21.05.2014 | Kategorie: Orientierungslauf , DHM , national

Orientierungslauf – eine Natursportart mit komplexen Anforderungen

Sie suchen immer den schnellsten Weg im Gelände. Dabei stellen sich die Läuferinnen und Läufer vielfältigen Herausforderungen. DC Nikolaus Risch spricht im Interview über die Komplexität der Sportart.

Orientierungslauf in Deutschland ohne den Hochschulsport ist nur schwer vorstellbar. Die Sportart ist eng verbunden mit den Hochschulsporteinrichtungen, die zusammen mit den spezifischen Vereinen das Fundament für die Weiterentwicklung des Orientierungslaufs in der Bundesrepublik darstellen. Die Deutsche Hochschulmeisterschaft Orientierungslauf ist nicht nur deshalb ein fester Termin im nationalen Wettkampfprogramm der Aktiven und des adh. Disziplinchef Orientierungslauf Prof. Dr. Nikolaus Risch spricht im Interview über die Herausforderungen und Aufgaben, die sich jeder Aktive stellen muss.   

Angaben zur Person:

Name: Prof. Dr. Nikolaus Risch
Hochschule: Uni Paderborn 
DHM: Orientierungslauf
Funktion: Disziplinchef Orientierungslauf

Welche Herausforderungen bietet die Sportart Orientierungslauf?

Orientierungslauf ist eine Natursportart, die weltweit angeboten wird. Sie bietet innerhalb einer Veranstaltung fantastischen Sport zugleich für absolute Hochleistungssportler und Breitensportler jeden Alters. Physis und "Köpfchen" sind gleichermaßen gefordert: Ausdauer, Kraft, Koordination, Wahrnehmungsvermögen, Entscheidungsfähigkeit bei komplexen Anforderungen unter hoher Belastung. Es handelt sich primär um eine Individualsportart, legendär sind aber die großen Staffeln insbesondere in Skandinavien mit mehreren Tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Welchen Stellenwert hat der Hochschulsport für die Entwicklung der Sportart in Deutschland?

In Deutschland ist der Orientierungslauf wie kaum eine andere Sportart geprägt durch Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Hochschulen oder deren Absolventen. Insofern spielt der Hochschulsport eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Sportart. Die hohe Komplexität der Trainings- und Wettkampforganisation erfordert jedoch in der Regel eine Kooperation mit einschlägigen, ortsnahen Vereinen.

Erheblich reduzierte Anforderungen werden im Schul-OL entwickelt, der unter anderem in Skandinavien ein weit verbreitetes Schulfach ist.

Wie hat sich die Sportart in den vergangenen Jahren an den Hochschulen entwickelt?

Quantitativ liegen wir in Deutschland angesichts der Angebotsvielfalt im Sport und bei Freizeitaktivitäten auf einem gleichbleibend guten Niveau. Das internationale Niveau ist erheblich gestiegen. Die Mehrzahl der Sieger bei Deutschen Meisterschaften sind inzwischen Studierende. Auf jeden Fall bieten die Hochschulen die entscheidende Grundlage für unsere Sportart.

Bei der diesjährigen DHM starten die Aktiven in Malente in der Nähe von Kiel. Welche besonderen Herausforderungen bietet das Gelände?

Der Einzellauf bei Malente wird in einem durchaus hügeligen Gelände ausgerichtet, das die Physis ebenso fordert wie das Erkennen von kleinräumigen Höhenunterschieden und -details. Richtungsstabilität  und das sichere Erfassen von Entfernungen gehören ebenso dazu wie das Umgehen mit weichem Untergrund und diffusen Vegetationen.

Der Staffellauf auf dem Campus der Universität Kiel erfordert neben hoher Tempostabilität die Fähigkeit, sehr schnell richtige Entscheidungen bezüglich der besten Routen bei kurzen Postenabständen zu treffen. Eine ausgeprägte visuelle Aufnahmefähigkeit und gute Nerven sind gefragt.

Welchen Stellenwert nimmt die DHM im nationalen Wettkampfgeschehen ein?

Die DHM Orientierungslauf nimmt einen hohen Stellenwert ein, was man unter anderem daraus ableiten kann, dass der Termin am Himmelfahrtswochenende seit 20 Jahren geschützt ist: Es finden zeitgleich (abgesehen von kleineren regionalen Angeboten) auf Bundesebene keine weiteren Wettkämpfe statt. Die sechs Erstplatzierten der DHM sind in der Regel auch unter den Top zehn der Deutschen Meisterschaft platziert.

Danke für das Interview!