalten auch wenn der Schmerz das Gehirn völlig überfordert. Wenn man mit diesen Gedanken ein Rennen gewinnt, bei dem auch der Gegner alles gegeben hat, dann erfährt man ein Gefühl, dass kaum mit Worten zu beschreiben ist“, so der Ruderer. Mit dieser Einstellung trainiert der Hesse täglich. Bei der DHM in Oberschleißheim möchte er die zweite Chance zur Qualifikation für die EUC im eigenen Land nutzen.
Dass dies für viele Sportlerinnen und Sportler ein Anreiz ist, weiß auch Jens Hundertmark. Der Disziplinchef Rudern, der zusammen mit seinem Kollegen Uwe Maerz in diesem Jahr seine letzte DHM organisieren wird, erwartet ein Leistungsfeuerwerk auf der Olympiastrecke von 1972. „Wir spüren schon seit dem letzten Jahr, wie heiß die nominierten Teams auf das Heimspiel auf dem Maschsee in Hannover sind. Seit der Ankündigung der 2nd-Chance war klar, dass bei der DHM das Wasser kochen wird, wie wir Ruderer sagen“, blickt Hundertmark auf die Rennen am Freitag, Samstag und Sonntag. Denn nach den Entscheidungen steht final fest, welche Hochschulen und Teams den Weg über München nach Hannover geschafft haben.
