18.07.2011 | Kategorie: 2011 , Studis , Wir , PdSp

Podiumsdiskussion der Uni Heidelberg

Für studierende Spitzensportler müssen immer individuelle Lösungswege gefunden werden, die gleichzeitig Erfolg im Sport und im Studium ermöglichen. Ein „Studium light“ ist keine solche Lösung.

Diese Erkenntnis ist das Fazit der Podiumsdiskussion zur Spitzenförderung, die ein hochkarätiger Teilnehmerkreis am Institut für Sport und Sportwissenschaft (ISSW) der Universität Heidelberg führte.

Individuelle Lösungen für studierende Spitzensportler

Im Rahmen des Festprogramms zum 625-jährigen Bestehen der Ruperto Carola diskutierten Experten aus Sport und Wissenschaft die Vereinbarkeit von Studium und leistungssportlichem Engagement. „Die Teilnahmeverpflichtungen an Lehrveranstaltungen kollidieren mit Wettkampf und Training. Die Sportler wünschen sich dabei mehr Flexibilität, wollen aber nichts geschenkt“, so beschrieb Bernhard Peters, Direktor Sport- und Leistungsförderung der TSG 1899 Hoffenheim und frühere Hockey-Bundestrainer, die Situation. „Spitzensportler sind fast immer auch gute Studenten und tragen zum positiven Image der Universität bei. Zur Individualisierung des Studiums von Spitzesportlern sagen wir ja, aber nicht zum Rückfahren der Anforderungen an die Ergebnisse“, sagte Prof. Dr. Jochen Tröger, Seniorprofessor und Rektoratsbeauftragter für das Universitätsjubiläum.

 

Sportler tun einer Universität gut

Zur Imageverbesserung durch erfolgreiche Sportler stellte Dr. h.c. Manfred Lautenschläger, MLP-Gründer und Ehrensenator der Universität Heidelberg, fest: „Gute Sportler tun einer Universität gut, gute Sportler tun einer Nation gut. Aber es darf kein Studium light geben, wie in den USA, wo es nur darum geht, wie schnell einer laufen kann – egal was er im Kopf hat.“ Die gesamtgesellschaftliche Perspektive betont Prof. Hanns Michael Hölz, der Aufsichtsratsvorsitzende der Nationalen Anti Doping Agentur: „Sportorganisationen und Spitzensportler übernehmen eine Brückenfunktion zwischen Universität und Gesellschaft.“ Weitere Podiumsteilnehmer waren Dieter Schmidt-Volkmar, der Präsident des Landessportverbandes Baden-Württemberg, und Olaf Tabor, der Generalsekretär des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes. Zudem haben Petra Dallmann, Gold- und Bronzemedaillegewinnerin bei der Universiade 2005 sowie mehrfache Medaillengewinnerin bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen im Schwimmen, und Fanny Rinne, Hockey-Goldmedaillengewinnerin in Athen 2004, aus der Praxis ihres Studiums an der Universität Heidelberg berichtet, das beide parallel zu den sportlichen Erfolgen mit überdurchschnittlichen Leistungen abgeschlossen haben.

Talente halten und gewinnen

Die Podiumsdiskussion war eingebettet in die Jahrestagung des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (adh) zum Thema „Spitzensportförderung an Hochschulen“. Mehr als 90 deutsche Hochschulen beteiligen sich derzeit am Projekt „Partnerhochschule des Spitzensports“, das der adh 1999 mit verschiedenen Partnern initiierte. Die Sportregion Rhein-Neckar nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein. In ihrem beispielhaften Projekt „Spitzensport und Studium“ kooperieren seit 2007 die wichtigsten Hochschuleinrichtungen der Region mit dem OSP Rhein-Neckar und dem adh. Sie sehen sich in der gesellschaftlichen Verantwortung, studierenden Spitzensportlern bei dem schwierigen Spagat zwischen dem sportlichen Engagement und einer erfolgreichen Berufsausbildung zu helfen. „Wir möchten einerseits unseren Talenten in der Region optimale Studienbedingungen bieten. Andererseits hoffen wir, dass die Metropolregion durch die Kooperationsvereinbarung zu so etwas wie einem Magneten für studierende Leistungssportler aus ganz Deutschland wird. Davon können auch die regionalen Sportvereine profitieren“, sagt Prof. Dr. Klaus Roth vom ISSW der Universität Heidelberg, der als Projektpate der Sportregion fungiert.

Internationale Chancengleichheit

Die duale Karriereplanung ist zu einem zentralen Arbeitsfeld der Leistungssportförderung geworden. In diesem Zusammenhang spielt das Bildungsumfeld Hochschule eine besondere Rolle. Bei den Sommerspielen 2008 in Peking bildeten die Studierenden die größte Athletengruppe innerhalb der deutschen Olympiamannschaft. Das Projekt „Partnerhochschule des Spitzensports“ ist vor diesem Hintergrund auch als ein Schritt hin zur internationalen Chancengleichheit zu sehen. Vereinbarungen dieser Art sind an vielen ausländischen Einrichtungen – besonders in den USA – seit langem eine Selbstverständlichkeit. In Deutschland ist die Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport schwieriger, aber dank verschiedenster Fördermöglichkeiten wie dem Projekt „Partnerhochschule des Spitzensports“ mittlerweile dennoch möglich.

Kein „Studium light“

Zentrales Ziel des Projekts „Partnerhochschulen des Spitzensports“ ist es, die Studien- und Prüfungspläne der Sportlerinnen und Sportler dahingehend zu flexibilisieren, dass die angestrebten Abschlüsse in einem angemessenen Zeitrahmen erreicht werden können. Der Vertrag schließt zudem vielfältige Betreuungs- und Beratungsleistungen im Vorfeld und während des Studiums mit ein. Mit dem Förderabkommen ist aber in keiner Weise eine Bevorzugung der Athletinnen und Athleten im Sinne eines „Studiums light“ verbunden. Es soll vielmehr ein Nachteilsausgleich geschaffen werden, um die Studierenden trotz fest vorgegebener Wettkampfkalender dabei zu unterstützen, dass sich der „Start für Deutschland“ mit der erforderlichen Grundsteinlegung für spätere berufliche Tätigkeiten vereinbaren lässt.