Horst Käsler als DHB-Bundestrainer 1972 © Imago
29.04.2026 | Kategorie: Wettkampf , Handball , national

Erinnerungen an Prof. Horst Käsler anlässlich des 100. Geburtstages

Er war der erste Disziplinchef Handball im Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband bei den Studierenden-Weltmeisterschaften im Hallenhandball der 1960er Jahre. Ferner war Horst Käsler in seiner aktiven Zeit Weltmeister im Feldhandball und später Bundestrainer der Männer des Deutschen Handballbundes (DHB). In Fachkreisen galt er auch als „Handball-Professor“.

Am 18. April wäre der gebürtige Berliner Horst („Hotti“) Käsler 100 Jahre alt geworden. Er starb am 17. Dezember 1987 in Berlin an den Folgen eines Herzinfarktes, den er wenige Tage zuvor beim Tennisspiel erlitten hatte. Zur Erinnerung an seine Verdienste im Sport und insbesondere im Handball ist seit 1991 im Berliner Stadtteil Schmargendorf die „Horst-Käsler-Sporthalle“ nach ihm benannt und mit einer Gedenktafel ausgestattet.

Horst Käsler wurde mit der adh-Auswahl bei der „I. Hallen-Weltmeisterschaft der Studenten 1963“ (so der offizielle Titel) in Schweden Vize-Weltmeister im Finale gegen Schweden, das mit 11:14 verloren ging. Zum adh-Team gehörte übrigens der heute 84-jährige Klaus Brand (VfL Gummersbach), damals Student an der Deutschen Sporthochschule Köln und ältester Bruder von Heiner Brand, dem Handball-Weltmeister als Spieler (1978) und Trainer (2007). Apropos Weltmeister: Diesen Titel errang adh-Trainer Käsler zwei Jahre später bei der Weltmeisterschaft in Madrid im Finale gegen Spanien (10:7). Mit dabei war hier u.a. Sportstudent Diethard Finkelmann (84) von der FU Berlin, damals aktiv bei den Reinickendorfer Füchsen Berlin und ein Jahr später Weltmeister im Feldhandball. 

Hotti Käsler betreute das adh-Team auch bei der Weltmeisterschaft 1968 in der Bundesrepublik, wo „nur“ Platz fünf herausprang, und letztmalig 1971 in der Tschechoslowakei (heute Tschechien), wo man bereits in den Gruppenspielen ausschied. Ein Jahr später wurde Käsler DHB-Bundestrainer als Nachfolger von Werner Vick. Als neuer adh-Disziplinchef Handball amtierte dann viele Jahre Sportdozent Dr. Hans-Dieter Trosse (91) von der Universität Hamburg.

Ein Weltmeister in der Lehre

Horst Käsler war im Hauptberuf Professor für Sportdidaktik, zunächst im Seminar für Leibeserziehung an der Pädagogischen Hochschule Berlin in Lankwitz, später am Institut für Sportwissenschaft der FU Berlin in Dahlem – damals eines der größten in der Bundesrepublik, das jedoch im Zuge verfehlter Wissenschaftspolitik nach der Wende ersatzlos geschlossen wurde. Der rührige „Handball-Professor“ Käsler hat sich auch als Fachautor einen Namen gemacht – für den DHB u.a. schon in den 1960er Jahren mit dem illustrierten Regelheft „Kommt spielt mit“ für Kinder; ferner mit mehreren Büchern, darunter: „Das Training des jugendlichen Handballers. Komplexes Lernen, komplexes Trainieren“, das er 1982 „Für Dich, Jo Deckarm“ gewidmet hatte.

Horst Käsler kam zwischen 1951 und 1959 zu 44 Länderspieleinsätzen für den DHB, erzielte dabei 87 Tore und wurde zum Abschluss seiner Karriere als DHB-Rekordnationalspieler mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. Im Jahre 1955 gehörte er u.a. zusammen mit Bernhard Kempa, einst Sportdozent an der Pädagogischen Hochschule Esslingen, zum Weltmeister-Team im Feldhandball, das im Finale vor 50.000 Zuschauern in Dortmund gegen die Schweiz mit 25:13 (11:7) gewann. Bei der Weltmeisterschaft in der Halle wurde Käsler 1954 Vizeweltmeister und war 1958 (3. Platz) ebenfalls dabei.

In den 1970er Jahren war Prof. Horst Käsler u.a. zusammen mit Prof. Dr. Günter Hagedorn von der Uni Bremen (später Uni Paderborn) und Prof. Dr. Knut Dietrich von der Uni Hamburg einer der Organisatoren der Internationalen Sportspielsymposien, die bis 1993 alle zwei Jahre an der Führungsakademie Berlin des Deutschen Sportbundes (DSB) in Zusammenarbeit mit dem Landessportbund (LSB) Berlin stattfanden. Daraus ging später die Gründung der Kommission Sportspiele der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) hervor und zwar auf Initiative von dvs-Präsidiumsmitglied Prof. Dr. Klaus Roth, der gerade von der FU Berlin an die Uni Heidelberg gewechselt war, wo 1996 die Auftaktveranstaltung stattfand.

Bei der Trauerfeier für Horst Käsler im Januar 1988 würdigte der Berliner LSB-Präsident und spätere Präsident des DSB, Manfred Freiherr von Richthofen, den Verstorbenen als einen Mann, „der sich stets zu seinen Freunden im Sport bekannte und für sie eintrat mit der ihm eigenen Vehemenz. Wer erinnert sich von uns nicht gerne an den stets fröhlichen, temperamentvollen und so lebensbejahenden Hotti?“

Lassen wir anlässlich seines 100. Geburtstages den Sportpädagogen Horst Käsler noch einmal selbst zu Wort kommen: Auf die Frage nach seinem schönsten Erlebnis in seiner Handballkarriere hat er einem Sportjournalisten 1958 u.a. geantwortet: „Es muss nicht immer ein Sieg das schönste Erlebnis sein. Mit der gleichen Hand, die eben noch ein Tor warf, den Gegner herzlich zu beglückwünschen, wenn seine Tordifferenz höher ist – ich glaube, das ist es, was den moralischen Wert des Handballspiels ausmacht“.

Text: Prof. Dr. Detlef Kuhlmann