Von 2011 bis 2013 war Eileen Schindler (Uni Hannover) Mitglied des Sportreferateausschusses und 2012 Praktikantin für die EUSA-Games in der adh-Geschäftsstelle. Die 26-jährige Studentin kennt sich also bestens im europäischen Hochschulsport aus. Nun ist sie Mitglied in der Student Commission (StC) der EUSA.
adh: Die Tätigkeit in der Student Commission bringt sicher auch viel Arbeit mit. Was ist deine Motivation in diesem Gremium mitzuarbeiten?
Eileen Schindler (ES): Meine Erfahrungen als Mitglied des Support-Teams bei den ersten EUSA-Games waren genial und ich würde diese Erfahrungen gern vertiefen. Weiterhin passt die Arbeit zu meinen Interessen und Studienfächern und ohne dieses neue Engagement hätte ich mich vom adh nach nun fünf Jahren tatsächlich verabschieden müssen, dafür war ich noch nicht bereit. Im letzten Jahr meines Studiums möchte ich dem adh weiter treu bleiben.
adh: Welche Erfahrungen aus deinem Engagement an der Hochschule und im adh helfen dir nun auf dem internationalen Parkett?
ES: Generell meine knapp vierjährige Tätigkeit im AStA-Sportreferat und die nötige Koordination von Studium und Ehrenamt. Ich denke, insbesondere meine Erfahrung in der Organisation von Sportveranstaltungen wird mir hierbei helfen. Darüber hinaus profitiere ich sehr von Erfahrungen als Teil des Support-Teams und davon eine der Ersten gewesen zu sein, die die EUSA-GAMES kennen lernen durfte. Somit kann ich die Möglichkeiten aber auch die Herausforderungen von EUSA-Events besser einschätzen und mich schneller in die Aufgaben der StC reinfuchsen. Nicht zuletzt ist es hilfreich, viele der EUSA-Funktionäre und Personen bereits kennengelernt zu haben.
adh: Welche Schwerpunkte setzt du dir für deine Arbeit in der Student Commission?
ES: Momentan befinden wir uns noch im Findungsprozess. Mit mir sind drei weitere neue Mitglieder in die Commission gekommen und vier Mitglieder kandidieren ein zweites Mal. Bei unserem ersten Treffen im Februar sollen nun konkrete Aufgaben festgelegt werden.
Partizipation als elementarer Bestandteil des Hochschulsports
adh: Die FISU und die EUSA setzen ebenso wie der adh auf starke studentische Einbeziehung. Wie wichtig ist aus deiner Sicht die studentische Partizipation?
ES: Der Hochschulsport funktioniert nur mit Studierenden (und Bediensteten natürlich). Er ist für Studierende gestaltet und kann auch nur von Studierenden getragen werden. Ohne studentisches Engagement können demnach Wünsche und Bedürfnisse der eigentlichen Zielgruppe des Hochschulsports nicht erfasst und umgesetzt werden. Umso kritischer sehe ich es, dass die Studierenden kein Stimmrecht innerhalb der EUSA besitzen. Auch das wird ein Punkt weiterer Bemühungen sein.
adh: Welche Ziele möchtest du mit deinem Engagement in der Kommission erreichen?
ES: Wie gesagt, müssen wir zunächst einmal unsere konkreten Ziele und Aufgaben innerhalb der Student Commission definieren. Ich selbst möchte die studentische Partizipation auf europäischer Ebene stärken und hoffe, die Kommunikation mit dem studentischen Gremium der FISU verstärken zu können. Ob mir diese Aufgabe zugeteilt werden kann, zeigt sich dann im Februar.
adh: Beschreibe mal die ersten Eindrücke von der Arbeit der Kommission.
ES: Da muss ich schmunzeln. Momentan kommunizieren wir sehr viel über Email und haben zwei Skype-Sitzungen abgehalten. Mit acht Personen, die alle per Email auf eine Diskussion antworten beziehungsweise sich gern in ein Skype-Gespräch einbringen möchten ist das manchmal etwas chaotisch. Auch ergeben sich die Abläufe erst langsam, da wir "Neuen" uns erst in die Grundsatz-Papiere und Informationsdokumente einarbeiten müssen. Dennoch ist es unheimlich spannend, wie acht verschiedene Menschen aus acht verschiedenen Ländern sich doch auf einen Nenner einigen können.
adh: Was reizt dich an dieser Arbeit?
ES: In erster Linie sind es die internationalen Kontakte und die neuen, noch unbekannten Erfahrungen. Das reizt mich immer wieder und dafür würde ich auch immer wieder ins Ausland gehen, um die Kultur und die Menschen kennen zu lernen. Zudem ist es die Verantwortung. Ich wunder mich häufig, wie jungen Menschen, die sich wildfremd sind, kaum die selbe Sprache sprechen und die auch keiner vorher kannte, so viel Verantwortung übertragen wird. Das ist sehr erfüllend und man wächst mit diesen Aufgaben. Es zeigt auch, dass das eigene Studium nicht alles ist.
Ehrenamtliches Engagement lässt sich gegen kein Uni-Semester aufwiegen
adh: Studentisches Engagement ist für die Hochschulen elementar wichtig. Durch die neueingeführten Studiengänge und die Verschulung des Studiums finden viele Studierende dafür allerdings kaum noch Zeit. Wie hast du es geschafft, dein Engagement und dein Studium zu verbinden?
ES: Das ist leider immer noch die größte Schwierigkeit. Ich überziehe mein Studium und ignoriere die Kommentare einiger Dozenten und Kommilitonen, die glauben, die Einhaltung der Regelstudienzeit sei das Maß aller Dinge. Es ist wirklich schade, wie viele Studierende sich dem Druck ergeben und sich nicht trauen, über den Tellerrand zu gucken, indem sie etwas außerhalb ihres Studiums ohne Note oder Creditpoints ausprobieren. Ich profitiere in der StC davon, dass ich im Ausland war und schon ein Praktikum gemacht habe und dabei meine Stärken und Schwächen besser kennengelernt habe. Dagegen lässt sich kein Semester an der Uni aufwiegen.
adh: Wie hat dich deine Hochschule bei deinem ehrenamtlichen Engagement unterstützt?
ES: Von Seiten meiner Institute gab es sehr wenig Unterstützung, wenn es beispielsweise um Fehltermine oder andere Schwierigkeiten ging. Man musste schon genau wissen, welche Dozenten zusätzliches Engagement unterstützten. Sehr viele haben kein Vertrauen in die Studierenden und glauben, man würde sich nur vor den studentischen Pflichten drücken, wenn man mal abwesend ist. Die Erfüllung von „Sonderwünschen" ist im Studium nicht vorgesehen. „Da könnte ja jeder kommen", meinte mal ein Dozent zu mir. Es gibt auch keine Zusatzpunkte oder Ähnliches. Dennoch lernt man auch dabei, wie man Studium und Engagement am besten verbindet und wie man sein Zeitmanagement anpasst.
adh: Welche Hilfestellungen würdest du zur Förderung vom Ehrenamt an Hochschulen anbieten? Worauf sollten die Hochschulen achten?
ES: Ich finde es immer wieder erstaunlich wie gigantisch der Apparat einer Universität ist und wie wenig die Verantwortlichen von den Belangen der Studierenden und Professoren wissen. Daher gilt es nach wie vor den Kontakt zu suchen. Sowohl von Seiten des Präsidiums, als auch von Seiten des Hochschulsports oder anderen Einrichtungen, in den Ehrenämter ausgefüllt werden. Es sollte innerhalb des Studiums wieder vorgesehen werden, dass es auch Anerkennung für Leistungen abseits der Prüfungsordnungen gibt. Ähnlich einem "Studium Generale" wo man den fachlichen Blick mal ablegt und sich dem eigenen Interessen widmet. Weiterhin ist das Honorieren von Leistungen durch zusätzliche Credits nötig. Ob es nun ein extra Praktikum, ein Ehrenamt oder ein Nebenstudium sei. Es wäre schön, wenn Studierende wieder belohnt werden, den Kopf einzuschalten und wieder mehr Verantwortung für das eigene Studieren übernehmen (können). Nicht zuletzt fehlt es noch sehr an der Bekanntmachung. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich zu beteiligen, aber häufig wissen weder die Studierenden noch die Lehrbeauftragten davon, sodass man die Leistungen gar nicht honorieren kann. Da könnte man schon bei den Einführungswochen an den Unis beginnen.
adh: Mit der Arbeit in der Student Commission der EUSA hast du ein neues Ehrenamt angenommen. Welche Positionen und Aufgaben würden dich im ehrenamtlichen Engagement ebenfalls reizen?
ES: Nach der StC muss ich mich erst einmal auf mein Referendariat konzentrieren, so schwer es mir auch fällt. Wenn ich mir noch was aussuchen könnte und unbegrenzt Zeit hätte, würde ich noch einen Vorstandsposten im adh besetzen und in der Studierendenvertretung der FISU aktiv werden. Außerdem hatte ich mal mit dem Engagement in der dsj geliebäugelt und ich möchte noch mal eine Jugendgruppe trainieren. Nebenbei hätte ich noch Interesse in der Jugend- und Umweltbildung aktiver zu werden, da habe ich lokal in Hannover bereits begonnen...
Man soll sich ja große Ziele stecken. Leider musste auch ich feststellen, dass der Tag nur 24 Stunden hat und gute Noten nicht vom Himmel fallen...
adh: Wenn du auf dein ehrenamtliches Engagement in den vergangenen Jahren blickst, welche Erinnerungen sind dir vor allem im Gedächtnis geblieben?
ES: Ohje... das sind sehr viele und sehr schöne. Was mein Gedächtnis immer wieder verdrängt, ist, dass ich schon so lange dabei bin und auch älter werde. Angefangen von Erinnerungen unseres jährlichen Hochschulsportfestes in Hannover mit unserer ersten und einzigen Frauenmannschaft beim Fußballturnier (bei 80 Mannschaften), über die schönen Erfahrungen in der adh-Geschäftsstelle bis hin zu unglaublichen Geschichten bei den EUSA-Games, wo ich mich zum Beispiel in der ersten Woche mit einem deutschen Athleten und meinem „Straßenspanisch" in einer spanischen Polizeidienstelle widerfand, weil sein Gepäckstück gestohlen wurde. Tatsächlich hat er es im Shuttle vom Flughafen liegen gelassen und die ganze Aufregung war umsonst.
adh: Danke für das Gespräch.
