Anton Boeckel im Einsatz © DCadA

26.08.2021 | Kategorie: 2021 , Aus den Hochschulen , PdSp

Anton Boeckel über die Duale Karriere und das Pendeln zwischen Hockeyschläger und Hörsaal: „Aufgeben war noch nie eine Option für mich!“

Bald beginnt für die Hockeyspieler des Club an der Alster die wahrscheinlich unangenehmste Phase des Jahres: Die Vorbereitung auf die neue Saison in der 1. Bundesliga. Was für viele Sportlerinnen und Sportler anstrengend genug ist, ist für Anton Boeckel eigentlich noch „ganz entspannt“. Denn für einen der besten deutschen Hockeyspieler beginnt die stressige Phase erst, wenn auch das Semester wieder begonnen hat. Dann pendelt der 26-jährige Mittelfeldspieler zwischen Hockeyschläger und Hörsaal.

Auf der wunderschönen Terrasse des Clubhauses im Hamburger Stadtteil Rothenbaum hat Anton Boeckel mit University of Europe for Applied Sciences über seine sportlichen Ziele, die Vereinbarkeit von Leistungssport und Studium und über Tipps für andere Leistungssportlerinnen und -sportler gesprochen.

Anton, schön, dass Du Zeit für uns gefunden hast. Dein Tag ist sicherlich gut gefüllt. Schließlich bringst Du Leistungssport und Studium unter einen Hut – wie machst Du das?

Das hat in der Vergangenheit etwas variiert. Als ich noch in der Nationalmannschaft gespielt habe, war es etwas schwerer, beide Sachen zu vereinen. Viele Trainingseinheiten unter der Woche, die ganzen Lehrgänge, die unregelmäßig dazu kamen. Das hat es mir nicht gerade leicht gemacht machten den nötigen Fokus auf das Studium zu lenken. Das ist mir bei meinem ersten Studium ein bisschen zum Verhängnis geworden. Aber aufgeben war noch nie eine Option für mich. Deshalb habe ich einen zweiten Anlauf gestartet und mich an der University of Europe for Applied Sciences eingeschrieben.

Was studierst Du denn und wieso hast Du Dich gerade für die University of Europe for Applied Sciences entschieden?

Ich studiere Wirtschaftspsychologie. In meinem ersten Studiengang habe ich BWL studiert und fand einige Facetten dieses Studiums sehr interessant und wichtig. Als ich mich umorientieren wollte kam das Thema Psychologie für mich ins Spiel. Durch meine Erfahrungen im Leistungssport habe ich mich zwangsläufig immer mehr mit meinem eigenen psychologischen Zustand und dem von meinen Mitstreitern befasst. Es war für mich beeindruckend zu erkennen, wodurch das Miteinander von Individuen in verschiedenen Gruppen positiv oder negativ beeinflusst wird. Als ich mich dann informiert habe und erfahren habe, wie an der UE gelehrt wird und dass ich dort Wirtschaft mit Psychologie in einem Studiengang verbinden kann, brauchte ich nicht mehr lange zu überlegen.

Welche Themen sind in dem Studium für Dich am interessantesten?

Es ging direkt im ersten Semester damit los, als wir eingestiegen sind in das Modul „allgemeine Psychologie“. Meine laienhaften Eindrücke und Erfahrungen vom Erleben und Verhalten von Menschen, die ich aus meinen Erfahrungen im Leistungssport gesammelt hatte, wurden teilweise über den Haufen geworfen. Ich hatte keine Ahnung davon, wie weitreichend und bedeutend manche psychologische Prinzipien und Muster im Alltag von uns Menschen sind.

Was im Profifußball die absolute Ausnahme ist, scheint bei Euch Hockeyspielern die Regel zu sein: Neben dem Leistungssport noch eine berufliche Ausbildung machen.  Wieso hast Du Dich entschieden, zu studieren?

Das war für mich keine schwierige Entscheidung. Es ist beim Hockey so, dass es die Bezahlung eines Bundesligaspielers nicht hergibt, davon zu leben, geschweige denn sich seine Zukunft zu finanzieren. Leider ist unser Sport weiterhin eine Randsportart, die jedoch vom Aufwand dem eines Fußballprofis recht nahekommt. Also müssen wir Hockeyspieler uns alle anderweitig ausbilden, um für unsere Zukunft zu sorgen. Für mich lag in diesem Fall ein Studium am nächsten. Andere haben sich auch für eine Ausbildung in einem Betrieb entschieden.

Wie muss man sich denn Deinen Studienalltag vorstellen?

Der ist ziemlich normal. Klar verpasse ich durch mein Hockeytraining mal die eine oder andere Vorlesung. Aber die Nähe zu meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen sowie das Lernen in kleinen Gruppen hilft mir dabei, die Inhalte schnell aufzuholen und nicht hinterherzuhinken.

Die Hauptsache ist aber, dass mit das Studium an der UE großen Spaß macht. Dadurch kann ich mich in der mir zur Verfügung stehenden Zeit optimal auf meine studentischen Aufgaben konzentrieren.

Das hört sich nicht gerade nach klassischem Studentenleben an.

Also wenn man davon ausgeht, dass das klassische Studentenleben so abläuft, dass man sich in der Woche in den Vorlesungen das Wochenende „verdient“, an dem man abschalten und mal ein draufmachen kann, dann habe ich kein klassisches Studentenleben. Unsere Hockeysaison findet häufig parallel zur „Unisaison“, also zur Vorlesungs- und Klausurenzeit statt. Das bedeutet, dass ich genau da mit der Mannschaft auch viel unterwegs bin – Vorbereitungsreisen, Trainingslager, Auswärtsspiele etc.

Ich möchte aber hier nicht behaupten, dass wir mit der Mannschaft nicht auch zur Genüge Spaß haben. Wenn wir nicht gerade auf dem Platz stehen, machen wir auch Dinge, die andere Studenten auch machen würden. Und wenn dann nicht die Klausurenphase in die Off-Season fällt, hat man auch mal etwas Zeit, um abzuschalten.

Was sind denn die größten Herausforderungen?

Mit Abstand die größten Herausforderungen waren die Klausuren, die dann anstanden, wenn wichtige Saisonphasen oder sogar Meisterschaftsspiele ausgetragen wurden. In solchen Zeiten gibt es Stress, der durch vermehrtes Training entsteht und den Wettkampfdruck, der dann automatisch noch etwas mehr verspürt wird. Für mich wurde es dann immer etwas schwieriger meine Gedanken auf mein Studium zu lenken.

Hat Dir Dein Ehrgeiz als Leistungssportler dabei geholfen, diese Herausforderungen besser zu meistern?

Nicht unbedingt. Durch diesen Ehrgeiz war es in der Vergangenheit nicht immer leicht, mit negativen Ergebnissen im Studium umzugehen. Die Frustrationstoleranz ist nicht immer allzu hoch und man fühlt sich, nach nicht zur Zufriedenheit erbrachten Leistungen, dann wahrscheinlich schlechter als so manch anderer. Aber ich arbeite daran (lacht).

Werfen wir mal einen Blick in die Zukunft: Weißt Du schon, was Du am Ende mit Deinem Studium anfangen möchtest?

Am liebsten würde ich dem Sportbusiness treu bleiben und hierbei in eine Rolle schlüpfen, in der ich operativ tätig bin und die Geschicke eines Sportteams, Vereins oder sonstigem beeinflussen kann

Aufgrund meiner großen Leidenschaft, die ich neben meiner aktiven Hockeyzeit dem Fußball widme, hoffe ich, dass ich dort meine berufliche Karriere starten kann. Ich bin davon überzeugt, dass mein Studium an der UE mir die optimalen Grundlagen an die Hand gibt, um dieses Ziel zu erreichen.

Was würdest Du Leistungssportlerinnen und -sportlern nach ihrem Abitur raten. Würdest Du ihnen Deinen Weg empfehlen?

Das wird jetzt nicht groß überraschen, aber es ist schon etwas, wovon ich sehr überzeugt bin: Mir hilft es jetzt enorm, dass ich etwas lerne, was ich interessant finde und worauf ich Lust habe. Es ist deutlich einfacher, sich hinzusetzen und seine Sachen zu erledigen, wenn man dafür eine gewisse intrinsische Motivation hat. Deshalb würde ich immer dazu raten, dass man sich genau „analysiert“ und sich fragt, worin man eigentlich am besten ist und was einem am meisten Spaß macht. Wenn man diese Richtung findet, sollte es meiner Meinung nach für jeden leichter sein, seine Ziele zu erreichen.

Stichwort „Ziele“: Was sind Deine nächsten sportlichen Ziele?

Da ich mit der Nationalmannschaft nicht mit auf den Tokio-Zug aufspringen konnte, konzentrieren sich meine sportlichen Ziele im Moment voll auf die Mannschaftsziele mit dem Club an der Alster. Wir wollen ab der kommenden Saison wieder mit den Top-Mannschaften um den Titel mitspielen, was wir in den letzten Jahren leider nicht geschafft haben. Dafür gilt es, einiges an harter Arbeit aufzuwenden und direkt ab dem Start der Saison Vollgas zu geben und nicht wie in den letzten Jahren erst am Ende in Fahrt zu kommen.

Vielen Dank für das Gespräch, Anton. Und viel Erfolg für Deine Zukunft.

 

Das Gespräch führte Thomas Scheffler von der University of Europe for Applied Sciences.