Für Jana Schneider kommen in diesen Wochen gleich mehrere Erfolge zusammen: Erst vor kurzem schloss die 24-Jährige ihr Psychologie-Studium an der Uni Würzburg ab, nun holte sie sich bei der WUC ungeschlagen den Titel im klassischen Schach. Sechs Siege und drei Remis standen am Ende für die deutsche Meisterin zu Buche, die unter anderem gegen die topgesetzte Chinesin Yan Tianqi einige Hürden zu nehmen hatte. Doch auch in diesem Duell in der siebten Runde kämpfte sich Schneider zurück und schöpfte viel Kraft für die letzten Partien. „Es ist auf jeden Fall ein geiles Gefühl zu sagen: Ich bin Weltmeisterin“, sagte sie nach ihrem Triumph.
Die zweite deutsche Einzelmedaille im klassischen Bereich gewann Luis Engel (Bucerius Law School Hamburg). Der 24-jährige Jura-Student gewann am Ende mit 6,5 Punkten Silber und musste nur dem Chinesen Pang Tao den Vortritt lassen. „Hätte man mir das vor dem Turnier angeboten, hätte ich wahrscheinlich gesagt: Ja, nehme ich mit“, sagte Engel zufrieden, aber gleichzeitig enttäuscht, da er bis zum Ende um den Titel mitgespielt hatte.
Wie eng Erfolg und knapp verpasste Medaillen beieinanderliegen können, zeigte das Frauenturnier. Lara Schulze (SRH Fernhochschule) erreichte ebenfalls 6,5 Punkte und war damit punktgleich mit der Silber- und der Bronzemedaillengewinnerin. Die Feinwertung gab den Ausschlag: Schulze wurde Fünfte, nur ein Buchholzpunkt trennte sie von Silber. Svenja Butenandt (TU München) belegte mit fünf Punkten Rang zwölf. Bei den Männern kamen Nikolas Wachinger (PHB Berlin) und Tobias Kölle (DHBW Stuttgart) auf jeweils 5,5 Punkte und belegten die Plätze acht und zwölf.
Bereits am Mittwoch hatte das Team vier Medaillen im Blitzschach gewonnen. Engel und Kölle erreichten jeweils sieben Punkte aus neun Partien und sicherten sich Silber und Bronze. Bei den Frauen spielte Butenandt ein starkes Turnier und gewann mit ebenfalls sieben Punkten Silber.
Deutschland im Team ganz oben
Die starken Einzelleistungen schlugen sich auch in der Teamwertung nieder, die Deutschland in beiden Disziplinen für sich entschied – jeweils vor Gastgeber China und Polen.
Hinter diesen Erfolgen steckte ein anspruchsvolles Turnierprogramm, welches die vom Jetlag geplagten Teilnehmenden zusätzlich forderte. Als umso wertvoller erwies sich Unterstützung von Trainer Dmitrij Kollars, der alle sechs Aktiven auf ihre Begegnungen vorbereitete und seine Arbeit dafür regelmäßig in die Nacht verlegte. In Liaocheng tüftelte er oft bis zum Frühstück an der Taktik, bevor er selbst schlafen ging.
Christoph Klüners, Vizepräsident des Deutschen Schachbunds (DSB), sieht in den aktuellen Erfolgen zugleich eine Bestätigung für die Arbeit des DSB-Hochschulbeauftragten und Delegationsleiters Christoph Barth: „Hochschulschach liegt genau an der Schnittstelle zwischen Jugend- und Erwachsenenschach.“
Bridge: Mixed Bronze für Team Studi
Abseits der Schachwettbewerbe hatte der adh auch fünf Aktive im Bridge zur WUC nach China entsandt. Im Mixed belohnten sich Charlotte Baumgart (Uni Leipzig), Kathrin Schwalbach (University of Groeningen, Niederlande), Marius Gündel (TH Mannheim), Levente Hartstang (Uni Heidelberg) und Bendikt Körner (Uni Göttingen) mit der Bronzemedaille. Bei den Duellen am Bridgetisch, die sich über sechs Tage erstreckten, musste das deutsche Team lediglich Titelträger Frankreich und Gastgeber China den Vortritt lassen.
Wer noch einmal in die Erlebnisse aus China eintauchen möchte, kann dies am 25 Oktober (13:30 bis 14:30 Uhr) tun, wenn das Bridge-Team via Zoom von den Erfahrungen aus China berichtet.
