Schon allein der Doktortitel erinnert Dr. Britt Dahmen an ihre Arbeit im Tandem-Mentoring-Projektteam in den Durchläufen 2003/2004 und 2007/2008. Sie schrieb ihre Doktorarbeit über die Wirksamkeit und Durchführung von Tandem-Mentoring-Projekte im Sport. Nun war sie zum ersten Mal auch Mentorin. Dr. Britt Dahmen begleitete Kirsten Stegemann, die während der Projektphase Mitglied des adh-Vorstandes für Chancengleichheit und Personalentwicklung geworden ist. Im Doppelinterview sprechen die beiden Frauen über ihre Erfahrungen im Projekt.
Was nehmt ihr von eurer Teilnahme am Projekt Tandem-Mentoring mit?
Kirsten Stegemann: Wenn ich eines in diesem Projekt gelernt habe, dann ist es nach Hilfe zu fragen und angebotene Hilfe auch anzunehmen - ein sehr wertvolles Gut.
Dr. Britt Dahmen: Ich nehme für mich selber mit, wie viel Spaß es macht, jemanden so eng zu erleben! Die gemeinsamen Ziele im Rahmen des Projektes waren wichtig. Aber der Weg von Kirsten mit all seinen neuen Abzweigungen und Rundschleifen war der wichtigere Teil des Projektes. Dafür haben wir uns viel Raum und Zeit genommen.
Wie sah eure Zusammenarbeit während des Projekts aus?
Kirsten Stegemann: Nach einem sehr persönlichen ersten Treffen waren die Grundsteine für eine aufrichtige und vertrauliche Zusammenarbeit gelegt. Wir skypten, telefonierten, simsten, mailten, whatsappten und trafen uns immer dann, wenn ich wieder einmal Britt’s Rat oder einfach ihr Ohr brauchte. Dabei war eine Tatsache besonders wertvoll und schön: Ob zehn Minuten oder zwei Stunden, wenn wir uns hörten, war Britt zu 150 Prozent für mich da.
Dr. Britt Dahmen: Wir haben einerseits immer wieder unsere Ziele und kleinen „Projekte“ besprochen, andererseits haben wir aber auch viel über die aktuellen Entwicklungen in der Abschlussphase ihres Studiums im Übergang sowie in der adh-Vorstandsarbeit reflektiert.
Welche Themen standen im Fokus eures Austauschs?
Kirsten Stegemann: Britt schmunzelt bestimmt bei der Beantwortung dieser Frage. Im Großen und Ganzen ging es um die Zeit nach der Beendigung meines Studiums – dieses sogenannte „Erwachsenwerden“. Bewerbe ich mich auf freiwerdende Stellen im Hochschulsport? Sollte ich in Lüneburg bleiben? Promoviere ich? Gefühlt war ich jede Woche von einer neuen Variante überzeugt.
Außerdem stand mir Britt bei jeder Frage hinsichtlich meiner Vorstands- sowie Gremienarbeit im adh zur Seite. Dabei setzten wir vor allem den Fokus auf die Schulung meines persönlichen Führungsstils, die Entwicklung von Präsentationsstrategien sowie die Erarbeitung meines Rollenverständnisses innerhalb der Gremienarbeit.
Dr. Britt Dahmen: Ich würde sagen, vor allem Kirsten‘s Entscheidungen, was nach dem Studium passieren soll. Ob sie promovieren möchte, welche Rolle der Hochschulsport spielen soll, welche weiteren Berufsfelder interessant sein könnten. Daneben haben wir natürlich auch die adh-Vorstandsarbeit und Gremienarbeit immer wieder im Blick gehabt. Immer wieder ging es um die Frage, welche Rolle Kirsten einnehmen möchte, was Führung für sie bedeutet, wie viel Verantwortung sie haben möchte, wie sie tatsächlich auch Führung im adh, zum Beispiel in der Ausschussarbeit einnehmen kann.
Haben sich deine Erwartungen an das Projekt Tandem-Mentoring erfüllt?
Kirsten Stegemann: Mit der Teilnahme an diesem Projekt wollte ich vor allem meinen persönlichen Führungsstil herausarbeiten und entwickeln. Bekommen habe ich stattdessen: Eine tolle Mentorin und großartige Wegbegleiterin (die mir hoffentlich immer erhalten bleibt), ein buntes Netzwerk, Vertraute und Freundinnen, offene Ohren und einige Wände, viele Möglichkeiten der Reflexion, die Chance, mit vielen Hilfestellungen und Erprobungsphasen meine Persönlichkeit herauszuarbeiten und meine Rolle im Verband zu klären sowie einen möglichen Führungsstil auszuloten...ob meine Erwartungen erfüllt wurden? Nein, denn sie wurden übertroffen.
Dr. Britt Dahmen: Ja, voll und ganz, vor allem im positiven Sinne.
Was macht aus deiner Sicht das Projekt Tandem-Mentoring aus?
Kirsten Stegemann: Der bunte Mix aus Qualifizierungsseminaren, Veranstaltungen mit und ohne unseren Mentorinnen und Mentoren, dem großen Netzwerktreffen auf der Halbinsel Schwanenwerder, Gesprächen mit unterschiedlichen Beteiligten während der Rückfahrten sowie die sorgfältige Zusammenstellung der Tandems und die großartige Betreuung durch das Projektteam.
Dr. Britt Dahmen: Für mich ist das Besondere am adh-Tandem-Mentoring-Projekt die enge Bindung an die anderen Tandems und das Projektteam über die gemeinsamen Treffen am Anfang, in der Mitte und am Ende. Das gibt einem das Gefühl, wirklich eingebunden und dem Projekt verpflichtet zu sein.
Das Tandem-Mentoring-Projekt hat die Zielsetzung, junge Frauen für Führungsaufgaben im organisierten Sport auszubilden. Welches Potential steckt im Projekt zur Förderung von Chancengleichheit?
Kirsten Stegemann: Da der Anteil von Frauen in Führungspositionen immer noch nicht zufriedenstellend beziehungsweise ausgewogen ist, denke ich, dass im Projekt großes Potential zur Förderung von Chancengleichheit steckt. Durch die Teilnahme werden die Mentees, aber auch die Mentorinnen und Mentoren für diese Thematik sensibilisiert und können diese in ihre jeweiligen Einrichtungen und Verbänden stärken beziehungsweise die Umsetzung vorantreiben. Dennoch ist zu erwähnen, dass allgemeine Strukturen verändert werden müssen, damit eine Chancengleichheit in Führungspositionen überhaupt hergestellt werden kann.
Dr. Britt Dahmen: Na ja, darüber habe ich ja sogar meine Doktorarbeit geschrieben! Ich denke, es steckt viel Potenzial darin, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind: Chancengleichheit muss im Projekt selbst ein Thema sein, damit es auch bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ankommt, reflektiert wird und bei diesen etwas verändert. Dazu gehören sowohl Mentees als auch Mentorinnen und Mentoren. Der Chancengleichheit kommen wir nur dann näher, wenn wir längerfristig Strukturen verändern. Mentoring-Programme sind sicherlich sehr gut darin, einzelne Frauen auf den Weg in Richtung Führung zu bringen und auch das ist wichtig. Aber noch wichtiger sind die Veränderung von unseren Denkmustern oder institutionellen Strukturen und Kulturen, damit sie offen für Vielfältigkeit sind!
Kannst du dir vorstellen, zukünftig selbst die Rolle der Mentorin (erneut) zu übernehmen?
Kirsten Stegemann: Auf alle Fälle.
Dr. Britt Dahmen: Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Gleichzeitig hoffe ich aber sehr, dass der Kontakt von Kirsten und mir ebenso erhalten bleibt.
Mehr zum Tandem-Mentoring-Projekt finden sie hier.
