04.06.2004 | Kategorie: Archiv , 2004 ,

Mit dem Golf-Bag über den Campus

Golfspieler und Studierende haben ein ähnliches Problem: Man begegnet ihnen nicht selten mit großen Vorurteilen. Auf der Anlage des Golfclubs Teutoburger Wald tragen seit zwei Tagen studentische Golfspieler die Internationalen Deutschen Hochschulmeisterschaften aus.

Golfspieler und Studierende haben ein ähnliches Problem: Man begegnet ihnen nicht selten mit großen Vorurteilen. Auf der Anlage des Golfclubs Teutoburger Wald tragen seit zwei Tagen studentische Golfspieler die Internationalen Deutschen Hochschulmeisterschaften aus. Snobs, Schnösel, Söhne von Beruf? Mitnichten. Haller Kreisblatt Mitarbeiter und Nichtgolfer Michael König traf sich mit drei Lokalmatadoren vom Golfclub Teutoburger Wald, die dieses Bild eindeutig widerlegen. Weißes Polohemd, gepflegte Schuhe, das Handy im Anschlag – zumindest der erste Eindruck passt ins Bild, wenn man auf der Terrasse des Clubhauses Platz nimmt. Und auch die Studienfächer der drei Haller Golfer überraschen nicht: Christian Schmoliner, 25 Jahre, studiert Wirtschaft an der FH Bielefeld. Simon Krsnik, 22, Mathematik an der Uni Bielefeld. Sven Böckelmann, 24, ist als Sportstudent der Uni Paderborn fast schon ein Exot. „Es sind tatsächlich hauptsächlich Juristen und Wirtschaftler, die man hier trifft“, hat sich Schmoliner einen Überblick über das Teilnehmerfeld der Hochschulmeisterschaften (140 Studierende aus ganz Deutschland und dem Ausland) verschafft. Warum dem so ist, kann er sich allerdings nicht erklären. „Golf wird immer mehr zur Volkssportart“, stimmt Schmoliner mit seinen Teamkameraden vom Golfclub Teutoburger Wald überein. „Jedes Fitnessstudio ist teurer“, macht sich Sven Böckelmann daran, Vorurteil Nummer eins auszuräumen. Und Nummer zwei folgt sogleich: „Meine Eltern sind zwar im Club, haben aber nach mir damit angefangen. Freunde haben mich angesteckt“, spricht Böckelmann vom »Virus Golf«. „Wenn man den Ball erstmal ein paar hundert Meter weit gedroschen hat, stellt sich das Glücksgefühl ein“, weiß Simon Krsnik. Hat er nach Mathe-Vorlesungen nicht den Drang, seine überschüssige Energie auf aktivere Art und Weise los zu werden? „18 Löcher, dass sind locker zehn Kilometer Fußmarsch. Nicht zu unterschätzen. Anfänger sind danach meistens ziemlich platt“, stellt Krsnik richtig. „Zumal man nach im Optimalfall 72 Schlägen mental alles gegeben hat.“ Bis zu dreimal in der Woche jagen die Haller Golfer nach der Vorlesung dem kleinen weißen Ball nach. 20 Semesterwochenstunden, nicht mehr und nicht weniger als bei »Otto Normalstudent«, geben hierzu die Gelegenheit. Gespielt wird meist in der gleichen Besetzung, da der Altersschnitt im Golfclub Teutoburger Wald deutlich jenseits der 40 liegt, wie Simon Krsnik überschlägt. So trifft man sich im kleinen Kreis, der in der Uni durchaus belächelt wird. „Mit Golfbag auf dem Rücken gibt es auf dem Campus immer komische Blicke“, schmunzelt Schmoliner. Umso größer dürfte die Freude darüber sein, dass sich derzeit ausschließlich Gleichgesinnte auf der Anlage am Eggeberg treffen. Das Abendprogramm: „Heute Hannenfass, morgen Café Europa. Diejenigen, die um 22 Uhr zur Feier anstatt ins Bett gehen, sind in der Überzahl“, lassen Krsnik und seine Teamkameraden keine Zweifel an der Partytauglichkeit studentischer Golfer zu. Die Siegchancen der eigenen Uni sollten dabei zwar nicht geschmälert werden, werden von dem Trio allerdings ohnehin als nicht allzu groß eingeschätzt. Die ersten Ergebnisse geben ihnen Recht: Am aufgrund des wechselhaften Wetters immer wieder unterbrochenen ersten Spieltag lag Christian Schmoliner gestern nach 16 absolvierten Bahnen fünf über Par. „Ein passables Ergebnis“, beurteilt Clubmanager Manfred Wilinski, der gemeinsam mit der studentischen Turnierleitung am Eggeberg die Fäden in der Hand hält. Siegchancen hat Schmoliner mit diesem Ergebnis vermutlich nicht mehr: „Die zwei besten Studenten haben eine Par-Runde gespielt“, so Wilinski. Quelle: Haller Kreisblatt vom 03.06.04