Frank Dietrich (links, Uni Tübingen) beim Kumite-Freikampf
18.05.2009 | Kategorie: 2009 , Wettkampf , Karate

DHM Karate 2009: 400 Meter im Gewitter

150 Karateka kämpften am Samstag, den 16. Mai 2009 in der Tübinger Universitätssporthalle um die Deutschen Hochschulmeistertitel. Die Gastgeber stellten die erfolgreichste Hochschule.

Langsam betritt Kenichi Sato, Karatekämpfer der Fachhochschule Kaiserslautern, die Kampffläche. Zunächst rührt Sato mit seinem großen Zeh vorsichtig auf dem Boden, als taste er sich durch ein Scherbenfeld. Bedächtig schiebt er einen imaginären Vorhang mit seinen Händen zur Seite. Es ist wie die trügerische Ruhe in einem Gewitter. Dann explodiert Sato. Blitzartig zucken seine Arme nach vorne, so schnell, dass der Mantel, in dem sie stecken, gar nicht hinterherkommt. Wie ein Peitschenknall vibriert der Mantel in der Luft. Sato schreit, der Donnergroll nach dem Blitz – gefolgt von trügerischer Stille.

Kata nennt sich die Wettkampfform, die Kenichi Sato am Samstag in der Tübinger Universitätssporthalle zeigte. Kata ist ein Ausdruckskampf eines einzelnen Kämpfers. Explosiv, dynamisch und präzise muss der Athlet dabei seine Techniken vorführen. Sato gelang das am besten, er sicherte sich souverän den Titel des Deutschen Hochschulmeisters. Oder besser: Er entfachte das intensivste Gewitter. „Ein schöner Abschluss bei meiner letzten DHM“, sagte Sato mit einem Lächeln und jeder Menge Schweißperlen auf der Stirn. Die schnellkräftige, zweiminütige Kata-Kür hatte Spuren hinterlassen. „Wie nach einem 400-Meter-Lauf“, bestätigte Sato.

Sato wurde für seine Mühen bei der Siegerehrung belohnt, er erhielt großen Applaus von den 250 Zuschauern. Größer war der Jubel nur, als die Athletinnen und Athleten der Universität Tübingen ausgerufen wurden. Sonja Ulmer, Frank Dietrich und das Mixed-Team belegten in ihren Kata-Klassen jeweils Rang zwei. Luisa Merkle und Linda Marie Kerner jubelten im Kumite, einem direkten Kampf zwischen zwei Karateka, gar über den Titel. Die Organisatoren freuten sich derweil über den Ablauf der Veranstaltung und den Zuschauerzuspruch: „Wir haben uns in Tübingen sehr gut aufgehoben gefühlt“, attestierte Nico Sperle, Vorstandsvorsitzender des adh, den Organisatoren.

Weniger Anlass zur Freude hatten die männlichen Tübinger Kumite-Kämpfer, die den erhofften Podestplatz verfehlten. Till Schäberle, aussichtsreichster Tübinger Starter, scheiterte in seiner Gewichtsklasse im Viertelfinale. Da nutzten auch die Ratschläge von dem verletzten Tübinger Karateka und mehrfachem Deutschen Meister Felix Kühnle nichts. Enttäuscht schnallte sich Schäberle nach seinem Aus die Schienbeinschoner ab. „Ich habe mich nicht genug an den Gegner rangearbeitet“, analysierte er. In der Mannschaftswertung war die WG Saarbrücken den Tübingern schon in der ersten Runde überlegen. Besser machte es der Tübinger Kumite-Kämpfer David Merz. Nach zwei kräftigen Nasenstübern und einer knappe Niederlage im Auftaktkampf entschied Merz die nächsten drei Duelle für sich. Erst im Kampf um die Bronzemedaille gab er sich geschlagen.

Nach Wettkampfende ereilte alle Tübinger Teilnehmer doch noch eine gute Nachricht. In der Addition aller Wettbewerbe schnitten die Gastgeber am besten ab und sicherten sich somit den Wanderpokal für die beste Hochschule. Ein letztes Mal ertönten die Siegerschreie – dann legte sich die Stille endgültig über die Sporthalle. (Johannes Knuth)

Weitere Infos und Fotos finden Sie auf der DHM-Website: www.dhm-karate-2009.de

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