Auch wenn zahlreiche Studien über erfolgreiche Kommunikation belegen, dass ein souveräner und sympathischer Auftritt ebenso wichtig ist wie Sachkompetenz, nutzen viele Frauen diesen Karrierefaktor noch zu wenig. Am 27. und 28. Juni 2014 zeigte Referentin Anke Engelhard den Teilnehmerinnen des Qualifizierungsseminars des Tandem-Projekts auf, dass die Kunst einer souveränen Präsentation in der Authentizität liegt. Darin mündet, dass Menschen nicht die eigenen Schwächen nur erkennen und verstecke, sondern humorvoll mit ihnen umgehen sollten.
Der Workshop startete mit einem Warm-Up vor der Kamera. Für die meisten Teilnehmerinnen eine ungewohnte Situation. Doch zeigte die Übung sehr deutlich bereits vorhandenen Präsentationsstärken und die entsprechenden Verbesserungsmöglichkeiten auf. Im Einmaleins der Präsentationsfertigkeiten wie Blickkontakt, Stand, Stimme und Redegeschwindigkeit, fühlten sich alle Beteiligten sicher. Schwierigkeiten hatten die Beteiligten beim Umgang mit unterschiedlichen Zielgruppen und Störungen sowie die Herstellung und Haltung von Argumentationskette. Anke Engelhard machte deutlich, dass das Handling mit diesen Situationen nicht von einer schauspielerischen Leistung abhängt. Vielmehr sei die eigene Authentizität, die wiederum in Echtheit, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit beim Gegenüber mündet, wichtig. Das bedeutet:
- ICH BIN KLAR! Ich muss mir meiner Rolle, meiner Ziele und meiner Position bewusst sein und kann mich darauf einstellen.
- ICH BIN PRÄSENT! Die Mehrabian-Studie der University of California hat ergeben, dass Kommunikation zu 38% über die Stimme, 7% über den Inhalt und 55% über die Körpersprache stattfindet. Dies bedeutet, dass wir unbewusst oder bewusst viel mehr über Mimik und Gestik transportieren als uns vielleicht lieb ist.
- ICH BIN ICH SELBST! Ich stehe zu meinen „Fehlern“ und Schwächen und versuche so vieles zu steuern, wie einem möglich ist.
Des Weiteren erklärte die Referentin die wichtige Bedeutung der Botschaft, die man seinem Gegenüber rüberbringen möchte. Als praktische Übung formulierte jede Teilnehmerin eine Hauptbotschaft als „Headline“ mit drei kurzen Teilbotschaften. Am Ende jedes Teils stand ein Fazit. Darüber hinaus transportiert auch die Stimme viele Emotionen und die aktuelle Stimmung. Zur Verdeutlichung begaben sich die Teilnehmerinnen gedanklich in eine Situation, die sie positiv stimmt und beschrieben diese anschließend. Im nächsten Schritt versetzten sich die Teilnehmerinnen in eine negative Situation und wiederholten die Übung. Es war erstaunlich wie sich Redefluss, Wortwahl, Körperhaltung aber vor allem die Stimmlage veränderten.
Eine weitere Übung verdeutlichte die Kraft der Mimik und Gestik. Hierfür wurden zwei Gruppen gebildet. Jede Gruppe stellte eine Szene dar, ohne ein einziges Wort von sich zu geben. Die jeweils andere Gruppe versuchte zu deuten, was passiert ist und welche Reaktionen und Gegenreaktionen hervorgerufen wurden.
Am Ende des Qualifizierungsseminars wurden noch einmal drei Teilnehmerinnen mit der Videokamera interviewt und hinterher von allen Beteiligten auf Basis des bisher gelernten analysiert. Es war interessant zu sehen, welche Entwicklungen in den zwei Tagen stattgefunden haben. Auch die Erkenntnis wie weit Eigen- und Fremdwahrnehmung voneinander entfernt liegen war ein Bestandteil der Evaluation. Dies wurde auch abschließend in den Kleingruppen deutlich, in denen jede Teilnehmerin ihrem Gegenüber mitteilte, wie sie wirkt, was sie gut macht und was sie anders machen könnte.
Natürlich waren die zwei Workshop-Tage in Gießen nicht nur von Arbeit geprägt. Zwischenzeitlich hat uns Sandra Zdzieblik in die Kunst des Bogenschießens eingeführt und uns zugleich die körperlich und mental entspannende Wirkung nähergebracht. In diesem Zusammenhang möchten wir uns auch ganz herzlich bei Sandra und dem Projektteam für die Vorbereitung, die tolle Organisation und Abendgestaltung vor Ort in Gießen bedanken!
Text: Irina Trieb
