12.09.2006 | Kategorie: Archiv , 2006 ,

Das „Eva-Prinzip“ hat im Sport keine Chance! Ein Kommentar von Ilse Ridder-Melchers

Ilse Ridder-Melchers, DOSB-Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung, erteilt in der aktuellen Ausgabe der DOSB-Presse Eva Herrmanns Emanzipations-'Verständnis' eine klare Absage: Das „neue alte Eva-Prinzip“ passe weder zum Sport, noch in unsere Zeit.

Zurück an den Herd, Kuchen backen, das Haus schön heimelig machen und öfter einfach mal den Mund halten.“ Diese und ähnliche Thesen geistern derzeit durch die Medien - aus Frauenmund, populär durch öffentlich-rechtliches Fernsehen. Es ist schon ein wenig wie in einem Tollhaus: Da fordert eine ausgesprochene Karrierefrau andere Frauen auf, Beruf und Karriere aufzugeben und zurückzukehren ins traute Heim, weil nur dies der Bestimmung von Mann und Frau gerecht werde. Auf Grund ihrer Veranlagung seien Männer für Hausarbeit oder Kinderbetreuung nicht unbedingt vorgesehen. Formuliert die TV-Nachrichten-Sprecherin. Mit diesen abgestandenen Thesen, die eigentlich so nie gesellschaftliche Wirklichkeit widerspiegelten, füllt sie Zeitungen und Nachrichtensendungen und beschäftigt „ausgewachsene“ Bundespressekonferenzen. Glaubt sie selbst, was sie verplaudert? Wird sie ihr eigenes Leben jetzt umkrempeln? Kündigt sie jetzt ihre sicheren Verdienstquellen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Mitnichten: mit bestens dotierten Einsatzmöglichkeiten im Rücken und jeder Menge Zusatzeinkommen „predigt“ die bekannte Nachrichtensprecherin Eva Hermann von Umkehr und dem Irrtum der Emanzipation. Alles ist erlaubt, alles lässt sich verkaufen, so glaubt sie, wenn sie nur ein „Tabu“ bricht. „Sie braucht das. Ein Zirkuspferd braucht das. Auch wenn die Karriere nun darin besteht, der Karriere abzuschwören.“ So beschreibt Barbara Supp im Spiegel die TV-Moderatorin. Auch im Sport haben wir andere Bilder und Vorbilder. Sport stärkt ja nicht nur körperliche Fitness - Sport stärkt das Selbstbewusstsein. Sport steht für Fairness und Teamgeist, für Solidarität, Miteinander und Chancengleichheit. Das „neue alte Eva-Prinzip“ passt nicht zum Sport, es passt nicht in unsere Zeit. Unser moderner, demokratisch verfasster Staat gibt den Rahmen für eine Gesellschaftsordnung, die gleiche Rechte und Chancen verbürgt - für beide Geschlechter. Erstaunen muss, dass solche Thesen überhaupt noch Absatz finden. Zu Recht stellen die gleichen Medien die Unterdrückung von Mädchen und Frauen besonders z.B. aus radikal-muslimischen Kulturkreisen an den Pranger und fordern vollmundig Gleichberechtigung ein - hier bei uns wie in ihren Heimatländern. Gleiche Rechte, gleiche Chancen sind uns per Verfassung verbürgt, sie gelten bei uns für deutsche und zugewanderte Frauen. Selbst wenn in Zeiten knapper Ressourcen Frauen wieder stärker um ihre Rechte kämpfen müssen, gibt es kein Zurück in die Vergangenheit. Das „ neue alte Eva-Prinzip“ taugt weder für die Gegenwart und erst recht nicht für die Zukunft! Ilse Ridder-Melchers für die DOSB-Presse