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16.03.2026 | Kategorie: Bildung , Seminare/Workshops , 2026

„Haltung zeigen, Worte finden“ - Online-Workshop

In Zeiten, in denen europaweit populistische Parteien im Aufwind sind, wird auch im Alltag der Diskurs über gesellschaftliche und politische Themen zunehmend schärfer. Ob im Berufsleben oder in lockerer Runde mit Freunden – die Akzeptanz für diskriminierende Parolen scheint zu steigen und die Grenzen des Sagbaren haben sich merklich verschoben. Doch was genau wird unter Populismus verstanden und welche Möglichkeiten gibt es, Stammtischparolen und menschenverachtenden Aussagen argumentativ zu begegnen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Online-Workshop „Haltung zeigen, Worte finden – Souverän reagieren auf populistische und menschenfeindliche Aussagen“, der am 11. März stattfand.

Nachdem adh-Jugend- und Bildungsreferentin Katharina Neumann die 23 Teilnehmenden begrüßt hatte, gab Mathias Hamann (Geschäftsführer und Trainer des Instituts für Kommunikation und Gesellschaft) einen inhaltlichen Ausblick auf den Workshop. Anschließend schickte er die Teilnehmenden in erste virtuelle Kleingruppen, um sich kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen.

Die Teilnehmenden lernten zunächst mit der „Ja-abholen“-Methode eine Gesprächstechnik kennen, die durch Fragen und das Vermeiden direkter Gegenargumente einen konstruktiveren Austausch ermöglicht. Anschließend stellte Hamann das „3-TSB-Schema“ vor, ein Modell zur Strukturierung und Analyse von Argumentationen, das in Gruppenübungen praktisch angewendet wurde.

Im weiteren Verlauf widmete sich der Workshop dem Begriff des Populismus. Da dieser inzwischen sehr häufig verwendet wird und seine Bedeutung im allgemeinen Sprachgebrauch teilweise verwässert ist, wurde zunächst eine begriffliche Einordnung vorgenommen. Anhand von Beispielen aus dem rechten und linken politischen Spektrum erläuterte Hamann, dass Populisten für sich beanspruchen, im Namen des „Volkes“ zu sprechen. Ein zentrales Merkmal populistischer Rhetorik ist ein starkes „Wir-gegen-Sie“-Denken. Dabei wird die Gegenseite häufig als eine nicht näher definierte Elite dargestellt, während die eigene Gruppe moralisch überhöht wird. Die Argumentation bewegt sich dabei meist stärker auf einer emotionalen als auf einer faktenbasierten Ebene. Dass sich populistische Narrative nicht nur in der Politik, sondern auch in der Musik finden lassen, zeigte eine Analyse des Liedes „Deutschland“ des Rappers Kollegah. Anschließend entwickelten die Teilnehmenden in Kleingruppen selbst Beispiele für populistische Rhetorik und präsentierten diese im Plenum.

Während des Seminars entwickelte sich ein lebendiger Austausch darüber, wie in konkreten Situationen reagiert werden kann. Dabei wurde deutlich, dass die vorgestellten Methoden nicht primär darauf abzielen, andere sofort von der eigenen Meinung zu überzeugen. Vielmehr helfen sie dabei, Diskussionen zu entschärfen und Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner dazu anzuregen, ihre eigene Sichtweise zu hinterfragen. So kann ein Prozess des Nachdenkens und möglicherweise auch des Umdenkens angestoßen werden.

In der abschließenden Feedbackrunde wurde deutlich, dass der Workshop bei den Teilnehmenden einen Nerv getroffen hatte und viele wertvolle Anregungen für zukünftige Diskussionen mitgenommen wurden.

Janette Bewer von der Universität Münster zeigte sich sehr zufrieden mit dem Workshop:
„Ich habe vor allem mitgenommen, dass es keine ‚Musterlösung‘ für Reaktionen auf populistische Aussagen gibt, sondern dass die Ansätze je nach Situation variieren. Außerdem macht auch das persönliche Ziel einen Unterschied: Geht es darum, sich auf eine Argumentation einzulassen, oder soll das Thema lieber beendet werden? Besonders gut gefallen hat mir, dass wir unterschiedliche Strategien kennengelernt und in kleinen Gruppen direkt ausprobieren konnten, wie wir reagieren würden. Davon werde ich auf jeden Fall etwas in meinem Alltag anwenden.“

Auch Ebba Koglin (adh-Vorstandsvorsitzende und Leiterin des Zentrums für Hochschulsport der Universität Osnabrück) zog ein positives Fazit:
„Sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext werden wir leider immer wieder mit Aussagen konfrontiert, die uns im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos machen. Um hier angemessen reagieren und im besten Fall sogar positiv einwirken zu können, lieferte der praxisorientierte Workshop eine Reihe hilfreicher Strategien und Tipps.“