25.07.2011 | Kategorie: Tagung , Bildung , 2011

Spitzensport und ein Studium à la carte in Münster

Ein sechsköpfiges Podium hatte sich zusammengefunden, um zu diskutieren, wie die Bedingungen für Spitzensportler in Münster verbessert werden können, damit der Spitzensport und das Studium besser unter einem Hut gebracht werden können.

Heiße Diskussion beim "1. Münsteraner Spitzensport-Forum" von Hochschulsport und Stadt Münster

"Spitzensportler brauchen kein Studium light, sondern ein Studium à la carte", betonte der Spitzensportbeauftragte der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), Prof. Dr. Bernd Strauß, am Dienstagabend beim " 1. Münsteraner Spitzensportforum" im münsterschen Rathaus. Ein sechsköpfiges Podium hatte sich zusammengefunden, um zu diskutieren, wie die Bedingungen für Spitzensportler in Münster verbessert werden können. Der Hochschulsport Münster und die Stadt Münster hatten die Idee zu dieser Veranstaltung, die zukünftig öfter stattfinden soll.

"Studium à la carte" bedeutet, dass die Universität die Anforderungen flexibilisiert und auf die Spitzensportler und Spitzensportlerinnen zuschneidet. Oft hätten Studierende, die zu ihm kämen Probleme, weil Prüfungen und Wettkämpfe kollidieren, erklärte Bernd Strauß. Trotzdem wünschten sie sich eine duale Karriere mit Sport und Ausbildung, damit ihre Zukunft auch gesichert ist, falls es mit dem Sport nichts werden sollte. Der Spitzensportbeauftragte sprach auch Lob aus: "Es tut sich was." Dabei wies er darauf hin, dass die WWU eine "Partnerhochschule des Spitzensports" ist. Durch diese Kooperationsvereinbarung mit dem adh sollen Spitzensportler gefördert werden.

Doch nicht alle im Podium sahen die Lage Münsters für den Spitzensport so positiv. "Schule und Spitzensport sind konkurrierende Systeme", erklärte der Bundestrainer des Deutschen Basketballbundes, Dirk Bauermann. "Die Jungs wollen spielen, die haben keinen Bock auf Schule", betonte er. Dr. Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, lobte den älteren Nachwuchs des Spitzensports, die Studierenden. "Diese Leute haben Biss. Aber sie machen es freiwillig, und es ist auch ein Gewinn für sie und für die Stadt." Die Prorektorin für Lehre, Studienreform und studentische Angelegenheiten der Universität Münster, Dr. Marianne Ravenstein, stimmte dem zu: "Ich sehe oft Studierende, die beides super meistern, aber es ist doch auch nicht schlimm, wenn diese Studierenden länger brauchen für ihr Studium und nicht überall eine Eins bekommen", betonte sie.

Eine Spitzensportlerin und ein Spitzensportler waren zu Gast und erzählten aus ihrer täglichen Praxis als Spitzensportler und Student: "Ich habe immer einen Ansprechpartner gefunden, der mir helfen konnte. Und meine Kommilitonen haben mir die Daumen gedrückt und mir auch mal ihre Mitschrift ausgeliehen", erzählte Ines Bathen, Profi-Volleyballerin beim Bundesligisten USC Münster. "Ich habe mein Studium nicht in der Regelstudienzeit geschafft, und ein 12- bis 14-Stunden-Tag war unvermeidbar. Man braucht eben einen besonderen Ehrgeiz und eine große Belastbarkeit", berichtete Marcel Goelden, der zugleich Sportschütze und Doktorand ist und sowohl bei den Studierendenweltmeisterschaften als auch bei der Universiade erfolgreich war.

Am Schluss der Veranstaltung forderte WDR-Moderator Matthias Bongard alle Gäste auf, gedanklich eine Postkarte zu schreiben mit Verbesserungswünschen für den Spitzensport in Münster. "Ich schreibe dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb, dass er die Sportstätten für die Sportler und Studenten sanieren soll", meinte Prorektorin Marianne Ravenstein und erntete damit viel Applaus. "Ich schreibe an die Unternehmen, dass sie nicht nur Kooperationen mit Großvereinen eingehen, sondern auch besondere Verträge für Spitzensportler in Münster anbieten", erklärte Werner Stürmann vom nordrhein-westfälischen Sport- und Familien-Ministerium.