''Professor Digel unterstützt DSB-Reformkurs'' Der Vizepräsident des Internationalen Leichtathletikverbandes IAAF, Professor Helmut Digel, unterstützt die vom DSB-Präsidenten angestoßene Reformdiskussion nachhaltig. „Wir haben bei Olympia in Athen erfahren, dass andere Nationen systematischer arbeiten und wir von anderen auch etwas lernen können“, erklärte Digel im Deutschlandfunk. Ausdrücklich begrüßte der international renommierte Sportsoziologe von der Universität Tübingen die Beschlüsse der jüngsten Sitzung des DSB-Präsidiums zur Schaffung eines Arbeitskreises Spitzensport und zur Vorbereitung einer Fusion zwischen DSB und NOK. Digel wörtlich: „Die aus dem Abschneiden des deutschen Olympia-Teams in Athen zu ziehenden Konsequenzen sind naheliegend: Natürlich kann man die beiden Organisationen, auch die Stiftung Deutsche Sporthilfe, unter ein Dach bringen. Man kann damit Personal einsparen, man kann damit auch Kommunikationswege verkürzen, man kann eine stringentere Führung schaffen. Doch dies kann allenfalls der erste Schritt sein.“ Einhergehend müsse es – so Digel – zu tiefgreifenden Strukturreformen im Leistungssport kommen, die über eine Dachorganisation erst so richtig greifen könnten. Das ent-scheidende Problem werde sein: „Wie kann es in unserer Gesellschaft ermöglicht werden, dass junge Menschen hart trainieren können und dabei die Unterstützung erfahren, die dringend nötig ist, um sich auf Olympische Spiele vorzubereiten.“ Die vom Bereich Leistungssport des DSB angedachten Punkte-Reduzierung der Bundesleistungszentren und –stützpunkte, Konzentration der Sportarten und Kräfte, Gründung von Bundesnachwuchszentren und Schaffung eines wirksameren trainingswissenschaftlichen Verbundsystems – seien Schritte in die richtige Richtung. „Auf diesen Feldern haben wir vieles zu verbessern. Es muss so manches auf den Prüfstand gestellt werden.“ Digel, lange Jahre Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und NOK-Vizepräsident, hält die Spitzensportförderung der öffentlichen Hand (Bund und Länder) für optimal. „Die Mangelsituation im Spitzensport wird durch die Bürokratie begründet“, erklärte der Wissenschaftler. „Es sind die langen Kommunikationswege, die komplexen Kommunikationsnetze, die nicht effizient sind. Sie gehören auf den Prüfstand. Wenn der Sport bereit ist, manches Tabu zu überwinden und zu erkennen, dass vielleicht personelle Erneuerung neue Motivation bedeuten kann, dann, denke ich, haben wir den entscheidenden Schritt zur Reform getan. Dann können wir genauso wieder anschlussfähig zur Weltspitze werden, wie dies Großbritannien nach der demütigenden Niederlage von Atlanta nunmehr geschafft hat. Ein anderes Beispiel ist Italien: Durch Systemumstellungen wurde wieder Anschluss zur Weltspitze gefunden. Wir müssen uns auch ein Beispiel nehmen an einer Sportnation wie Australien: Dort entwickelte man einige prak-tische Modelle für den Hochleistungssport, die möglicherweise auch für uns nachahmenswert sind.“ Aus der DSB Presse Nr. 38 vom 14. September 2004