Er gehört zu den ältesten noch lebenden Deutschen Hochschulmeistern im Allgemeinen Deutschen Hochschulportverband (adh): Der ehemalige Jura-Student Erwin Porzner wurde mit der Handball-Mannschaft der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg dreimal Deutscher Hochschulmeister, und zwar 1956 und 1958 in der Halle und 1959 im Feldhandball. Erwin Porzner hat am Donnerstag, dem 8. Januar 2026, sein 90. Lebensjahr vollendet. Damit nicht genug:
Erwin Porzner wurde 1959 erstmals Weltmeister im Feldhandball und darf sich seit 1966 sogar „ewiger“ Weltmeister nennen. Da war er bereits Kapitän der Nationalmannschaft des Deutschen Handballbundes (DHB), die bei der 7. und letzten Weltmeisterschaft im Feldhandball in Linz (Österreich) den „ewigen“ Titel errang. Der Jubilar entstammt einer „einmaligen“ Handballfamilie aus Ansbach (Mittelfranken): Zusammen mit seinen älteren Brüdern Dr. Helmut (1932-2007), Konrad (1935-2021) und seinem jüngeren Bruder Heinz (geb. 1938) bildete er den vierköpfigen „Stamm“ der Handball-Mannschaft des TSV 1860 Ansbach. Mit ihr wurde Erwin Porzner erstmals 1960 Deutscher Meister im Feldhandball nach einem 10:9-Sieg gegen den TuS Lintfort in Oberhausen und zwei Jahre später noch einmal nach einem 9:8-Sieg gegen Grün-Weiß Dankersen (heute GWD Minden) in Nürnberg (vor rund 30.000 Zuschauern!).
Diese Erfolgsbilanz ist einmalig in der Geschichte des deutschen Handballs und des Mannschaftssports insgesamt: Vier (!) Brüder werden gemeinsam zweimal Deutscher Meister – und das in einem ganz jungen Team mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren. Auch dieses Durchschnittsalter dürfte einmalig für eine Mannschaft sein, die je Deutscher Meister wurde. Der jetzt 90-jährige „Porzner III“ gilt dabei mit seinen damals 24 Jahren als (vermutlich) jüngster „Meister-Spieler-Trainer“ aller (Handball-) Zeiten.
Beruflich war Erwin Porzenr als Jurist in der bayerischen Staatsverwaltung tätig und darf sich mit 90 Jahren weiterhin „ewiger“ Weltmeister in einer Sportart nennen, die es so heute nicht mehr gibt. Als Rechtshänder spielte er vorzugsweise im Angriff auf „Halbrechts“ mit der Rückennummer 8. Seine stets mannschaftsdienliche Spielweise und seine Spielübersicht waren die Voraussetzungen, sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft die Funktion eines Spielmachers zu übernehmen. In Länderspielen galt Erwin als verlängerter Arm von DHB-Bundestrainer Werner Vick (1920-2000).
Der Jubilar ist mit seinen 33 Einsätzen auf dem Feld „ewiger“ DHB-Rekordnationalspieler. Erwin Porzner trug zwischen 1956 und 1968 insgesamt 40-mal die damals vornehmlich weiße DHB-Spielkleidung. Dabei warf er insgesamt 93 Tore – zuzüglich der Treffer aus zwei „inoffiziellen“ Begegnungen gegen die spanische Nationalmannschaft. Diese Spiele hatten folgenden Hintergrund: Anlässlich der 63. Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Madrid im Oktober 1965 kam es zu zwei sog. Demonstrationsspielen. Das DHB-Team sollte auf Initiative von DHB-Gründungspräsident Willi Daume (1913-1996) die IOC-Mitglieder davon überzeugen, Hallenhandball in das olympische Programm aufzunehmen.
Die Spiele gegen Spanien endeten 27:27 und 24:23: „Dabei ging es nicht um das Ergebnis, vielmehr wurde Wert darauf gelegt, den Mitgliedern des IOC-Kongresses die Schönheit, die Schnelligkeit und die Athletik des Spiels durch spektakuläre Ballaktionen überzeugend zu präsentieren“, erinnert sich Porzner heute über diese beiden Partien, die ihn zum „Geburtshelfer“ des olympischen Hallenhandballs machten. Bei der Hallen-Premiere in München 1972 selbst war Erwin Porzner schon in seinem Amt als Männer-Spielwart des DHB unter Bundestrainer Werner Vick tätig und begleitete dessen Nachfolger Prof. Horst Käsler (1926-1987) auch 1974 zur Hallen-WM in die DDR.
Auch nach seiner aktiven Karriere blieb Porzner „seinem“ Handballsport treu, und zwar hauptsächlich regional: Im Bayerischen Handballverband (BHV) amtierte er u.a. 37 Jahre als Lehrwart und feierte als Trainer große Erfolge: Mit den Frauen des 1. FC Nürnberg wurde er je einmal Deutscher Meister auf dem Feld (1968) und in der Halle (1969). Der BHV hat Porzner 2005 mit dem Gerd-Fischer-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Das Silberne Lorbeerblatt erhielt er für den Weltmeistertitel 1959, für den von 1966 gab es von Bundespräsident Heinrich Lübke (1894-1972) sogar ein Bild mit persönlicher Widmung. Vorstand und Geschäftsleitung des adh schließen sich den zahlreichen Glückwünschen zum 90. Geburtstag von Erwin Porzner an.
Ganz zum Schluss noch einmal zurück zu den Deutschen Hochschulmeisterschaften im adh: Die gab es bereits seit dem Jahr 1952 bei den Männern mit der FU Berlin als ersten Titelträger in der Halle und der Universität zu Köln im Feldhandball. Mit fünf adh-Meisterschaften war am Ende die Universität Heidelberg „draußen“ am erfolgreichsten; sie gewann auch den letzten adh-Titel im Jahre 1971 auf Großfeld. Das erste Länderspiel einer adh-Auswahl gab es 1950 gegen Schweden in Uppsala in der Halle (6:10-Niederlage) und 1956 auf Großfeld in Basel gegen die Schweiz (16:16). Bereits im Jahre 1963 wurde erstmals eine „Hallen-Weltmeisterschaft der Studenten“ (so der im DHB überlieferte Titel) in Schweden ausgetragen. Im Finale unterlag das adh-Team dem Gastgeber mit 14:11. Trainer bzw. adh-Disziplinchef war da der Sportdidaktiker Prof. Horst Käsler von der FU Berlin. Zu den Spielern gehörte auch Klaus Brand (84), der älteste Bruder vom späteren Doppel-Weltmeister Heiner Brand als Spieler (1978) und als Trainer (2007); Klaus Brand war seinerzeit an der Deutschen Sporthochschule Köln auf Lehramt eingeschrieben.
Autor: Prof. Dr. Detlef Kuhlmann
