Die ausrichtende Norwegian University of Science and Technology (NTNU) ist mit derzeit 22.000 Studierenden die zweitgrößte Universität Norwegens. Sie hat die Hauptverantwortung für die technologische Forschung und Lehre in Norwegen und – wie sich im Laufe der Konferenz zeigte – einen sehr guten Weg gefunden, um ihren studierenden Spitzensportlerinnen und -sportlern den Spagat zwischen sportlicher Karriere und akademischer Ausbildung zu ermöglichen.
Der Fokus der zahlreichen hochkarätigen Beiträge der zweitägigen Konferenz lag auf Präsentationen aus dem Gastgeberland Norwegen. Neben der NTNU präsentierte sich das Nationale Olympische Komitee Norwegens ebenso wie Trainer und Lehrer von norwegischen Highschools, Colleges und Nationalteams. Der Übergang der Athletinnen und Athleten vom Studium ins Berufsleben fand Berücksichtigung in den Vorträgen von Bard Benum, CEO der Softwarefirma Powel, und Virpi Ojankangas (Finnland) vom Personaldienstleister und IOC Partner Adecco. Während Benum auf die Special Skills der Spitzensportler für die Unternehmen hinwies, erläuterte Ojankangas umfangreich das Karriereförderungsprogramm des Unternehmens für Athletinnen und Athleten.
Die rund 50 Teilnehmenden aus 15 Nationen hatten zusätzlich in zwei Workshops Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen. Eine Gruppe beschäftigte sich mit den Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Duale Karriere notwendig sind, die zweite Gruppe identifizierte die verschiedenen Stakeholder der Systeme Bildung und Sport. Es stellte sich heraus, dass diese je nach Disziplin beziehungsweise Team- oder Individualsportart anders zusammengesetzt sein können.
Erstmals bei einer EAS-Konferenz stellten sich zwei junge Athleten als zukünftige „Role Models“ vor. Tuva Toftdal Staver (Norwegen) und Xico Colomar Martin (Spanien) gaben interessante Einblicke in ihren Alltag als Spitzensportler und Studierende. Sie berichteten, wie ihre Universitäten sie unterstützen, wo es aus ihrer Sicht Verbesserungsbedarf gibt und welche Eigenschaften Athletinnen und Athleten für die erfolgreiche Bewältigung einer Dualen Karriere mitbringen sollten. Das „Role model“-Konzept von den Mitgliedsinstitutionen soll zukünftig weiter ausgebaut werden und jedes Mitgliedsland Athletinnen und Athleten präsentieren, die erfolgreich Spitzensport und akademische Ausbildung kombinieren.
Bart Oojen, Policiy Officer der Sports Unit der Europäischen Kommission, stellte aktuelle und zukünftige Initiativen der EU im Bereich Duale Karriere vor. Schwerpunkt seines Vortrags bildeten die EU-Richtlinien für die Duale Karriere und das geplante EU-Förderprogramm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport 2014-2020 („Erasmus für alle“). In diesem hat sich der adh als Kooperationspartner der EAS in den Projektantrag „Dual Career Ambassadors – European Partnership on Sport“ eingebracht. Die Entscheidung, welche Projekte den Zuschlag für die EU-Förderung erhalten, wird im Oktober erwartet.
Höhepunkt der Konferenz war die erstmalige Verleihung des Bengt-Nybelius-Scholarship-Awards an Sarah Seidl, Spitzensportbeauftragte der Universität Mannheim und Absolventin der Universität Bayreuth. Ziel des Stipendiums, das nach dem 2011 verstorbenen EAS-Gründungsmitglied Bengt Nybelius benannt wurde, ist es, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Duale Karriere“ von Absolventen und jungen Forschern zu fördern. Mit ihrer 2012 verfassten Masterarbeit zum Thema „Spitzensportförderung und Spitzensportbeauftragte an deutschen Universitäten“, in der Sarah Seidl Argumente für die Besetzung eines hauptamtlichen Spitzensportbeauftragten im universitären Betrieb wissenschaftlich fundiert darlegte, überzeugte sie die Jury und setzte sich damit erfolgreich gegen den zweiten Bewerber, Corrado Lupo (Universität Turin), durch.
Die Delegierten verließen die Konferenz mit vielen Eindrücken und Anregungen für die Arbeit in ihren Heimatländern und blicken nun gespannt zur EU Sport Unit, wo in naher Zukunft einige wegweisende Entscheidungen für das Thema zu erwarten sind. Auf der direkt folgenden Sportministerkonferenz in Vilnius (30.09./01.10.) war das Thema jedenfalls einer der Topics.
