Nachdem Dr. Axel Bauer, Leiter des Hochsports der Georg-August-Universität Göttingen, die knapp 25 Teilnehmenden begrüßte, erläuterte Prof. Dr. Norbert Lossau, Vizepräsident für Infrastrukturen der Uni Göttingen, wie bedeutsam die Rolle des Hochschulsports innerhalb der Nachhaltigkeitsstrategie der Universität sei. Innerhalb dieser Strategie ständen unter anderem neue Modelle der Infrastrukturnutzung sowie das Flächen- und Energiemanagement im Fokus.
Joachim Weber (Autor „Wie wollen wir leben“) stellte zunächst die verschiedenen Ebenen und die Bedeutsamkeit des Themas innerhalb von Hochschulen heraus. Diese sollten als „Zukunftswerkstatt der Gesellschaft“ ihre Verantwortung wahrnehmen und klarmachen, für welche Kultur und Moral sie einträten. Er beleuchtete die Frage, ob Hochschulen einer zunehmenden Ökonomisierung auf allen Ebenen oder einem zwingend erforderlichen Paradigmenwechsel zum „Ethos der Nachhaltigkeit“ folgten. Weber erklärte sein Verständnis von Nachhaltigkeit als die Lebensweise, „die den Bedürfnissen der heutigen Generationen entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ Er machte weiterhin deutlich, dass der Hochschulsport als Teil der Hochschulen die gesellschaftliche Aufgabe habe, daran mitzuwirken, die Studierenden zu nachhaltigem Denken und Handeln zu befähigen (siehe auch adh-Magazin „hochschulsport 3/2016“).
Wie dies in der Praxis umgesetzt werden kann, erläuterte Mischa Lumme eindrucksvoll anhand der Organisation des in Göttingen hochschulsporteigenen Events „DIES Academicus“. Diese gemeinsam mit Studierenden organisierte Outdoor-Veranstaltung mit Festivalcharakter erreiche an einem Tag mehr als 8000 Menschen und bewege mindestens 4000 Studierende in diversen Turnieren und Aktionen, so Lumme. Das Thema Nachhaltigkeit sei im Grundverständnis und in der Kultur dieses Events fest verankert. Jedes Element der Veranstaltung werde unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit diskutiert. Im Ergebnis seien die Prozesse in der Beschaffung, im Catering sowie in der Organisation konsequent auf Nachhaltigkeit ausgelegt. So würden lokale Partner ausgewählt, entsprechende Textilien und Printprodukte (sowie Mengen) bestellt und Müll vermieden.
Dr. Axel Bauer hatte zuvor bereits den am Hochschulsport der Universität Göttingen durchgeführten Nachhaltigkeitscheck vorgestellt und die daraus entstandenen Visionen sowie dessen praktische Umsetzung erläutert. Insbesondere baulich-technische Maßnahmen sowie die Sensibilisierung der Nutzerinnen und Nutzer habe in den vergangenen zehn Jahren für zum Teil extreme Einsparungen im Verbrauch von Wasser, Strom und Wärme gesorgt bei gleichzeitiger Expansion der Nutzungsflächen sowie hoher Steigerung der Besucherzahlen (240.000 in 2006 – 513.000 in 2016). Im Anschluss referierte Bernhard Maag über die vielfältigen Aktivitäten und Projekte des UNISPORTS der TU Kaiserslautern. Neben der ökologischen und ökonomischen sei dabei besonders die soziale Komponente von Bedeutung. Beispielhaft präsentierte Maag die studentische Gesundheitsförderung (CampusPlus) durch den UNISPORT und aktuelle Projekte im Sportstättenbau sowie dessen Betrieb. „Wir wollen die Nachhaltigkeit des UNISPORTS strategisch weiterentwickeln“ resümierte Maag seinen Impuls.
Am zweiten Tag startete Thomas Wilken (KONTOR 21) mit einem Vortrag zum Thema „Nachhaltigkeit als Linie bei Sportevents“. Hierbei gab er einen Überblick über die verschiedenen, zum Teil sehr einfach umsetzbaren Maßnahmen und verwies explizit auf einen möglichen Hauptansatzpunkt für Hochschulsportveranstaltungen - diese sollten stets Co2 neutral umgesetzt werden. Anschließend gelang es Patsy Ryan, Geschäftsführer der Mardyke Arena der Universität Cork, die Bedeutsamkeit kleiner Schritte herauszustellen. Hierzu stellte er die Mardyke Arena und dessen „Green Journey“ vor. Auch Ryan verwies auf die Kulturfrage und die gesellschaftliche Verantwortung der Hochschulen, die die Entscheidungsträger der Zukunft ausbildeten.
Nach einer abschließenden Diskussion der Teilnehmenden zu möglichen konkreten Umsetzungsmaßnahmen zogen alle Beteiligten ein sehr positives Fazit. Adh-Vorstandsmitglied Juliane Bötel resümierte: „Mit diesem Qualifizierungsangebot ist der erste Schritt gelungen, das Thema Nachhaltigkeit zukunftsorientiert in den Blick zu nehmen und konkret im und durch den Hochschulsport weiter zu entwickeln. Beeindruckend ist dabei die Vielfalt der Potentiale und Möglichkeiten, aktiv zu werden sowie der große Wunsch der Teilnehmenden, dieses Thema innerhalb des adh und des Bildungsprogramms zu verstetigen.“
