Der adh hat bereits Ende der 1990er Jahre und zu Beginn dieses Jahrhunderts zwei Anläufe für eine deutsche Universiade-Bewerbung genommen. In beiden Prüfprozessen wurde die Bedeutung einer Universiade-Ausrichtung von den Städten Berlin und Leipzig nicht als hoch genug eingeschätzt. Die aktuelle sportliche, sportpolitische und gesellschaftspolitische Situation in Deutschland legt nun eine neue Beurteilung von Universiaden nahe: Die Entwicklung der zurückliegenden zehn Jahre hat gezeigt, dass Studierende – speziell in den Sommersportarten – den Spitzensport wesentlich tragen. Das deutsche Olympiateam 2004 setzte sich beispielsweise aus 34% Studierenden und weiteren 9% ausgebildeten Akademikern zusammen. Gleichzeitig haben sich die Aktivitäten der Hochschulen im Bereich der Förderung studierender Spitzsportlerinnen und Spitzensportler in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Dies ist wesentlich auf den Erfolg des adh-Projekts „Partnerhochschule des Spitzensports“ zurückzuführen. Auch wenn die Förderung des studentischen Spitzensports noch nicht das wünschenswerte Niveau erreicht hat, ist der Prozess bemerkenswert und deutet auf einen noch nicht abgeschlossenen Bedeutungszuwachs im Spitzensportsystem Deutschlands hin. Eine nachhaltige Entwicklung des studentischen Spitzensports würde einen wichtigen Beitrag zur Absicherung eines weiterhin international konkurrenzfähigen deutschen Spitzensports leisten. Eine Universiade-Bewerbung Deutschlands könnte diesen Entwicklungsprozess intensivieren und forcieren. Deutschland braucht weitere Top-Veranstaltungen von Weltformat, wenn die aktuelle Erfolgsgeschichte herausragender Ausrichtungen internationaler Meisterschaften fortgeschrieben werden soll. Zweifellos ist die aktuelle Bedeutung der Universiaden in Europa ausbaufähig, allerdings zeigt die Bekanntheit dieser Events in Asien und Nordamerika, welches Potenzial gerade vor dem Hintergrund steigender sportlicher Leistungen und wachsender Teilnehmerzahlen Universiaden in Europa haben. Mit einer prognostizierten Teilnehmerzahl von mehr als 10.000 in den kommenden zwei bis drei Universiade-Zyklen sowie einer stärker werdenden Beteiligung der Afrikaner und Südamerikaner kann von einer weltweiten Aufmerksamkeit insbesondere für Sommer-Universiaden ausgegangen werden. Eine Universiade würde Deutschland in den Fokus dieser Aufmerksamkeit rücken. Die Universiade führt mit der genannten Zahl studierender Spitzenathletinnen und -athleten eine große Zahl sportlich wie akademisch erfolgreicher Meinungsbildner und Entscheidungsträger der kommenden Jahrzehnte zusammen. Es besteht daher ein bedeutsamer Gestaltungsspielraum, nachhaltig positive Eindrücke und eine gezielte Imagewirkung bei den Teilnehmern der Universiade sowie den weiteren Zielgruppen zu erreichen. Anders als viele alternative Sportveranstaltungen legte die Universiade nicht nur einen Fokus auf den Sport, sondern ist gleichzeitig eine Wissenschaftsveranstaltung mit eingebettetem Kongress zu aktuellen Fragestellungen der Sportwissenschaften, der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Politik. Im Rahmen einer Universiade könnte die Präsentation Deutschlands als attraktives, weltoffenes und zukunftsorientiertes Land einen Beitrag zur Korrektur des gegenwärtig massiv beklagten Brain Drains aus der Bundesrepublik leisten und dringend benötigte Fachkräfte motivieren, ins Land zu kommen. Damit zahlte die Veranstaltung nicht nur auf dem Sektor des Sports, sondern auch für den Bildungsstandort Deutschland auf das nationale Konto ein!