Wie schon 2022 holte die ehemalige RUB-Studentin Laura Nolte (li.) Gold im Zweierbob mit Deborah Levi | © Team Deutschland

Mailand & Cortina d’Ampezzo 2026: Jede*r Fünfte im Team D verbindet erfolgreich Studium und Spitzensport

Im Nachgang der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo 2026 legt Prof. Dr. André Schneider (Steinberg Institut) in Kooperation mit dem adh eine umfassende Analyse zur Struktur und zum Erfolg der deutschen Olympiamannschaft vor. Die Studie macht deutlich: Die Duale Karriere als Verbindung von Studium und Spitzensport ist im Wintersport fest etabliert und gewinnt weiter an Bedeutung.

21,7 Prozent Studierende im Team Deutschland

Von den 189 nominierten Athletinnen und Athleten des Team D waren 41 studierend – das entspricht 21,7 Prozent der Gesamtmannschaft. Rechnet man die 23 Absolventinnen und Absolventen hinzu, liegt der Anteil der Akademikerinnen und Akademiker bei 33,9 Prozent. Damit stellt diese Gruppe nach den Bundeswehrangehörigen (40,2 Prozent) die zweitgrößte Statusgruppe innerhalb des Teams. Im Vergleich zu den Winterspielen von Peking 2022 ist der Studierendenanteil deutlich gestiegen (von 16,7 auf 21,7 Prozent). Auch der Akademikeranteil erreicht mit 33,9 Prozent den höchsten Wert seit 2014.

„Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass die Verbindung von Studium und Spitzensport im Wintersport weiter an Relevanz gewinnt. Der Anteil studierender und akademisch ausgebildeter Athletinnen und Athleten ist so hoch wie nie zuvor bei Winterspielen“, ordnet Studienautor André Schneider ein. „Immer mehr Sportlerinnen und Sportler gestalten ihre sportliche Laufbahn parallel zu einer akademischen Ausbildung.“

27 Prozent der Medaillen durch Akademikerinnen und Akademiker

Auch sportlich prägten Studierende und Absolventinnen beziehungsweise Absolventen das Abschneiden in Italien maßgeblich: Von insgesamt 26 deutschen Medaillen wurden sieben (3 x Gold, 2x Silber, 2 x Bronze) unter Beteiligung von Akademikerinnen und Akademikern gewonnen – rund 27 Prozent des Gesamterfolgs. Besonders erfolgreich waren sie im Bob, aber auch im Eiskunstlauf und Biathlon. Dafür sorgte auch Laura Nolte mit Silber im Mono- und der Titelverteidigung im Zweierbob. Die 27-Jährige hatte 2024 ihr Studium der Wirtschaftspsychologie an der Ruhr-Universität Bochum abgeschlossen.

Mehr als ein Drittel der deutschen Olympiasiege in Mailand/Cortina ging damit auf das Konto von Aktiven mit akademischem Hintergrund.

Sprungbrett FISU Games

Ein weiterer bemerkenswerter Befund der Studie betrifft die Erfahrungen im internationalen Hochschulsport vieler Olympiateilnehmender: Insgesamt elf Mitglieder der deutschen Olympiamannschaft waren zuvor Teil der Deutschen Studierenden-Nationalmannschaft (Team Studi) und hatten bereits an FISU World University Games oder -Championships teilgenommen beziehungsweise waren dafür nominiert. Die FISU-Wettkämpfe erweisen sich damit erneut als wichtige Entwicklungsplattform im Zusammenspiel von Studium und Spitzensport und als wertvolle internationale Standortbestimmung auf dem Weg zu Olympischen Spielen.

Von den ehemaligen Mitgliedern des Team Studi konnte zwar niemand auf das Podium klettern, beachtenswert waren ihre Leistungen allemal. Besonders knapp scheiterte Talea Prepens (FISU Summer Games 2023 & 2025) als Anschieberin in Zweierbob für Kim Kalicki: Am Ende mussten sich die beiden mit 0,15 Hundertstel Abstand auf Bronze mit Rang vier zufriedengeben. Auch Skicrosser Florian Wilmsmann (FISU Winter Games 2019) verpasste das A-Finale nur knapp und wurde am Ende Siebter.

Partnerhochschulen des Spitzensports als zentrale Säule

Die 41 studierenden Teammitglieder waren an 17 deutschen und sechs ausländischen Hochschulen eingeschrieben. Acht der 17 deutschen Hochschulen gehören zur Initiative „Partnerhochschule des Spitzensports“ – das entspricht 47,1 Prozent. Fast ein Drittel der studierenden Olympiateilnehmenden war an einer solchen Partnerhochschule immatrikuliert.

adh-Generalsekretär Benjamin Schenk betont: „Die Partnerhochschulen des Spitzensports sind ein zentraler Erfolgsfaktor für die Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport. Dass nahezu jeder dritte studierende Olympiateilnehmende an einer Partnerhochschule eingeschrieben ist, unterstreicht die Wirksamkeit dieses Netzwerks. Unser Ziel ist es, anhand der gewonnenen Studienerkenntnisse – auch im Zusammenspiel der Studie zur Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport der Uni Münster - die Förderung der studierenden Spitzensportlerinnen und -sportler gemeinsam mit unseren Partnern in naher Zukunft weiter auszubauen.“

Seit dem Start der Initiative im Jahr 1999 wächst ihre Bedeutung kontinuierlich. Der steigende Anteil studierender Athletinnen und Athleten bei Olympischen Spielen belegt die nachhaltige Wirkung strukturierter Unterstützungsangebote im Sinne einer gelingenden Dualen Karriere.

Studierende jünger – Frauenanteil überdurchschnittlich

Das Durchschnittsalter der Studierenden im Team D lag bei 25,6 Jahren und damit unter dem Gesamtaltersdurchschnitt von 27,1 Jahren. Auffällig ist zudem die Geschlechterverteilung: 58,5 Prozent der Studierenden waren weiblich – deutlich mehr als ihr Anteil an der Gesamtmannschaft (46,6 Prozent).

Fazit: Duale Karriere gewinnt auch im Wintersport an Bedeutung 

Die Analyse unterstreicht, dass die Verbindung von Studium und Spitzensport inzwischen eine feste Größe im deutschen Wintersport darstellt. Mit einem Akademikeranteil von 33,9 Prozent und einem Medaillenanteil von rund 27 Prozent leisten Studierende und Absolventinnen beziehungsweise Absolventen einen substanziellen Beitrag zum olympischen Erfolg Deutschlands.

Die vollständige Studie „Studierende Spitzensportlerinnen und Spitzensportler bei den Olympischen Winterspielen 2026 – Analyse zur Struktur und Erfolg der deutschen Olympiamannschaft“ von André Schneider ist im Steinberg Dialog (2026 | 3) erschienen und hier digital abrufbar.