Thema der Expertenanhörung war: „Wie kann eine unterstützende und motivierende Anerkennungskultur für Ehrenamt und freiwilliges Engagement im Sport gestaltet werden“.
Peter Lynen, HSZ der RWTH Aachen, vertrat den adh bei der Expertenanhörung zur Vorbereitung der nächsten Sportministerkonferenz-Tagung in Berlin. Er zeigte dabei die Möglichkeiten der Anerkennungskultur im deutschen Hochschulsport auf und diskutierte im Forum „Studium“ die notwendigen sportpolitischen Konsequenzen, die sich daraus ergeben.
Hintergrund
Im Rahmen des „Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der aktiven Bürgerschaft“ in 2011 formulierte die EU vier Ziele:
- die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement in der EU
- die Stärkung des Potenzials der Organisatoren von Freiwilligentätigkeiten zur Verbesserung der Qualität von freiwilligem Engagement
- die Anerkennung von Freiwilligentätigkeit
- die Sensibilisierung für den Wert und die Bedeutung von freiwilligem Engagement als Ausdruck einer aktiven Bürgerbeteiligung
Die SMK griff diese Thematik und Grundsatzbeschlüsse auf und beschloss unter anderem zu folgenden Fragestellungen eine Positionierung vorzunehmen:
- Wie kann durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die herausgehobene Bedeutung von Engagement und Freiwilligentätigkeit im Sport, hinsichtlich ihrer integrativen, identitäts- und solidaritätsstiftenden sowie ökonomischen Wirkungen angemessen verdeutlicht werden?
- Welche begriffliche Eingrenzung muss zur Unterscheidung des „Ehrenamts“ vom „freiwilligen Engagement“ vorgenommen werden?
- Wie kann man, eine zielgruppenadäquate Ansprache von bereits Engagierten beziehungsweise potentiell Engagierten erreichen?
- Wie kann man zu Ehrenamt motivieren und dies adäquat auszeichnen und anerkennen?
Im November 2011 fasste die 35. Sportministerkonferenz in Weimar unter anderem folgende Beschlüsse, um die Anerkennungskultur im Sport zu fördern:
- Die Sportministerkonferenz (SMK) stellt fest, dass der Sport in Deutschland die größte Engagementquote im Vergleich zu anderen Engagementfeldern aufweist. Sie erkennt damit auch die herausgehobene Bedeutung der integrativen, identitäts- und solidaritätsstiftenden sowie die ökonomischen Wirkungen von Engagement und Freiwilligentätigkeit gerade im Sport für die Gesellschaft in Deutschland an, welcher durch Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine besondere Stellung beigemessen werden muss.
- Die SMK begrüßt im Hinblick auf Engagement und Freiwilligentätigkeit die Aktivitäten des organisierten Sports und regt an, in seinem Verantwortungsbereich die Rahmenbedingungen für freiwilliges und ehrenamtliches Engagement weiter zu verbessern.
- Die SMK bittet die Sportreferentenkonferenz bis zur 36. SMK zu den beschriebenen Fragestellungen Handlungsempfehlungen zu formulieren beziehungsweise eine Positionierung vorzunehmen. Hierzu soll eine Expertenanhörung durchgeführt werden, um unter anderem eine bessere Vernetzung der verschiedenen Akteure, bezogen auf deren Aktivitäten und Konzepte, herzustellen.
Diskussion und Ergebnisse der Expertenanhörung
Zielsetzung der Expertenanhörung war es, das freiwillige und ehrenamtliche Engagement in den Bereichen: Schule, Studium, Erwerbsphase und Nacherwerbsphase zu beleuchten und Empfehlungen an die SMK auszusprechen.
In diesem Rahmen wurde der adh gebeten die Anerkennungskultur in der Lebensphase Studium darzustellen. Peter Lynen vertrat den adh bei dieser Expertenanhörung. Hierbei stellte er den adh und dessen Potential im Bereich des freiwilligen Engagements beziehungsweise des Ehrenamtes dar, zeigte die aktuelle Anerkennungskultur auf und diskutierte mit den Teilnehmenden des Forums die notwendigen sportpolitischen Forderungen an die SMK.
In seiner Präsentation präsentierte er einerseits die hohe Teilnahme am, die große Motivation zum und die hohe Zufriedenheit mit dem Hochschulsport, die eine der Grundlagen für das dortige Engagement bildet. Andererseits verdeutlichte er die vielfältigen Lern- und Qualifizierungspotenziale und die zahlreichen Identifikations-, Integrations- und Kommunikationspotenziale des Hochschulsports.
Wie die HIS Studie von 2006 zeigt, sind die Studierenden, bedingt durch ihr hohes Bildungsniveau, überdurchschnittlich engagiert. 80% zeigen Interesse an gesellschaftlichem Engagement.
Der Hochschulsport bietet für ein Engagement ein praktisches pädagogisches Handlungsfeld, in dem zahlreiche soziale Kompetenzen, unter qualifizierte Supervision, vermittelt und reflektiert werden können. Studierende engagieren sich bereits vielfältig als Übungsleiter, Obleute, Eventorganisatoren, Eventhelfer, im studentischen Sportreferat und koordinieren ihr Studium mit ihrem Spitzensport.
Allerdings zeigt sich, dass im Rahmen der Umstellung der Studiensysteme knappere Zeitbudgets zur Verfügung stehen, die dazu führen, dass Studierende sich eingeschränkter beziehungsweise zielgerichteter engagieren und für Gratifikationen im Rahmen des Erwerbs von Schlüsselkompetenzen dankbar sind. Dies wird dadurch unterstrichen, dass 53% der Studierenden den Qualifikationserwerb als Engagementgrund angeben.
Im Forum „Studium“ der SMK Tagung entstand eine rege Diskussion zu Möglichkeiten der Anerkennungskultur in dieser Lebensphase. Dabei entstanden folgende Ideen und Forderungen:
- Es sollen verbesserte, flexiblere Rahmenbedingungen für ein Engagement geschaffen werden, bei dem länger Bafög gezahlt wird, Semesterbeiträge erlassen und Langzeitstudiengebühren nicht erhoben werden.
- Erworbene Schlüsselqualifikationen aus dem Sport (Lizenzen, Führungsqualitäten, Sozialkompetenzen etc.) sollten im Rahmen der extracurricularen Studienangebote und deren Gratifikation mit studienrelevanten Credits bewertet werden.
- Im Rahmen des freiwilligen beziehungsweise ehrenamtlichen Engagements sollte es möglich sein Prüfungen und wichtige Termine zu verschieben (analog bestehender Regelungen Im Bereich Partnerhochschule des Spitzensports).
- Die Aktivitäten von ehrenamtlich und freiwillig Tätigkeiten sollten unter anderem in Diplomen/Zeugnissen aufgenommen werden.
Als Quintessenz wurde empfohlen, dass eine Vereinbarung „Partnerhochschule des freiwilligen Engagements (im Sport)" kreiert wird, analog zur Vereinbarung „Partnerhochschule des Spitzensports“, in die die vorgenannten Punkte einfließen könnten.
Die Empfehlungen und sportpolitischen Forderungen an die SMK sollen nach Meinung der Forum-Teilnehmenden bewirken, dass Institutionen wie HRK und BMBF entsprechende Umsetzungen vornehmen, diese formal anerkennen und Förderprogramme bereitstellen. Genauso könnten durch einen SMK-Beschluss eine Anerkennung der formalen Qualifikationen im Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) beziehungsweise Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) angestrebt werden.
Die Präsentation zur <media praesentation-smk berlin>Expertenanhörung SMK</media> als PDF
