20.07.2011 | Kategorie: 2011 , Bildung , Tagung

Arbeitstagung: Spitzensportförderung an Hochschulen

Am 7. und 8. Juli fand an der Uni Heidelberg die diesjährige Arbeitstagung „Spitzensportförderung an Hochschulen“ statt, bei der im Zentrum das Thema Duale Karriereförderung stand.

Am 07./08. Juli 2011 begrüßte der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (adh) an der Universität Heidelberg in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sport- und Sportwissenschaft rund 35 Teilnehmende zur diesjährigen Arbeitstagung „Spitzensportförderung an Hochschulen“. Die Arbeitstagung richtete sich an die Projektverantwortlichen der inzwischen über 91 Partnerhochschulen des Spitzensports, die Laufbahnberater der Olympiastützpunkte sowie Vertreter von Sportfachverbänden und Studentenwerken.

Die Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport stellt nach wie vor eine Herausforderung dar und es gilt an der Optimierung der Mechanismen zu arbeiten, die einen Beitrag zur Harmonisierung der akademischen und sportlichen Anforderungen gewährleisten. Im Mittelpunkt der Arbeitstagung stand deshalb die Auseinandersetzung mit aktuellen und künftigen Entwicklungsperspektiven der Dualen Karriereförderung.

Künftige Bedeutung der Hochschulen im Spitzensport
Im Eröffnungsvortrag „Spitzensportförderung im Bereich der Hochschule“ beleuchtete Prof. Hanns Michael Hölz, Aufsichtsratsvorsitzender der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA), die Bedeutung der Hochschulen im künftigen Spitzensport. Er betonte dabei die besondere Bedeutung einer transparenten Vernetzung der Systeme Bildung und Sport für eine erfolgreiche Duale Karriereförderung. Die Unterstützung studierender Spitzensportler durch die Hochschulen müsse über ein reines Willensbekenntnis hinausgehen und mehr Verbindlichkeit erlangen. Gleichzeitig müsse aber auch der Sport den Themenbereich Hochschule als fest installierte Diskussion etablieren und sich inhaltlich stärker mit den Strukturen des Bildungssystems auseinandersetzen, um einen Interessensausgleich erzielen zu können.

Ausblick auf kommende Spitzensportveranstaltungen
Silvia Vida, Referentin Förderung der Stiftung Deutsche Sporthilfe, stellte anschließend die Maßnahmen zur Dualen Karriereförderung der Sporthilfe dar. Neben den allgemeinen Förderkonzepten stellte sie spezifische Unterstützungsmaßnahmen der Sporthilfe für Studierende vor und informierte umfassend über die Förderkonzepte für London 2012 und Rio de Janeiro 2016.

Nachfolgend präsentierte adh-Sportdirektor Thorsten Hütsch den Vorbereitungsstand der Sommer-Universiade 2011, die vom 12. bis 23. August im chinesischen Shenzhen stattfinden wird. Aufgrund der hohen Zahl an Nachwuchssportlern in der deutschen Delegation steht in sportlicher Hinsicht eine Orientierung der Erwartungen am individuellen Leistungsvermögen der Aktiven im Vordergrund. Als Zielevent der Nachwuchsförderung stehen persönliche Bestleistungen und die Heranführung der nächsten Athletengeneration an die Weltspitze im Vordergrund. Auch wenn Medaillenplatzierungen wünschenswert sind, wird sich die Erfolgsbilanz der Gesamtmannschaft an der Anzahl an Finalplatzierungen festmachen lassen.

Expertengespräch „Studium und Spitzensport in der Metropolregion Rhein-Neckar“
Den Abschluss des ersten Tages bildete das Expertengespräch „Studium und Spitzensport in der Metropolregion Rhein-Neckar“. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion moderiert von Michael Antwerpes (SWR) sprachen Prof. Dr. Jochen Tröger (Universität Heidelberg), Prof. Hanns Michael Hölz (NADA), MLP-Gründer Dr. h.c. Manfred Lautenschläger, Bernhard Peters (TSG 1899 Hoffenheim) sowie adh-Generalsekretär Olaf Tabor und der Präsident des Landessportverband Baden-Württemberg Dieter Schmidt-Volkmar über die Vereinbarkeit von Studium und leistungssportlichem Engagement).

Gesetzliche Rahmenbedingungen schaffen
Am Freitagvormittag beschäftigten sich die Teilnehmenden zunächst mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen der akademischen Spitzensportförderung. In einer gemeinsamen Erklärung der Sportministerkonferenz, der Kultusministerkonferenz, der Hochschulrektorenkonferenz und des Deutschen Olympischen Sportbundes wurde 2008 den Spitzensport fördernden Hochschulen empfohlen, einen Teil der zu vergebenden Studienplätze für Spitzensportler vorzubehalten. In den meisten Bundesländern ist die Einführung einer solchen „Profilquote“ bislang aber aufgrund der bestehenden Landesgesetze (noch) nicht möglich, was den studierenden Athleten den Hochschulzugang an den von ihnen bevorzugten Standorten erschwert. Achtungserfolge konnten bislang in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg erzielt werden, die seit 2008 bzw. 2010 über entsprechende Regelungen in den Landeshochschulgesetzen verfügen. Diese ermächtigen die Hochschulen, durch Integration eines entsprechenden Passus in ihrer Satzung den Hochschulzugang für Spitzensportler zu erleichtern.

Best Practice-Beispiele geben Anregungen
Anhand von Best Practice-Beispielen wurden anschließend verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten zur besseren Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport vorgestellt. So unterstützt die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ihre derzeit 21 Kaderathleten durch eine flexible individuelle Betreuung. Darüber hinaus erhalten zwei Studierende pro Jahr mit Hilfe eines Spitzensportstipendiums auch finanzielle Unterstützung.

Die TU Berlin präsentierte sich als Teil eines Verbundsystems, das acht Berliner Hochschulen zusammen mit dem dortigen Olympiastützpunkt organisieren. Mit dem Pilotprojekt zum Übergangsmanagement „Eliteschulen des Sports – Hochschulen“ nimmt die Bundeshauptstadt eine Vorreiterrolle ein: Den Eliteschülern soll der nahtlose Übergang von der betreuten Schullaufbahn in eine akademische Ausbildung erleichtert werden, eine gesicherte Studienfachwahl zur Prävention von Studienabbrüchen dienen und Voraussetzungen für den späteren erfolgreichen Übergang in das Berufsleben geschaffen werden.

An der Universität Mannheim wird mit Hilfe des „Mannheimer Sportstipendiums“ ein für Kadersportler reserviertes Kontingent an Studienplätzen in den Bachelor-Studiengängen bereitgestellt. Neben der finanziellen Unterstützung für mindestens drei Semester erhalten die derzeit 22 Stipendiaten eine umfassende organisatorische Unterstützung, wie z.B. Studienberatungen zu Beginn des Studiums sowie die Überprüfung bzw. der Abgleich der Studienplanung nach Ende jedes Semesters unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Trainings- und Wettkampfplanung.

Flexibilität und funktionierende Netzwerke von großer Bedeutung
In der abschließenden Diskussion waren sich alle Teilnehmenden einig, dass neben der Flexibilisierung des Studienablaufs für studierende Spitzenathleten vor allem die Sicherung der Akzeptanz sowohl bei den Hochschulleitungen als auch in den Fakultäten, Instituten und Verwaltungen sowie die strukturelle Verankerung in den Hochschulen von großer Bedeutung für eine erfolgreiche Betreuung der Sportler ist.

Neben der hochschulinternen Überzeugungs- und Netzwerkarbeit muss aber auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern gestärkt werden: Die gezielte Einbindung und der regelmäßige Austausch mit den Olympiastützpunkten sowie den Spitzen- und Landesfachverbände ist ein weiterer elementarer Baustein für den Ausbau der Dualen Karriereförderung zum Wohl der Athleten.

Nicht nur angesichts der vorgestellten Best-Practice-Modelle, die anschaulich zeigten, wie Spitzensportförderung durch die Hochschulen und Unis umgesetzt und gelebt werden kann, fiel das abschließende Resümee des adh-Vorstandsvorsitzenden Nico Sperle äußerst positiv aus. Sein außerordentlicher Dank galt all den Hochschulen, die hervorragende Leistungen in der Förderung von Spitzensportlern erbringen. Darüber hinaus gelte es den Dialog zwischen dem Sport und den Hochschulen fortzusetzen. Zum einen müsse der Sport lernen, das Engagement der Universitäten in der Spitzensportförderung anzuerkennen, während die Hochschulsporteinrichtungen die Aufgabe hätten, als Sachverständige an den Universitäten den Sport für das Bildungssystem verständlicher zu machen.