{{von Arne Simann}} Zur ersten Ausgabe der Europameisterschaften für Studenten und Hochschul-Angehörige hatte auch der adh eine schlagstarke Delegation von 48 Personen in 11 von 13 möglichen Bootsklassen ins walisische Cardiff entsandt. Unter Leitung von Mitinitiator und EUSA-Chef Enno Harms, sowie Jens Hundertmark und Uwe Maerz für den sportlichen Bereich wurden die deutschen Gastruderer ebenso wie die zwölf anderen teilnehmenden Nationen mehr als freundlich in der 300.000-Einwohner-Stadt im Westen der britischen Insel aufgenommen. Im Rahmen der Begrüßungsfeier an der 1500m-Rennstrecke Cardiff-Bay wurden alle Verbände inklusive der 45 Hochschulen einander vorgestellt und versprachen sich faire Wettkämpfe auf dem windigen Hafengewässer, das früher einmal der größte Kohlehafen der Welt gewesen ist. ''Deutsche starten mit Gold in den Wettkampf'' Die deutsche Mannschaft legte gleich mit einer Goldmedaille am windigen Finalsonntag los. Eine Regattastrecke, an der etliche Marinas gelegen sind und auch zahlreiche Segler sich mit gut 10-20 Knoten fortbewegen, warnt den eingefleischten Ruderfan vor den drehenden Meereswinden mit konsekutivem Wellengang. Darauf konnten sich die adh-Boote jedoch einstellen und jeder versuchte für sich am besten über die Wellen zu kommen. Der deutsche Frauen-Doppelvierer von der Uni Hannover mit Schlagfrau Elke Hipler, Maike Buschmann, Renate Fuchs und Daniela Gorr schlug sich hierbei am besten gegen die Konkurrenz und erruderte vor dem englischen Boot auf den ersten Platz. Ebenso wie das Damen-Quartett hatten sich alle deutschen Starter auf den diesjährigen Hochschulmeisterschaften im bayrischen Ingolstadt qualifiziert und waren dort vom adh für Cardiff nominiert worden. Der Angaria-Doppelvierer legte sogar noch einmal nach und stieg zusammen mit vier weiteren Hannoveranerinnen in den Achter. Mit Meike Buck, Baukje Dobberstein, Randi Franke, Svenja Schulz und Steuerfrau Mareen Dubinin reichte es dann für das deutsche Großboot im Finale zum fünften Rang hinter den Nationen aus Holland, England, Frankreich und Kroatien. ''Deutsche Medaillenausbeute geht weiter'' Der nächste Paukenschlag aus deutscher Sicht kam dann im Doppelzweier der offenen Klasse. Hier hatten Unfall-Chirurgin Lenka Wech und die angehende Lehrerin Judith Obrocki im Namen der Uni Freiburg bereits in den Vorläufen gezeigt, dass alles andere als die Goldmedaille auf der 1500-meter-Strecke gar nicht in Frage kommt. Und gesagt, getan, ließ das Duo aus dem Breisgau dann auch im Hauptrennen niemals Zweifel aufkommen, dass es nicht gewinnen könnte. Zwei Längen Vorsprung waren es am Ende vor Großbritannien und Frankreich, die zur zweiten Goldmedaille des Tages reichten. Ähnlich souverän trumpften auch Sarah Mölders und Kathrin Prost bei den Leichtgewichten auf. Die beiden jungen Damen der Uni Bochum hatten sich bei ihrem Eichkranzsieg noch einmal Motivation für die Rennen in Cardiff geholt und kämpften im Finale um Edelmetall mit. Hinter Holland und den Britinnen gewann das sehr junge Perspektiv-Duo dann eine sehr starke Bronze-Medaille, über die sie sich sehr freuen konnten. ''Herren rudern sich an die Spitze'' Auch bei den Herren der Schöpfung ging es mächtig zur Sache. Die Mannschaft im Vierer-ohne von der Uni Karlsruhe legte hierbei mächtig los. Das von Dr. Paul Schmidt betreute Badener Quartett mit Christoph Karst, Christian Baumann, Martin Schiffauer und Florian Harnacke initiierte bereits im Vorlauf ein herzerfrischendes Rennen und fuhr hier souverän vorneweg. Blieb die Frage offen, ob die vier Jungs der Uni Karlsruhe diese Leistung auch im Finale abzurufen vermochten. Allerdings konnten sie dies und preschten mit einem souveränen Start an die Spitze des Feldes, die sie auch nicht mehr an die aufkommenden Teams aus England und Frankreich abgaben. Damit krönte der Karlsruhe-Vierer seine hervorragende Saison mit der dritten Goldmedaille für das deutsche Team. Karlsruhe entwickelt sich zudem zu einer weiteren Hochburg des Studentenruderns in Deutschland, denn auch der schwere Doppelzweier kommt aus der Stadt am Rhein. Josef Gravenhorst und Martin Veit, die auf der Donau im Juni sowohl den Hochschulorts-, als auch den offenen Doppelzweier für sich entscheiden konnten, qualifizierten sich souverän für das A-Finale. Hier fuhren sie allerdings stets dem führenden kroatischen Zweier hinterher. Die hatten sich nämlich mangels Starthelfern in diesem Rennen recht früh aus dem Staube gemacht und hatten die Länge Vorsprung vom Start nicht wieder aufgegeben. In kämpferischer Manier jedoch belegte der Zweier mit dem angehenden Nachrichtentechniker Gravenhorst und dem promovierenden Logistiker Veit den zweiten Platz und konnte sich noch über eine Silbermedaille freuen. Die Süddeutschen Universitäten hatten in dieser Saison den Nordlichtern deutlich den Schneid abgekauft, denn auch mit dem Konstanzer Zweier ohne Steuermann dominierte national eine Crew, die viel weiter nach Süden auf Grund der Landesgrenzen nicht kommt. Peter Mansfeld und Johan Kegler von der Universität Konstanz hatten ihren Trainingshöhepunkt eine Woche zuvor bei den Tschechischen Meisterschaften Roudnice gesetzt und waren mit einem 5. Platz im Zweier und einer Silbermedaille hoch motiviert und gut erholt nach Cardiff gereist. Im Finale des Zweiers ist die Juristen-Lehrer-Kombination dann auch herausragend und in Führung liegend auf die Strecke gekommen. Bei den bereits erwähnten kabbeligen Bedingungen jedoch machte ein satter Krebs im deutschen Boot alle Hoffnungen von Gold zunichte. Dennoch steckten die Konstanzer Jungs keineswegs auf und fighteten sich wieder an das Feld heran und erarbeiteten sich eine verdiente Bronzemedaille hinter Serbien-Montenegro und Holland. ''Bronzemedaille mit 18 Kilo Körpergewicht bezahlt'' Im leichten Doppelzweier trumpfte dann die Universität Münster mächtig auf. Mit Johannes Tuchscherer und Simon Hüppe hatten sich zwei ehemalige Leichtgewichte entschlossen in dieser Saison noch einmal richtig anzugreifen. Durch emsiges Training beim RV Münster auf dem Dortmund-Ems-Kanal nahmen sie zusammen zur Saison 18!!!!! Kg ab und waren auf den Punkt topfit zu diesen Europameisterschaften gereist. Nach einer soliden Vorstellung in den Vorrennen, probierte das Münsteraner Duo im Endlauf alles und legte sich an die Front des Feldes um bessere Kontrolle zu haben. Doch gleich zwei holländische Oranje-Boote griffen die beiden 'Leichten' auf der Strecke so lange an, bis sie endlich in Front lagen. Doch im Endspurt auf den letzten 400 Metern in den Hafen von Cardiff herein drehte Schlagmann Tuchscherer die Schlagzahl bei ¾ Länge noch einmal auf über 40 Schläge. So gelang es mit ordentlichem Kampf eines der Holländer-Boote einzufangen und sich selbst die Silbermedaille zu schenken. Die Familie Hüppe war indes sowieso recht reichlich präsent in Wales. Denn Simon Hüppes Brüder Jonas und Tobias saßen in gleich zwei Mannheimer Booten. Zum einen im Leichtgewichtsvierer ohne Steuermann mit Jens Gurk und Helge Biehal. Der leichte Vierer schaffte auch ohne Probleme die Hürde für das A-Finale, landete hier jedoch denkbar knapp auf dem vierten Platz hinter Irland, Kroatien und England. Ein ordentliches Ergebnis in einer sehr stark besetzten Bootsklasse für die Mannheimer Crew. Danach wechselten die Gebrüder Hüppe gleich in den schweren Achter, der auf der DHM die Boote aus Karlsruhe und Hannover klar distanzierte. Und der 'Mannheim-Achter' um Schlagmann Dirk Suhleder, Philipp Keiser, Klaus Rogge, Maximilian Wolf, Falco Bielefeld, Jan Bohrke, den Hüppe-Brothers und Steuerfrau Ina Fiegehenn verkaufte sich sehr teuer. Um den international erfahrenen Klaus Rogge war die Quali für das Finale kein Problem und hier waren drei Mannschaften ähnlich schnell. Bei starkem Schiebewind kämpften die Mannheimer hart mit den Tschechen und Kroaten und im Endspurt reichte es dann noch zu einer sehr guten Silbermedaille denkbar knapp hinter der Tschechischen Universität aus Prag. Last but not least fehlt noch der Doppelvierer der Uni Kassel. Und die vier Männer von Betreuer Arne Schäfer rechneten sich nach ihrem Vorlaufsieg für das Finale doch einiges aus. Schlagmann Dennis Ziegler trieb seinen Kasselaner Doppelvierer mit Rene Flachmann, Andreas Riemann und Maik Feldmann auch im Finale vor den Booten aus England und Frankreich über die Strecke und letztendlich auch über die Ziellinie am 'Mermaid Quay' zum vierten Gold für den adh am Finaltag. ''Deutschland auf Platz zwei in der Gesamtwertung'' In der Gesamtwertung belegte das deutsche adh-Team mit 23 Punkten nur hauchdünn hinter Großbritannien den zweiten Rang, was dadurch zu erklären ist, dass die Deutschen keine Boote im ungesteuerten Zweier und Vierer gemeldet hatten. Mit insgesamt vier Goldmedaillen, drei Silberplaketten und zweimal bronzenem Edelmetall konnte sich der adh sportlich hervorragend aus der Affäre ziehen und erhobenen Hauptes als zweitbester Verband den Walisern für eine schöne Zeit danken. Eine wunderbare Atmosphäre war sicherlich auch die gemeinsame Siegerehrung aller Rennen im Festzelt. So kamen sich die Aktiven näher und konnten auch leichter Freundschaften mit den anderen Nationen schließen. Einziger Faux Pas nur, dass noch während das letzte Rennen lief, der einzige Bierstand abgebaut wurde, den so viele der Aktiven nach dem Spannungsabfall der Finalrennen gerne genutzt hätten. So jedoch wurden die Sektkorken in einem typisch walisischen Pub in der Innenstadt knallen gelassen und die durch die Ruderrennen angereicherte Milchsäure auf der charmanten FareWell-Party von allen Beteiligten aus den Beinen getanzt. Und auch die Leichtgewichte durften sich endlich wieder mit dem ebenso bekannten wie nicht ganz fettfreien Nationalgericht Fish+Chips sättigen.