Ihr Engagement begann Gyde Carstensen an der Uni Gießen. Als Sportreferentin lernte sie den Alltag im Hochschulsport kennen. Mittlerweile arbeitet Carstensen an der TU Braunschweig. Im Tandem-Mentoring-Projekt stand ihr Jörg Förster, Leiter des Hochschulsports an der Freien Universität Berlin und adh-Vorstandsmitglied, an der Seite. Im Doppelinterview blicken die Beiden zurück auf die vergangenen Monate.
Was nehmt ihr von eurer Teilnahme am Projekt Tandem-Mentoring mit?
Gyde Carstensen: Nach oben gibt es keine Grenzen, aber man sollte auch nichts überstürzen. Alles kommt zu seiner Zeit und man muss schauen, was einem aktuell wichtig ist.
Jörg Förster: Eine interessante Erfahrung in Bezug auf eine veränderte Rolle als Berater einer jungen talentierten Kollegin. Dies hat mir die Gelegenheit gegeben, mein Führungsverhalten in besonderer Weise zu reflektieren.
Wie sah eure Zusammenarbeit während des Projekts aus?
Jörg Förster: Gezielte Treffen, die unter einem Themenschwerpunkt standen und bei denen wir dann konzentriert genau daran gearbeitet haben. Zusätzlich hatten wir gelegentlichen Kontakt per Mail oder Telefon. Dies diente im Wesentlichen zur Terminabstimmung.
Welche Themen standen im Fokus eures Austauschs?
Gyde Carstensen: Wir haben in erster Linie mein Arbeitsfeld beleuchtet: Was sind meine Themenschwerpunkte? Wo sehe ich Stärken und Schwächen? Wo bedarf es vielleicht Verbesserungen, um sich weiterzuentwickeln? Auch das Thema Mitarbeiterführung wurde besprochen.
Haben sich deine Erwartungen an das Projekt Tandem-Mentoring erfüllt?
Gyde Carstensen: Ich wusste zu Beginn nicht direkt, was mich erwarten würde. Ich gehe aber mit einem guten Gefühl aus dem Tandem-Mentoring-Projekt. Ich habe mich in dem Jahr immer wieder mit mir selbst auseinander gesetzt, insbesondere in Vorbereitung auf und in den Gesprächen mit Jörg. So konnte ich mich aktiv mit meiner Zukunft und meinen Zielen beschäftigten.
Jörg Förster: Nicht ganz, da ich intensiveren Kontakt erwartet habe. Das ist aber vermutlich dem Umstand geschuldet, dass wir beide beruflich sehr eingespannt sind und daher vielleicht manchmal die Zeit für mehr und längere Begegnungen fehlte.
Was macht aus deiner Sicht das Projekt Tandem-Mentoring aus?
Gyde Carstensen: Das Tandem-Mentoring bietet die Gelegenheit, sich mit einem Mentor oder einer Mentorin auszutauschen und von seinem oder ihrem Erfahrungsschatz zu profitieren.
Jörg Förster: Das Projekt hat eine Beispielfunktion für die deutsche Sportlandschaft und ist eine besondere Gelegenheit, Personalentwicklung im Verband standortübergreifend umzusetzen.
Das Tandem-Mentoring-Projekt hat die Zielsetzung, junge Frauen für Führungsaufgaben im organisierten Sport auszubilden. Welches Potential steckt im Projekt zur Förderung von Chancengleichheit?
Gyde Carstensen: In Führungsaufgaben muss man hineinwachsen und sich selbst auf dem Weg dorthin in kleinen Schritten erproben. Dies gelingt durch gut gewählte Themen und Eigenreflexion beim Tandem-Mentoring-Projekt sehr gut. Aktuell werden nur junge Frauen durch das Tandem-Mentoring Projekt gefördert. Ich denke, dass auch junge Männer die Chance bekommen sollten, an dem Projekt teilzunehmen. Denn Führung ist eher eine Typ-, als eine Geschlechterfrage.
Jörg Förster: Provokant formuliert, derzeit zu wenig – denn es richtet sich nur an junge Frauen. Natürlich sehe ich ein, dass Frauen in Führungspositionen im Hochschulsport immer noch unterrepräsentiert sind. Dennoch glaube ich, dass es eine nächste Stufe im Projekt geben muss, wo beide Geschlechter gleichermaßen von dem Mentoring-Modell profitieren und durch den organisierten Austausch zwischen den Nachwuchskräften beiderlei Geschlechtes die gegenseitige Akzeptanz und Förderung in den Fokus genommen wird. Denn Führungskräfte haben im Beruf mit beiden Geschlechtern zu tun. Eine wesentliche Führungsaufgabe ist die individuelle Entwicklung und Führung von Personen beider Geschlechter.
Kannst du dir vorstellen, zukünftig selbst die Rolle der Mentorin/des Mentors (erneut) zu übernehmen?
Gyde Carstensen: Ich denke schon, dass ich in ein paar Jahren auch als Mentorin aktiv sein könnte, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
Jörg Förster: Ja, sehr gerne. Aber nicht gleich im nächsten Zyklus.
Mehr zum Tandem-Mentoring-Projekt finden sie hier.
