Irin als erste Frau an die ENAS-Spitze gewählt

"Making a Difference" – unter diesem Motto traf sich das European Network of Academic Sport (ENAS) ­zur 16. ENAS-Konferenz vom 06. bis zum 10. November 2013 in Irland. Auch von sieben deutschen Hochschulen waren Vertreterinnen und Vertreter in Limerick.

Im Fokus der Tagung stand die Frage, wie der Hochschulsport zu einem gesunden und sportlichen Lebensstil bei Studierenden und anderen Zielgruppen beitragen kann. Inhaltliche Schwerpunkte waren dabei "Health & Wellbeing", "Student Sport", "Financing of Sport" und "Commercialisation/Financing of Sport". Bei der im Rahmen der Konferenz stattfindenden Vollversammlung wurde zudem Michelle Tanner, die Leiterin des Hochschulsportzentrums des Trinity Colleges (Dublin/Irland), als erste Frau zur Präsidentin des ENAS gewählt. Dies ist umso beachtenswerter, da bislang die Frauen im Verband noch deutlich unterrepräsentiert sind und der Verband erst seit 12 Jahren offiziell existiert. Mit der Wahl von Michelle Tanner schließt sich aber der Kreis, da die Ursprungsidee zu dem europäischen Netzwerk von einer Kollegin aus Grenoble, Andrée Delmas, die 1997 die erste europäische Konferenz für Hochschulsportleiter organisierte, ausging.

Im neuen Vorstand wird das ungeschriebene Gesetz, eine kulturelle Diversität des Verbandes widerzuspiegeln, weiterhin verfolgt. Neben einer finnischen Vertreterin, einem britischen, niederländischen, belgischen und einem schweizerischen wurde der bislang kooptierte Direktor der ZEH der Freien Universität Berlin, Jörg Förster, nach Lutz Stöter (TU Braunschweig) zum dritten deutschen Vertreter in den Vorstand gewählt. Dort wird er die Projekte ENAS Award und Charity betreuen sowie sich um die institutionelle Vernetzung mit EUSA und EAS kümmern.

Bei der Konferenz hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diesmal die Gelegenheit interessante Vorträge zu den Bereichen Gesundheitsbildung, Marketing und Consulting im Hochschulsport zu hören, mehr über "good practice"-Modelle in verschiedenen Ländern zu erfahren und sich in Workshops angeregt über die verschiedensten Modelle und deren Diversität auszutauschen.

Die jeweiligen thematischen Schwerpunkte wurden durch Impulsvorträge namhafter Redner wie Gerry Duffy (Ausdauer-Extremsportler, Motivationsredner und Buchautor), Keith Wood (Rugby-Legende, World Player of the Year 2001 und Berater), Dr. Paul Mooney (Professor am Trinity College Dublin, Buchautor und Berater), Prof. Niall Moyna (mehrfach ausgezeichneter Wissenschaftler im Bereich Kardiologie) und Mark Pollock (erfolgreicher Rudersportler) eingeleitet.

Im Austausch zu hochschulsportrelevanten, aktuellen Gesellschaftsthemen liegt auch einer der Schwerpunkte von ENAS. Das Netzwerk bietet die einzigartige Chance, Expertisen in den Bereichen strategische Entwicklungen, Programmkonzeption, Sportstättenmanagement und allgemeines Management des Hochschulsports zu erhalten, sich darüber auszutauschen und kompetente Ansprechpartner zu finden. Zusätzlich gewinnt der 2005 eingeführte "Staff exchange" zwischen den Einrichtungen, der mittlerweile auf kurze "staff visits" ausgeweitet wurde, an Fahrt. Hier haben die Mitglieder die Chance, bezuschusst, andere Einrichtungen zu besuchen und eine thematische Auseinandersetzung zu führen oder an Aus- und Fortbildungen, wie am geplanten "Groupfitness workshop" der Universität Nijmwegen (Niederlande) im Mai nächsten Jahres teilzunehmen. Auch der 2008 eingeführte "ENAS award", bei der eine Hochschuleinrichtung für ihren besonderen inhaltlichen Beitrag für ENAS geehrt wird, etabliert sich zunehmend. Dabei wurden zum dritten Mal in Folge 1.000 € als Preis ausgelobt. In diesem Jahr erhielt die Universität Nijmwegen den Award für ihr Gesundheitsprogramm für Inaktive.

Positiv kam in diesem Jahr der Vorschlag von Ines Lenze (Uni Bochum) an, den neuen Mitgliedern einen erfahrenen "buddie" zur Seite zu stellen, um den Neuankömmlingen im Verband eine Orientierungshilfe zu geben. Allerdings war die einhellige Meinung der Neuen, dass Sie sich sehr gut unter den Kolleginnen und Kollegen aufgenommen fühlten. Die gelungene Mischung aus Wissensaustausch einerseits und "familiäres" Wohlbefinden bei der Konferenz andererseits, bei der die Gemeinsamkeiten im Zweifelfalle vor den Verschiedenheiten stehen, ist etwas, was im Verband von Anfang an entwickelt wurde und was sich dieser bewahrt hat.

Ausblick

In einem ersten Statement kündigte die neue Präsidentin Anstrengungen an, mehr Frauen in den Verband zu bewegen und die Konferenzdaten familienfreundlicher zu gestalten.

Es bleibt abzuwarten, ob die sportpolitische Ausrichtung des ENAS durch den Vorstand wieder stärker in den Fokus gerät. In den ersten Jahren des Verbandes wurden Kontakte zur UNESCO über "Right to play", zur EU "Sport Unit", zum EU Sport Forum, zur EUSA, zur EAS und verschiedenen nationalen Verbänden, unter anderem zum adh, offiziell durch Partnerschaftsabkommen besiegelt. Gegenüber den Organisationen und Verbänden erwarb sich ENAS eine hohe Reputation in den Bereichen Professionalität und inhaltlicher Kompetenz, unter anderem durch die Beteiligung an europäischen Grundsatzpapieren, wie dem "green paper" der EU, wo die Akteure des Sports ihren Beitrag zur Gesundheitsbildung in Europa aufzeigen.

Es ist auch zu hoffen, dass die deutsche Beteiligung, gemessen am Potential sowohl bei der Mitgliedschaft, als auch bei der Konferenzteilnahme steigt, da sie leider immer noch sehr gering ist. Während die niederländischen und schweizer Hochschulsporteinrichtungen komplett sowie die portugiesischen, britischen und irischen stark vertreten sind, liegt der Anteil der deutschen gerade einmal bei 10% des Potentials. In der Hoffnung, dass dies sich in Zukunft ändert, wäre es auch erstrebenswert den deutschen Frauenanteil bei den Konferenzen und perspektivisch im Vorstand zu erhöhen.

Den deutschen Hochschulsporteinrichtungen bietet sich durch die ENAS-Teilnahme eine noch nicht wahrgenommene Chance des Wissensgewinns im europäischen Kontext.

Die Autoren

Jörg Förster (FU Berlin) ist seit November 2013 im adh-Vorstand für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Marketing zuständig und wurde auf der 16. ENAS-Konferenz in Limerick zum Vollmitglied des Executive Committees des ENAS gewählt. Zuvor war der Direktor der ZEH der Freien Universität Berlin kooptiertes Mitglied im EC. Er bringt internationale Erfahrung aus der jahrelangen Arbeit im EC der EAS mit, wo er unter anderem an der Erstellung der EU Guidelines zur "Dualen Karriere" mitwirken konnte. Als Technischer Delegierter der EUSA für Volleyball ist er zudem in die Weiterentwicklung der Europäischen Hochschulmeisterschaften intensiv eingebunden.

Peter Lynen (RWTH Aachen) ist seit 1999 bei ENAS und deren Vorläuferorganisation involviert. 2001 wurde er zum ersten ENAS-Präsidenten gewählt, gründete 2001 offiziell die ENAS als Verband und hatte acht Jahre lang bis Ende 2009 das Präsidentenamt inne. Darüber hinaus vertrat er den adh im internationalen Bereich bei verschiedenen Verbänden, war 2013 als key-note speaker bei der FISU-Konferenz in Kazan/Russland aktiv und gestaltetedie adh-Perspektivtagung 2013 zum Thema "Internationalisierung – Chancen und Perspektiven für den Hochschulsport" im Mai 2013 in Münster mit.