Wenn vom 03. bis zum 14. Juli 2015 das rund 200-köpfige deutsche Universiade-Team in Südkorea landet, gilt es für die Athletinnen und Athleten. In den entscheidenden Sekunden müssen die jungen Studierenden aus der Bundesrepublik nicht nur körperlich fit, sondern auch auf den Punkt fokussiert sein. „Die letzten Sekunden vor einem Start sind der Abschluss der unmittelbaren Wettkampfvorbereitungen. Die unmittelbare Vorbereitung kann man sich wie einen Trichter vorstellen: Zu Beginn ist die Aufmerksamkeit noch auf ‚weit‘ gestellt, und je näher ich dem Start komme, desto enger und konzentrierter stelle ich mich auf mein Rennen ein“, erklärt Universiade-Psychologe Klaus Egert. Die unmittelbar vor dem Start ablaufende Routine müsse dabei allerdings individuell gestaltet und immer wieder trainiert werden. Die Vergegenwärtigung der Automatismen müsse bereits im Vorfeld vorbereitet werden. „Aus meiner Sicht stehen das mentale Training – also das häufige gedankliche Durchführen eines Sachverhalts – sowie eine realistische Zielsetzung und die Regulation der Selbstgespräche ganz oben“, führt Egert aus. Deshalb helfe es, sich bereits in der Vorbereitung in die Drucksituation, die ebenso ein sportlicher Wettkampf wie auch eine Präsentation in der Uni sein kann, einzufühlen.
Wie wichtig die psychologische Komponente im modernen Leistungssport ist, weiß der Diplom-Psychologe aus seiner eigenen Praxis mit verschiedenen Nationalmannschaften sowie Einzelsportlerinnen und –sportlern zu gut: „Je näher ich mich der Weltspitze annähre, desto wichtiger wird der Kopf und das, was sich in ihm abspielt. Die Trainingsumfänge und -intensitäten sind in der Weltspitze oft vergleichbar, so dass es darauf ankommt, zu einem definierten Zeitpunkt meine persönliche Bestleistung abrufen zu können. Neben einem sauberen Tapering ist das die mentale Vorbereitung. Und je früher ich damit beginne, desto einfacher wird es für mich in der dünnen Luft der absoluten Höchstleistungen.“
So können Blackout-Situationen bereits im Vorhinein verhindert werden: „Psychische Blockaden können beispielsweise bis zur Bewegungsunfähigkeit und zum Verlust von eigentlich gekonnten Bewegungskombinationen und –mustern (Blackout) führen. Ziel des mentalen und psychologischen Trainings ist, dass diese Blockaden erst gar nicht entstehen.“
Damit es bei den jungen Sportlerinnen und Sportlern zu einer solchen Situation nicht kommt, ist Klaus Egert bereits zum wiederholten Male bei der Universiade dabei. Und wer weiß, vielleicht wird er am Ende für das deutsche Team zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
