Ziel der Qualifizierungsreihe ist es, sowohl die standortspezifische Weiterentwicklung als auch den Erfahrungsaustausch zu fördern und damit standortübergreifende gesundheitsförderliche Strukturen an Hochschulen aufzubauen.
Prof. Dr. Gorden Sudeck (Leiter der Bildungs- und Gesundheitsforschung im Sport an der Uni Tübingen) und Ingrid Arzberger (Leiterin des Hochschulsports an der Uni Tübingen) verdeutlichten den Ansatz, durch individuelle Qualifizierung strukturelle Entwicklungen nachhaltig zu stärken:
„Die Qualireihe spricht Sie persönlich an und qualifiziert Sie individuell – zugleich ist sie ein starkes gemeinsames Programm von adh und TK, das systemisch denkt und den Kapazitätsaufbau für Gesundheitsmanagement an Hochschulen voranbringt. Denn Fachkräfte in diesem Feld fallen nicht vom Baum. Was Sie hier lernen, ist ein Gewinn für Sie persönlich – und ein wichtiges Puzzlestück für Hochschulen und unsere Gesellschaft insgesamt, um Gesundheitsförderung nachhaltig zu stärken und weiterzuentwickeln“, betonte Prof. Dr. Sudeck in seinem Grußwort an die Teilnehmenden.
Nach einem Ausblick auf die bevorstehenden zwei Seminartage durch Lisa Jung (adh-Projektleitung Gesundheit) starteten die Teilnehmenden in die inhaltliche Arbeit. Dr. Brigitte Steinke (Prozessberaterin im Setting Hochschule) führte in das Konzept sozialer Rollen und Aufgaben ein und erläuterte anschaulich die damit verbundenen Dilemmata. Vor diesem Hintergrund reflektierten die Teilnehmenden zunächst ihr eigenes Rollenverständnis. In einem anschließenden Reflexionsspaziergang tauschten sie sich aus und entwickelten ein vertieftes Verständnis für die jeweiligen standortspezifischen Herausforderungen.
Im weiteren Verlauf stellten die Teilnehmenden ihre Visionboards vor, die sie in Zusammenarbeit mit ihren Patinnen und Paten im Voraus erarbeitet hatten. Darauf visualisierten sie ihre Ziele und Visionen für gesundes Arbeiten und Studieren im Jahr 2026 an ihrem jeweiligen Standort. Die Präsentation in Kleingruppen ermöglichte einen intensiven und gewinnbringenden Erfahrungsaustausch.
Den Abschluss des ersten Seminartages bildete die kollegiale Beratung. Während zuvor eher systemische Fragestellungen im Fokus standen, diskutierten die Teilnehmenden nun konkrete standortspezifische Aufgabenstellungen. Durch die Perspektivwechsel konnten sie ihre Herausforderungen neu betrachten und wertvolle Impulse für mögliche Lösungsansätze mitnehmen. Die Seminarleitungen Lisa Jung und Dr. Brigitte Steinke rundeten den Tag mit vier gezielten Reflexionsfragen ab, die den Transfer des Erlebten unterstützten.
Auch die Bewegung kam nach dem offiziellen Teil nicht zu kurz: Hannah Besel – Tübinger Teilnehmerin der Qualifizierungsreihe – führte die Gruppe ein einem kurzweiligen Spaziergang durch die historische Altstadt von Tübingen.
Der zweite Seminartag begann mit einer von den Teilnehmenden Dustin Rehder und Corinna Langhans angeleiteten Bewegungs- und Achtsamkeitseinheit, die einen fokussierten Start in den Tag ermöglichte. Inhaltlich wurde dieser mit einem Überblick über die historische Entwicklung des Gesundheitsmanagements eröffnet. Dabei wurden zentrale Meilensteine der studentischen Gesundheitsförderung beleuchtet und gesundheitsförderliche Strukturen deutscher Hochschulen im internationalen Vergleich eingeordnet. Deutlich wurde: Im Gegensatz zu anderen Staaten ist das Gesundheitsmanagement an deutschen Hochschulen bislang noch nicht flächendeckend institutionalisiert – entsprechend besteht weiterhin Entwicklungsbedarf.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen führte Dr. Mona Kellner (Projektleiterin SGM an der Uni Heidelberg) in das Konzept des „House of Workability“ ein, welches die Einflussfaktoren der Arbeitsfähigkeit in vier Ebenen strukturiert und sichtbar macht. In Gruppenarbeiten übertrugen die Teilnehmenden dieses Modell auf die Lebenswelt Hochschule und erschlossen sich so das Konzept des „House of Studyability“. Ausgehend von der Fragestellung, was hochschulisches Gesundheitsmanagement konkret bedeutet, erarbeiteten sie Schnittmengen, Wirkzusammenhänge sowie Abgrenzungen beider Modelle. Dies diente als Grundlage, um Ziele für den eigenen Standort zu schärfen und konkrete Maßnahmen zu entwickeln.
Das Seminar endete mit einer Blitzlichtrunde. Dabei wurde deutlich, wie wertvoll der standortübergreifende Austausch ist. Neben neuen Perspektiven wurde insbesondere hervorgehoben, dass niemand im Feld des hochschulischen Gesundheitsmanagements allein agiert, sondern auf ein wachsendes Netzwerk zurückgreifen kann. Auch das fundierte Hintergrundwissen wurde positiv betont, da es den Diskussionen eine besondere Tiefe verlieh.
Dr. Brigitte Steinke lobte das vertrauensvolle Miteinander der Gruppe und zog ein durchweg positives Fazit: „Es war wirklich bemerkenswert, wie offen jede und jeder über sich gesprochen hat, wie miteinander gelacht werden konnte und wie selbstverständlich sich alle bereits beim Ankommen auf neue Perspektiven eingelassen haben.“
