Seit 2014 untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln und des Universitätsklinikums Ulm im Rahmen des Forschungsprojektes »Safe Sport« die Häufigkeiten und Formen von sexualisierter Gewalt im Wettkampf- und Leistungssport sowie den Umsetzungsstand von Maßnahmen zur Prävention und Intervention in Sportverbänden und -vereinen. Dabei wurden neben den sexualisierten Gewalthandlungen mit Körperkontakt auch solche ohne Körperkontakt sowie grenzverletzendes Verhalten untersucht. Befragt wurden neben Verbänden und Vereinen auch Spitzensportlerinnen und Spitzensportler sowie Trainerinnen und Trainer in insgesamt fünf verschiedenen Modulen. „Safe Sport“ stellt die erste umfangreiche Datenerhebung in diesem Feld in Deutschland dar.
„Kultur des Hinsehens“ schaffen
Dr. Marc Allroggen, Klinik für Kinder und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm, präsentierte die ersten Ergebnisse der Befragung, die unter Kadersportlerinnen und Kadersportlern durchgeführt wurde. „Sexualisierte Gewalt ist im Bereich des organisierten Leistungs- und Wettkampfsports genauso präsent wie in der Allgemeinbevölkerung.“ Dieses Ergebnis stellt einmal mehr die Relevanz für Verbände und Vereine, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen, heraus. Die Befragung hat darüber hinaus gezeigt, dass in Vereinen mit einer klar kommunizierten „Kultur des Hinsehens und der Beteiligung“ das Risiko für alle Formen von sexualisierter Gewalt signifikant geringer ist.
Prävention und Intervention in den Mitgliedsorganisationen des DOSB/der dsj
Dr. Bettina Rulofs, Koordinatorin der unterschiedlichen Untersuchungen des Forschungsprogramms, stellte anschließend die Ergebnisse der Basisbefragung von zentralen Organisationen und Einrichtungen des gemeinnützig organisierten Sports in Deutschland vor. Bundesweit wird das Thema vor allem durch das Engagement der Landessportbünde und ihren Sportjugenden bearbeitet. Darüber hinaus hat die online durchgeführte Befragung gezeigt, dass die finanziellen und organisatorischen Ressourcen unterschiedlich stark ausgeprägt sind und damit auch die Möglichkeiten Präventionsmaßnahmen zu initiieren.
Transfer systematisch verstetigen
Im zweiten Teil des Forums diskutierten die Teilnehmenden in vier Workshops die Ergebnisse des Forschungsprojekts. Im Workshop „Was bedeuten die Ergebnisse der Befragung der DOSB/dsj-Mitgliedsorganisationen für die Weiterentwicklung der Präventionsarbeit in Sportverbänden?“ skizzierte Peter Lautenbach, Ressortleiter Jugendarbeit im Sport der Deutschen Sportjugend (dsj), zunächst die Präventionsaktivitäten und -maßnahmen der dsj. Anschließend wiederholte Dr. Ingo Wagner, von der Deutschen Sporthochschule Köln, ausgewählte Hauptbefunde zu den Landessportbünden, Spitzenverbänden und Verbänden mit besonderen Aufgaben im DOSB. Bei der anschließenden Diskussion stellte sich zum einen heraus, dass der Transfer der Aktivitäten der dsj und der Zugang der Mitgliedsverbände zu den vorhandenen Materialien systematisch verstetigt werden muss. Zum anderen gilt es, die Sensibilisierung für und die Enttabuisierung von sexualisierter Gewalt und ihren Folgen innerhalb der Vereine weiter zu verfolgen. Darüber hinaus sollen weitere empirische Daten in einer Anschlussforschung erhoben werden.
Auch für den adh heißt es nun, die Ergebnisse der Untersuchung und des Erfahrungsaustausches zu nutzen, um Strategien sowie Materialen zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse der Hochschulsporteinrichtungen abgestimmt sind. In die Erstellung dieser, werden auch die Ergebnisse der vom Ausschuss für Chancengleichheit und Personalentwicklung durchgeführten Umfrage unter den adh-Mitgliedshochschulen zur Prävention sexualisierter Gewalt einfließen. Weiterhin gilt es, die Erkenntnisse der „Safe Sport“-Untersuchung und die bereits vorhandenen Materialien der verschiedenen Organisationen auch in die adh-Mitgliedschaft zu transportieren. Hierfür wurden auf der Projektseite #AKTIV! verschiedene Informationen und Materialien zum Thema veröffentlich. Die Aktivitäten und Strategien zur Prävention sexualisierter Gewalt im Rahmen des Hochschulsportes gilt es systematisch und qualitätsorientiert zu implementieren und weiterzuentwickeln. Die Prävention sexualisierter Gewalt ist ein Thema, dass alle angeht – in jedem sportlichen Umfeld und Alter.
Beim Forum waren mit adh-Vorstandsmitglied Juliane Bötel und Kirsten Stegemann, Freie Universität Berlin/ AG PSG der dsj, auch zwei Vertreterinnen aus dem Hochschulsport vertreten.
Weitere Informationen bieten die Pressemitteilung des Forschungsverbunds sowie ein Interview mit dem dsj-Vorsitzenden Jan Holze.
