24.11.2006 | Kategorie: Archiv , 2006 ,

Gestern. – Heute? – Morgen!

Wie haben sich die Sportreferate in ihrem politischen Umfeld entwickelt? Wo stehen sie heute? Welche Veränderungen stehen in der Zukunft an? Diese und andere Fragen haben sich die 35 Teilnehmenden des Seminars „Sportreferate: Gestern – Heute – Morgen“ am 19. und 20.11.2006 gestellt.

Im Mittelpunkt des Sportreferateseminars 'Gestern – Heute – Morgen' standen Vorträge und Diskussionen rund um die heutige Hochschullandschaft. Besondere Schwerpunkte lagen auf der Thematisierung des Ehrenamts und des ECTS-Systems sowie der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen. Zum Auftakt des Seminars waren Kreativität, Ideenreichtum und Teamgeist gefragt: Gemeinsam entwickelten die Studierenden im Göttinger Sportzentrum neue Sportarten und -varianten lernten sich ganz „nebenbei“ kennen. In lockerer Atmosphäre gelang daraufhin der Einstieg in den theoretischen Teil des Seminars. Nach kurzen, informativen Vorträgen des Sportreferateausschusses wurden in kleinen Teams die Strukturen der Sportreferate erarbeitet und anschließende präsentiert. Dabei zeichnete sich ab, dass sich nicht nur die Arbeitsfelder der Sportreferate sehr unterschiedlich gestalten, sondern dass diese in struktureller, personeller und finanzieller Hinsicht auf sehr differenzierte Grundlagen aufbauen. Die Präsentationen ermöglichten so, die eigene Situation einzuschätzen und von anderen Standorten neue Ideen für die eigene Arbeit zu gewinnen. Den thematischen Schwerpunkt des zweiten Seminartages bildete die Diskussion um zukünftige hochschulpolitische Entwicklungen. Mit einem Auftaktreferat zum Strukturwandel im Ehrenamt führte Reinold Redenyi (Uni Leipzig), Mitglied des Sportreferate-Ausschusses, in die Thematik ein. Der Strukturwandel manifestiert sich u. a. in der Etablierung eines rationalen und eher kurzfristig angelegten ‚neue’ Ehrenamts, das allmählich das ‚alten’ Ehrenamt, das von vorwiegend ideellen und langfristigen Werten geprägt ist, ablöst. ((spore-gross.jpg)) Aktuell zeichnen sich auf Hochschulebene erste Schritte auf dem Weg zur Anerkennung ehrenamtlichen Engagements durch eine Bewertung mit ECTS-Punkten ab. An einigen Hochschulen wird seit längerem die Idee diskutiert und eingebracht, den Hochschulsport mit der Vermittlung von Soft Skills an der Vergabe von ECTS partizipieren zu lassen. Diese Diskussion ist nicht ganz einfach, da viele Institutionen der Hochschulen diesem Prozess teilhaben möchten. Umso besser ist, dass ab dem Sommersemester 2007 die Möglichkeit gegeben werden soll, für die Tätigkeit als Sportreferent ECTS-Punkten zu erhalten. Als wichtiges Signal und großen Vorteil sahen die Seminarteilnehmenden darin eine Möglichkeit der langfristigen Stärkung des Ehrenamtes. Im Zuge der Bachelor- und Masterstudiengänge, die den Lehrplan straffen, mehr Pflichtveranstaltungen beinhalten und den Studierenden allgemein weniger Freiraum lassen, könnte so einem möglichen Rücklauf des Ehrenamtes entgegengewirkt werden. Darüber hinaus könnten sich das Sportreferat und der Hochschulsport durch die Integration in das Credit-Point-System auch hochschulpolitisch neu positionieren. Als mögliche negative Folge sahen einige Studierende die Gefahr der Abhängigkeit von den bewertenden Institutionen, sei es von der Hauptamtlichkeit des Hochschulsportes oder der Lehre, die unter Umständen die politische Arbeit erschweren könne. Im Hinblick auf die angeregte Diskussion kam es zu keiner einheitlichen Meinungsbildung. Ob und inwieweit die Arbeit in den Sportreferaten in ECTS-Konzepte integriert werden kann, hängt letztendlich von den jeweiligen Hochschulen ab. Einstimmigkeit zeigte sich hingegen beim Zeitpunkt: Jetzt und heute müssen diejenigen die Initiative ergreifen, die am Reformprozess der Hochschulen teilhaben wollen.