19.07.2008 | Kategorie: Archiv , 2008 ,

WUC Taekwondo: Robert Vossen erreicht Bronze

Gerne hätte man erlebt, wenn das kasachische Schwergewicht auf die aufmunterten Attacken von Robert Vossen in der ersten Runde geantwortet hätte. Weil sich Vossen auf die passive Gangart seines Kontrahenten einließ, verdichtete sich die Verwarnung des Kampfleiters in der ersten Runde zu einem Minuspunkt wegen Passivität.

Die taktische und technische Überlegenheit von Robert Vossen (84 Kg), beispielsweise in Form von schönen Dreifachkombinationen, die auch trafen, führten leider nicht zur erwünschten Punktvergabe. Nach negativem Punktegleichstand am Ende der dritten Runde (-1:-1) musste eine vierte Runde die Entscheidung bringen. Ein anderes Ergebnis als einen Sieg für Deutschland, durch direkten Paltung herbeigeführt, hätte man als ungerecht empfunden. Auf dem Weg ins Halbfinale traf Vossen im zweiten Kampf auf Driton Juncaj aus Montenegro. Während er die erste Runde klar für sich entscheiden konnte, holte er in Runde zwei mit direktem Paltung einen weiteren Punkt, handelte sich mit vermeidbaren Minuspunkten jedoch Abzüge ein, sodass es bei beiderseitigem Punktezuwachs lediglich ein 3:2 am Ende der Runde gab. Trotz konditioneller Probleme beider Kämpfer zeigte sich Vossen entschlossen, den Kampf siegreich zu beenden. Er hatte zwischenzeitlich einige unfaire Attacken seines Gegners zu verdauen, konnte sein Punktekonto dennoch auf 5:2 steigern und stand somit im Halbfinale. Wer nun glaubte, der Weg ins Finale sei durch den Iran, der Korea bei den Asien Games besiegte, sei komplett versperrt sah sich angesichts eines kompromisslos angreifenden Robert Vossen zumindest in der ersten Runde getäuscht. Mit Paltung ging der Deutsche gegen Hosein Tajik sogar in Führung, wobei dem Iraner kurz vor Rundenende der Ausgleich gelang. Sich auch in der zweiten Runde gegen einen iranischen Kämpfer als absolut gleichwertig zu präsentieren, kampfstark anzugreifen und unbeeindruckt zu kontern, zeugt bei einem solchen Turnier von internationaler Klasse. Leider reichte es am Ende dann doch nicht und Vossen holte Bronze. Nachdem er die Sommer-Universiade in Bangkok 2007 erfolgreich bestritt und zwischenzeitlich die Swedish-Open gewann, stellte Vossen heute mit dem Gewinn der Bronzemedaille erneut seine internationale Qualität unter Beweis und bleibt auf Erfolgskurs. Bei dem Kampf von Sabrina Grimm (bis 55 Kg) liefen von der ersten Sekunde an beide Kämpferinnen in eine Richtung: Diagonal, einer der vier Ecken zustrebend, wobei Sabrina Grimm stets ihre brasilianische Gegnerin vor sich hertrieb. Aber zum Ärger Aller gelang es Josiana de Oliveira gerade aus dieser Flucht heraus mit Konter-Paltung zu punkten. Dieses 1:0 hielt sich bis zum Schluss. Ein Ergebnis, dass den eigentlichen Kampfverlauf seitenverkehrt widerspiegelt, zumal ein klarer Paltungtreffer Sabrinas auf die Seite der Brasilianerin nicht gewertet wurde. Ein Jahr nach der Universiade in Bangkok, auf der sie bereits beeindruckend debütierte, ist Sabrina Grimm technisch und kämpferisch stark gewachsen. Am Ende belegt sie Platz Neun. Michael Baumgarlt (bis 78 Kg), der sympathische Neuzugang aus München sammelte auf dieser Weltmeisterschaft erste internationale Erfahrung. Gegen Rumänien kämpfte er die ersten Runden klug verhalten, studierte Stärken und Schwächen des Gegners, um dann in Runde drei das Resultat seiner Analyse voll und effizient in Punkte zu verwandeln. Waren in Runde zwei noch leichte Vorteile des Rumänen festzustellen, veränderten sich während der dritten Runde die Scoreboard Ziffern zu Gunsten Baumgartls in derart kurzen Taktfolgen, dass es gegen Ende 7:3 und am Schluss durch einen präzise geschlagenen NEREO-CHAGGI sogar 9:4 stand. Ein Minuspunkt verkürzte das beeindruckende Resultat nur unwesentlich. Eine Handverletzung (Bruch des Mittelfingers) die Baumgartl ohne übliche Showeinlage unauffällig wegsteckte, brachte ihn vermutlich gegen einen international erfahrenen türkischen Kämpfer aus dem Konzept, so dass der Kampf zur Mitte der dritten Runde abgebrochen werden musste. Dies bedeutet für Baumgartl den fünften Platz.