14.08.2004 | Kategorie: Archiv , 2004 ,

33 Prozent der Auswahl sind Studierende

Studierende bilden ein gutes Drittel der Olympia-Mannschaft bei den Spielen in Athen: 149 Aktive der 451-köpfigen Mannschaft sind an deutschen Hochschulen eingeschrieben.

''Hochschulsport: In Athen bilden sie die zweitstärkste Fraktion in der deutschen Mannschaft – adh in Dieburg Dienstleister'' Studierende bilden ein gutes Drittel der Olympia-Mannschaft bei den Spielen in Athen: 149 Aktive der 451-köpfigen Mannschaft sind an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Das sind 33 Prozent, hat der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (adh) mit Sitz in Dieburg errechnet. Nach den Bundeswehrangehörigen (154/34,1 Prozent) die zweitstärkste Fraktion. 40 HochschulabsolventInnen in der Mannschaft hinzugerechnet (8,1 Prozent) ist die Zahl der Studierenden und Studierten deutlich höher. Deren Durchschnittsalter: 26,1 Jahre und 31,5 Jahre. Das Durchschnittsalter der gesamten Mannschaft liegt bei 27,5 Jahren. Auch bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney waren exakt 33 Prozent der deutschen Auswahl Studierende. 2002 bei der Winterolympiade in Salt Lake City lag die Zahl bei 15 Prozent. Olaf Tabor, Generalsekretär des adh: „Mit diesem Ergebnis sind wir sehr zufrieden, auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Quotient gleich geblieben ist. Wir hoffen, dass wir auch das Ergebnis von Sydney wiederholen können.“ Dort gewannen deutsche Studierende zweimal Gold, viermal Silber und einmal Bronze. Interessant auch, dass während einer Olympiade (vier Jahre) mit zwei Universiaden (2001 Peking, 2003 Daegu) von 180 Aktiven 20 (elf Prozent) den Sprung zu den olympischen Spielen geschafft haben. Schon mit dem Medaillensegen 2003 (drei Gold, zwei Silber, acht Bronze) hat der adh sein sportliches Leistungsprofil geschärft. Wasserball (77 Prozent), Moderner Fünfkampf (67), Hockey (66), Judo (58), sowie Trampolin und Volleyball/Frauen (je 50 Prozent) bergen den höchsten Studentenanteil. Ditte Kotzian und Conny Schmalfuß (Wasserspringen), die Schwimmerin Antje Buschschulte, Markus und Christoph Dieckmann (Beachvolleyball), die Leichtathleten Danny Ecker (Stabhochsprung) und Charles Friedek (Dreisprung), Fußball-Weltmeisterin Renate Lingor oder Handball-Europameister Daniel Stephan heißen die Aushängeschilder. Allein diese Statistiken widerlegen, dass Hochschulen in Deutschland im Spitzensport keine Rolle mehr spielen. Olaf Tabor spürt wachsende Aktivitäten an vielen Hochschulen. Die Elitediskussion, größere Selbstverantwortung und -Vermarktung verändern Klima und Wettbewerb. Mit interessantem Sportangebot und Topleistungen lässt sich bei Studienwilligen, in der Öffentlichkeit und bei Sponsoren wuchern. Von den 159 Mitgliedshochschulen des adh unter knapp 300 privaten und staatlichen Studien- und Bildungseinrichtungen tragen gut ein Drittel das adh-Prädikat „Partnerhochschulen des Spitzensports“. Parallel plant der Deutsche Sportbund das Gütesiegel „Elitehochschulen des Sports“. 1999 entwarf der adh die Rahmenvereinbarung. Die Verträge regeln unter anderem die Unterstützung der Universitäten und Fachhochschulen für SpitzensportlerÍnnen, um deren Training, Wettkämpfe und berufliche Karriere-Planung (Fehlzeiten, Prüfungstermine, Betreuung, Beratung), zu erleichtern. Auch TU und FH Darmstadt stärken das Netzwerk. Langsam reifen die Früchte: So bemühen sich zahlreiche Olympiastützpunkte, in die Kooperation einzusteigen – auch mit dem Ziel, Studenten unter ihren Schützlingen zu binden. Viele Fachverbände dagegen zeigen sich bisher reserviert. Der adh in Dieburg erhält in jüngster Zeit verstärkt Anrufe von Schülern und Studenten aus den C/B/A-Kadern, die Beratung über gute Studien- und Trainingsbedingungen wünschen. Tabor: „Es ist ein Trend, dass sich Athleten an uns wenden und fragen, wo sie hingehen können.“ Mehr Aufschluss über Nutzen und Schwächen der Partnerschaft wird eine Evaluation geben, die adh und DSB nach den Olympischen Spielen beginnen. Sie befragt Hochschulen und Olympiastützpunkte sowie alle studierenden Spitzensportler, um Entwicklungen und Bedürfnisse auszuloten. Olaf Tabor: „Das wird eine spannende Geschichte.” Hochschulsport als Bühne und Sprungbrett für Talente aus der zweiten Reihe: Einige Fachverbände erwärmen sich dafür. Der adh versteht sich als Dienstleister und hat sich in ein in Finnland geborenes Projekt eingeklinkt. Dieses untersucht die Vernetzung von Spitzensportstrukturen an Hochschulen in Europa. Dafür fließen EU-Mittel. Acht Nationen arbeiten neben der Ist-Analyse Modelle aus, um Spitzensport an Hochschulen zu stärken. ''Hans-Peter Seubert'' Darmstädter Echo (14.08.2004)