Erfahrung in der Gremienarbeit hat Michaela Röhrbein in den vergangenen Jahren auf den verschiedensten Ebenen gesammelt. Sowohl regional als auch national setzte sich die Leiterin des Zentrums für Hochschulsport der Leibniz Universität Hannover (ZfH) für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen ein. Sie selbst ist ein gutes Beispiel für dieses gesellschaftspolitische Ziel.
Seit 2009 führt Röhrbein als Leiterin des ZfH eine der größten und erfolgreichsten deutschen Hochschulsporteinrichtungen. Nun möchte sie ihre Erfahrungen und Kompetenzen auch im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einbringen und als Vorsitzende der DOSB-Frauen-Vollversammlung sowie als DOSB-Vizepräsidentin für Frauen und Gleichstellung weitere Aufgaben übernehmen. Im Interview spricht sie über ihre Kandidatur.
adh: Frau Röhrbein, warum wollen Sie Vorsitzende der DOSB-Frauen-Vollversammlung und DOSB-Vize-Präsidentin für Frauen und Gleichstellung werden?
Röhrbein: Der Vorstand und der Verbandsrat des adh, dem ich angehöre, berufen mich regelmäßig als Delegierte für die Frauen-Vollversammlung des DOSB und so gewann ich in den vergangenen Jahren einen intensiven Einblick in die Arbeit dieses wichtigen Gremiums. Von der Frauen-Vollversammlung wurde ich in die AG „Gender und Diversity“ des DOSB gewählt. Meine bisherigen Erfahrungen aus meinem gleichstellungs- und sportpolitischen Engagement auf Vereins-, Verbands- und kommunaler Ebene - natürlich auch aus meinem beruflichen Wirken - motivieren mich sehr, das Thema Chancengleichheit in Zukunft als Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung zu begleiten.
In der kommenden Legislaturperiode wird die Weiterentwicklung bestehender Themenschwerpunkte aber auch die Etablierung neuer Inhalte, Strukturen und Formate meines Erachtens eine zentrale Herausforderung für den DOSB sein. Den jetzigen Zeitpunkt sehe ich als positive Herausforderung und Chance neue Wege aktiv mit den Mitgliedern des Präsidiums, den Sprecherinnen der Frauen-VV und den weiteren Gremien des DOSB unter dem Blickwinkel der Chancengleichheit zu gestalten. Damit möchte ich mich insgesamt für eine erfolgreiche Entwicklung des deutschen Sports einsetzen.
adh: In den vergangenen Jahren haben Sie sich sehr stark für den Bereich der Gleichstellung engagiert. Welche Felder der Arbeit haben Sie dabei im adh und darüber hinaus betreut?
Röhrbein: Sechs Jahre lang war ich ehrenamtlich im adh als Mitglied im Ausschuss für Chancengleichheit und Personalentwicklung sowie vier Jahre als koordinierendes Mitglied im Tandem-Projektteam tätig. Das von mir initiierte Projekt "Generationenwechsel" im Kontext des altersbedingten Ausscheidens vieler hauptberuflicher Kolleginnen und Kollegen hatte den Fokus auf der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen an den Hochschulsporteinrichtungen und wurde im Jahr 2013 vom DOSB im Rahmen des Verbandswettbewerbes „Mit gutem Beispiel voran“ ausgezeichnet. Dieses Frühjahr entsandte mich der Vorstand auf internationales Parkett zu einem Kongress des Hochschulsport Weltverbandes (FISU), bei dem ich unter anderem zum Thema "Gender Equality" mitwirkte.
Im vergangenen Jahr übernahm ich Verantwortung als Mentorin im DOSB-Projekt „Mit dem gemischten Doppel an die Spitze!“. In meinem Hauptberuf ist dieses Thema natürlich ebenfalls wichtig für mich, so befasse ich mich als stellvertretende Sprecherin für die zentralen Hochschuleinrichtungen im Senat der Leibniz Universität mit Themen und Projekten zur Chancengleichheit und Antidiskriminierung.
adh: Sie führen einen der aktivsten Hochschulsportstandorte und trugen in den vergangenen Jahren die konzeptionelle und wirtschaftliche Verantwortung für den Bau eines multifunktionalen Sportzentrums mit einem beachtlichen Investitionsvolumen in Höhe von insgesamt 11 Millionen Euro. Wie gelingt es, die hauptberufliche Verantwortung und ein forderndes Ehrenamt miteinander zu verbinden?
Röhrbein: Mit meiner Ernennung zur Leiterin des Zentrums für Hochschulsport der Leibniz Universität Hannover (ZfH) vor fünf Jahren wurde mir die Aufgabe übertragen, einen umfassenden strategischen, inhaltlichen und personellen Veränderungsprozess des Hochschulsports zu initiieren und zum Erfolg zu führen. Die Begleitung des Baus und die Entwicklung und Umsetzung des wirtschaftlich und hochschulpolitisch tragfähigen neuen Betriebs- und Nutzungskonzeptes ist nun weitestgehend abgeschlossen.
Seit Mai 2013 ist das neue Zentrum in Betrieb und ich habe ein sehr gut aufgestelltes Team. Auch meine Hochschulleitung unterstützt mich in meinem übergreifenden Engagement und entlastet mich dafür dankenswerterweise personell. Es ist daher der richtige Zeitpunkt mich neuen Herausforderungen zuzuwenden und meine bisherigen Erfahrungen zielgerichtet im DOSB einzubringen.
adh: Was haben Sie in den Jahren des Engagements gelernt?
Röhrbein: Im Ehrenamt wie auch in meinem Hauptberuf ist umsichtiges Agieren in anspruchsvollen sowie komplexen Situationen und Zusammenhängen notwendig und Durchhaltevermögen hilfreich. Dabei habe ich gelernt, Balancen und Kompromisse zwischen verschiedenen Interessensgruppen auszuloten. In den Entwicklungsprozessen der vergangenen Jahre war es immer mein Ziel, Gutes zu bewahren und Wege für Veränderungen vorzubereiten und diese aktiv zu begleiten. Diese Erfahrungen nutze ich zum Beispiel auf kommunaler Ebene als Gesellschaftervertreterin in der Fössebad Betriebs-GmbH, eines vereinsbetriebenen Schwimmbades. Die Kommunikation zwischen Rat, Sportausschuss und dem Fachbereich Sport der Landeshauptstadt sowie dem Stadtsportbund Hannover ist vielschichtig. Dieses vernetzende Tun macht mir große Freude. Auf Bundesebene kommt mir diese Leidenschaft bei meiner Arbeit innerhalb der adh-Strukturkommission, der ich seit 2011 angehöre, zugute.
adh: Neben Ihrem Engagement im adh arbeiten Sie auch mit dem Landessportbund Niedersachsen eng zusammen. Welche Projekte vertiefen Sie auf kommunaler Ebene?
Röhrbein: Im nächsten Jahr finden die europäischen Hochschulmeisterschaften Rudern in Hannover statt; dabei werden wir unter anderem vom LSB Niedersachsen und natürlich auch vom Deutschen Ruderverband bestens unterstützt. Als Vorsitzende des gemeinsamen Hochschulsportverbandes der Bundesländer Niedersachsen und Bremen habe ich es mir mit meinem Team zum Ziel gesetzt, eine Plattform für interkulturelle Begegnungen zu etablieren und die Angebotsentwicklung im Inklusionssport weiter voranzutreiben. Natürlich ist auch die Weiterentwicklung des Themas „Duale Karriere im Spitzensport und der akademischen Ausbildung“ für uns in Zusammenarbeit mit dem LSB Niedersachsen ein wichtiges Aufgabenfeld.
adh: Warum setzen Sie sich für den Bereich der Gleichstellung von Frauen ein?
Röhrbein: In meinen Tätigkeitsfeldern verantworte ich seit mehreren Jahren erfolgreich weitreichende Projekte im Kontext von Veränderungsprozessen – dabei war ich häufig eine von wenigen Frauen. Diese Erfahrung und die damit verbundene Notwendigkeit innere und äußere Barrieren zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen abzubauen, ist infolgedessen früh eine Herzensangelegenheit für mich geworden.
adh: Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und danken Ihnen für das Interview.
