Henning Schreiber blickt mit viel Erfahrung auf das Tandem-Mentoring-Projekt. Der ehemalige adh-Generalsekretär nahm in diesem Durchgang bereits zum dritten Mal als Mentor an dem Projekt teil. In den vergangenen zwei Jahren begleitete Schreiber Luisa Kosok (Uni Bielefeld). Von 2011 bis 2013 übernahm Kosok die Aufgaben des adh-Vorstandsmitglieds für den Bereich Chancengleichheit und Personalentwicklung. Nun steht sie vor dem Ende ihres Studiums. Im Interview erzählen die beiden Teilnehmenden von ihren Eindrücken und der gemeinsamen Arbeit.
Was nehmt ihr von eurer Teilnahme am Projekt Tandem-Mentoring mit?
Luisa Kosok: Eine Menge neuer Erfahrungen in vielen Bereichen. Aber insbesondere habe ich über mich selbst viel gelernt.
Henning Schreiber: Im Übergang vom Studium zum Beruf wird es unübersichtlich. Einseitige Orientierungen und Festlegungen enden schnell in der Sackgasse. Wer sich Optionen verschafft, ist klar im Vorteil und wer den Masterplan propagiert, wandelt auf dem Pfad des Traumtanzes.
Wie sah eure Zusammenarbeit während des Projekts aus?
Luisa Kosok: Die Zusammenarbeit mit Henning war vertrauensvoll, unkompliziert und offen. Wir hatten persönliche Treffen, haben aber auch sehr viel telefoniert.
Henning Schreiber: Der übliche Kommunikationsmix. Bilateraler Austausch am Telefon, per Mail oder durch persönliche Begegnungen, bei Veranstaltungen auch in der Diskussion mit anderen oder zuhörend und anschließend gemeinsam auswertend.
Welche Themen standen im Fokus eures Austauschs?
Luisa Kosok: Zum einen die Beendigung meines Studiums – insbesondere die Themenfindung und weitere Schritte für meine Masterarbeit und zum anderen mein Berufseinstieg. Also wo möchte ich hin und was will ich erreichen.
Henning Schreiber: Die Verknüpfung des Studienabschlusses mit einem zielgerichteten Schritt in Richtung Beruf und mit welchen zusätzlichen, auch außerhalb der Hochschule zu erwerbenden Qualifikationen der formale Abschluss ergänzt werden kann.
Haben sich deine Erwartungen an das Projekt Tandem-Mentoring erfüllt?
Luisa Kosok: Ja, eigentlich sogar mehr als das! Die Prozesse und Entwicklungen der eigenen Person, die durch dieses Projekt angestoßen werden, sind wirklich enorm und werden noch über das Projekt hinaus anhalten.
Henning Schreiber: Bezogen auf den Prozess, der im Projektzeitraum zwischen mir als Mentor und meiner Mentee vereinbart, entwickelt und umgesetzt worden ist, wurden meine Erwartungen erfüllt. Ob sich meine Erwartungen an das Projekt erfüllen, wird sich noch zeigen. Ich bin auf die Evaluierung in zehn Jahren sehr gespannt und ehrlich gesagt, voll guter Hoffnung.
Was macht aus deiner Sicht das Projekt Tandem-Mentoring aus?
Luisa Kosok: Die Mischung aus persönlicher, individueller Beratung und Gesprächen, Reflexionen, Fortbildungen und dem Austausch unter den Mentees.
Henning Schreiber: Die besondere Qualität des Projektes besteht darin, dass die systematische individuelle Förderung nach und nach systemverändernde Kraft entwickelt und dabei nicht nur Entwicklungen im Hochschulsport beeinflusst, sondern eine besondere, bereits jetzt nachgefragte Qualität in den Sportorganisationen erzeugt.
Das Tandem-Mentoring-Projekt hat die Zielsetzung, junge Frauen für Führungsaufgaben im organisierten Sport auszubilden. Welches Potential steckt im Projekt zur Förderung von Chancengleichheit?
Luisa Kosok: Ich denke, dass im Projekt eine Menge Potenzial zur Förderung von Chancengleichheit in Bezug auf die Förderung von jungen Frauen im organisierten Sport steckt. Das Netzwerk, dass sich durch das Projekt ergibt, die Fortbildungsmaßnahmen und auch die Auseinandersetzung mit seiner Person und seinen Zielen, sind hier wichtige Faktoren. Das ist natürlich immer ein Prozess, den man nicht von heute auf morgen messbar machen kann. Ich denke aber, dass man das Potenzial und auch das Ergebnis besonders bei den Netzwerktreffen sehen kann. Dort sitzen erfolgreiche Frauen, die als ehemalige Mentees ihre Ziele erreicht haben und um ein Beispiel zu nennen, nun in verantwortungsvollen Positionen im organisierten Sport arbeiten.
Henning Schreiber: Chancengleichheit ist ein schillernder Begriff, der – bezogen auf gleiche Startchancen im Bildungssystem – im Übergang vom Studium in den Beruf nicht wirklich hilfreich ist, weil der Bildungsstart bereits lange zurückliegt. Daher kann das Tandem-Mentoring-Projekt vielleicht einen Beitrag zur Chancengleichheit beim Start in den Beruf leisten. Gewiss aber ist das Projekt ein Beitrag zur Förderung von beruflichen Karrierechancen von Frauen.
Kannst du dir vorstellen, zukünftig selbst die Rolle der Mentorin (erneut) zu übernehmen?
Luisa Kosok: Generell kann ich mir diese Rolle sehr gut vorstellen. Allerdings fehlen mir da gewiss noch ein paar Jahre Erfahrung in einigen Bereichen sowie der Abstand vom Mentee-Sein.
Henning Schreiber: Ja.
Hier finden Sie weitere Informationen zum Tandem-Mentoring-Projekt.
