Netzwerktreffen Gesundheit: Updates von Mental Health bis Hitzeschutz

Beim Netzwerktreffen Gesundheit des adh am 25. und 26. März 2026 an der Universität Rostock standen der Zusammenhang von Sport und mentaler Gesundheit, die Auswirkungen aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen auf Gesundheit sowie praxisnahe Ansätze und digitale Innovationen im Hochschulsport im Mittelpunkt. Der zweitägige Austausch bot vielfältige Impulse aus Wissenschaft und Praxis und zeigte, wie Hochschulsportstandorte Gesundheit ganzheitlich denken und gestalten können.

Mentale Gesundheit und Klimatherapie

Zum Auftakt des Netzwerktreffens lud Dr. Juliane Lanz (Leitung Hochschulsport, Uni Rostock), die gemeinsam mit Katrin Bührmann (Leitung Hochschulsport, Uni Lübeck) durch die beiden Tage moderierte, die Gruppe bereits am Vorabend zu einer klimatherapeutischen Strandwanderung in der Brandungszone von Warnemünde ein, bevor das Treffen am 25. März offiziell auf dem Campus der Universität Rostock startete. 

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Nicole Wrage-Mönnig (Prorektorin für Forschung, Talententwicklung und Chancengleichheit) führte Prof. Dr. Samuel Tomczyk in das Thema mentale Gesundheit von Studierenden als zentrales Präventionsthema an Hochschulen ein. In der Diskussion wurde deutlich, dass psychische Gesundheit mehr ist als die Abwesenheit von Krankheit und vielmehr die Fähigkeit umfasst, Belastungen zu bewältigen, Potenziale zu entfalten und einen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten.

Anhand aktueller Befragungsdaten wurden hohe Prävalenzen von Prüfungsangst, Überforderung und erhöhtem Risikoverhalten – etwa beim Substanzkonsum zur Bewältigung von Belastungen – über verschiedene Studiengänge hinweg sichtbar. Trotz zahlreicher Angebote wie Resilienz-Trainings oder Sportkurse zeigte sich, dass häufig eine belastbare Evidenz, nachhaltige Verankerung, strukturelle Finanzierung und eine gute Erreichbarkeit risikobelasteter Zielgruppen fehlen. Im Fokus stand daher die Frage, wie Hochschulen ihre Präventionsstrategien schärfen können.

Im weiteren Verlauf wurden Ansätze der Positiven Psychologie als Gegenentwurf zur allgegenwärtigen Krisenrhetorik diskutiert. Das PERMA-Modell mit seinen Dimensionen positive Emotionen, Engagement, Beziehungsgestaltung, Sinn und Zielerreichung diente dabei als Orientierungsrahmen. Ergänzend wurden „Positive Gesundheit“ über gesunde Lebenswelten, gesunde Kontexte und gesunde Lebensführung beschrieben. Aus Sicht der Studierenden wurden unter anderem der Bedarf nach offenen, herzlichen und konkurrenzarmen Räumen, mehr echter Begegnung und Gesprächsbereitschaft, Safe Spaces sowie Aufklärungsformaten zu psychischen Erkrankungen benannt. Zum Abschluss des Vormittags waren alle aufgefordert, eine konkrete Handlung zu definieren, mit der sie in der kommenden Woche die mentale Gesundheit am eigenen Campus stärken wollen.

Mit einem Impuls von Michael Bödow rückte „Anbaden“ in offenen Gewässern als niedrigschwellige, gemeinschaftsstiftende Aktivität zur Förderung des Wohlbefindens in den Blick. Dieses Format findet mittlerweile an mehreren Standorten – etwa in Rostock und Lübeck – Anklang und dient dort teilweise bereits als sportlicher Wettkampf mit Gesundheitsbezug.


Hitze, Hydration und gesunde Campusräume

Der Nachmittag widmete sich dem Thema Gesundheit im (Klima-)Wandel. In diesem Zusammenhang stellte Dennis Fink (Leiter Hochschulsport, Uni Wuppertal) ein entwickeltes Hitzeschutzkonzept für den Hochschulsport vor. Dabei wurde deutlich, dass im Hochschulsport andere Rahmenbedingungen gelten als in klassischen Sportvereinen, etwa durch vielfältige Mitbestimmungsstrukturen und unklare Zuständigkeiten in Hitzephasen. In einer anschließenden Gruppenarbeit reflektierten die Teilnehmenden, welche Elemente bereits an ihren Standorten umgesetzt werden, wo Reibungen entstehen und welche Entwicklungsschritte anstehen.

In den Diskussionen wurden zahlreiche praktische Maßnahmen benannt: hitzeresiliente Campusgestaltung mit Schattenbäumen und entsiegelten Flächen, kostenfreie Wasserversorgung und Sonnencremespender, Leihangebote wie Sonnenschirme, gesundheitsfördernder Merch (Caps, Kleidung) sowie gezieltes Empowerment von Übungsleitenden durch Wissens- und Entscheidungshilfen. Besonders hervorgehoben wurde der Stellenwert von Kommunikation und Social Media, um sowohl Übungsleitende zu entlasten als auch den Bildungsauftrag zum Thema Hitzeschutz und Klimaeinflüsse im Sport wahrzunehmen. Ebenso wichtig sei der Aufbau von Notfallnetzwerken, etwa nach Vorbild großer Sportveranstaltungen mit Einbindung von DLRG oder Rettungsdiensten. Deutlich wurde, dass Hitzeschutz in Teilen bereits in hochschulischen Nachhaltigkeitsstrategien verankert ist, aber spezifische Konzepte für den Hochschulsport meist noch fehlen und dieser vielfach selbst die Initiative ergreifen muss. Passend zu den Impulsen aus der Gruppenarbeit wurde ein Best-Practice-Beispiel der Universität Hannover zum Thema Nudging und Hydration vorgestellt. Ein „Wasserzähler“, der sichtbar macht, wie viel bereits getrunken wurde, sowie Sonnencremespender auf dem Campus fördern nicht nur gesundheitsbewusstes Verhalten, sondern erhöhen zugleich die Sichtbarkeit des Hochschulsports. Der finanzielle Aufwand ist gering und die Rückmeldungen aus der Community fallen sehr positiv aus.

Digitalisierung, Bewegung und Gamification

Im Block „Bewegungsförderung in der Praxis“ wurde eine Masterarbeit zu den Effekten von Laufbändern auf das subjektive Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit vorgestellt. Ergänzend präsentierten verschiedene Standorte praxisnahe Beispiele – von Aktionstagen rund ums Radfahren über bewegungsfreundlich gestaltete Seminarräume bis hin zu Formaten, die körperliche Aktivität gezielt in den Studienalltag integrieren.

Den Tagesabschluss bildeten drei digitale Impulse zu Gesundheit, Gamification und Digitalisierung: von der Einordnung der Potenziale und Grenzen von Chatbots im Gesundheitsmanagement, über den UniSport-O-Mat als ein hochschulübergreifendes Tool, das Studierenden passgenaue Angebote im Hochschulsport vermittelt und gleichzeitig Nutzungsdaten für die Weiterentwicklung bereitstellt, bis hin zur Dr. HU App, einer Trackinglösung, die beim Erreichen individueller Wochenziele unterstützt.

Praxisimpulse aus den Mitgliedshochschulen

Der zweite Tag stand im Zeichen von Praxisbeispielen und Erfahrungsberichten aus dem Netzwerk. Im Bootshaus der Wassersportanlage der Universität Rostock gaben verschiedene Standorte Einblicke in ihre Gesundheitsarbeit und luden zum interaktiven Austausch ein. Themen waren unter anderem mythensensible Gesundheitsförderung, der Hochschulsport als Motor des universitären Gesundheitsmanagements an der Uni Freiburg, Studierenden Pausenexpress meets Studieren bewegt 2.0 – Synergien im Umgang mit Herausforderungen, Beratungsangebote für Beschäftigte in Stress- und Krisensituationen, vernetzte Kompetenzentwicklung, Gesundheitsförderung an der Hochschule RheinMain sowie das Projekt „Move and Connect“ der Uni Regensburg. Die offene Atmosphäre und die besondere Lage am Wasser förderten den kollegialen Austausch, konkrete Rückfragen zu Implementierungsschritten sowie das gemeinsame Weiterdenken bestehender Projekte.

Zum Abschluss wurde deutlich, dass das Netzwerktreffen Gesundheit eine wichtige Plattform für den regelmäßigen Erfahrungsaustausch, die Weiterentwicklung von Gesundheitsförderung und die Positionierung des Hochschulsports als zentralem Player im Gesundheitsmanagement bleibt. Entsprechend groß ist die Vorfreude auf das nächsten Netzwerktreffen, welches voraussichtlich im März 2027 an der Uni Erfurt stattfinden wird.

Ein herzliches Dankeschön geht an Juliane Lanz und Katrin Bührmann für die Moderation sowie das Team des Hochschulsports Rostock für die gelungene Organisation und Ausrichtung.

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