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27.04.2020 | Kategorie: Gesundheit , Gesundheit

Wohlbefinden in Zeiten der Krise

Eine Studie untersucht den Stellenwert von Bewegung und Sport in Krisenzeiten und sucht noch Teilnehmende.

„Sich zu bewegen, ist nicht nur gut für den Körper, sondern auch für die Seele“, sagt Professor Ralf Brand von der Universität Potsdam. Der Sportpsychologe hat eine weltweite Studie initiiert, die zu dem Ergebnis kommt, dass Menschen, die sich vor der Corona-Krise regelmäßig zwei- bis dreimal pro Woche bewegt und Sport getrieben haben, derzeit eher mehr trainieren. Und diejenigen die nicht oder nur unregelmäßig körperlich aktiv waren, sich jetzt noch weniger bewegen. Bisher nehmen etwa 6300 Probanden in 52 Ländern teil.

Brand hat in kürzester Zeit Sportwissenschaftlerinnen und Sportwissenschaftler aus aller Welt für die Studie gewinnen können. Im Fokus des internationalen Forscherteams steht das allgemeine Wohlbefinden im Alltag gerade in Zeiten der Krise. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen verstehen, ob und unter welchen Voraussetzungen Bewegung und Sport dazu beitragen, dass Menschen von sich sagen können: „Derzeit geht’s mir gut, ich fühle mich wohl.“

Zu den wichtigsten Fragestellungen gehört, weshalb es manchen Menschen leichtfällt, ihrer Gesundheit zuliebe regelmäßig körperlich aktiv zu sein, und anderen nicht. „Bei den körperlich Aktiven messen wir aktuell ein positiveres Wohlbefinden als bei denen, die nicht oder unregelmäßig Sport treiben“, erläutert der Sportpsychologe.

Die internationale Studie betrachtet Sport und Bewegung im weiteren Sinne. Beispielsweise den Spaziergang, den Lauf im Freien oder das Hanteltraining zu Hause – Aktivitäten, die Menschen jetzt bewusst einplanen, um sich zumindest ein klein wenig zu bewegen oder eben Sport zu treiben. Die Daten zur Veränderung des Sport- und Bewegungsverhaltens werden mit den Auswirkungen auf das Wohlbefinden in Beziehung gesetzt.

„Die derzeit global politisch verordneten Veränderungen im Leben der Menschen bieten eine Forschungssituation, die wir im Labor so nie hätten herstellen können. Das ist eine große Chance, gerade auch für uns in den Verhaltenswissenschaften“, sagt Brand. In der aktuellen sozial-/verhaltenswissenschaftlichen Untersuchung machen sich die Forscherinnen und Forscher Befragungsmethoden zunutze, mit denen sie sich ein Bild vom Denken und Fühlen der Menschen im Alltag machen können. Momentan sind die Datenauswertungen noch tagesaktuell. Nach Abschluss der ersten Untersuchungswelle folgen komplexere statistische Analysen und Modellierungen. Wenn sich die Corona-Krise abgeschwächt hat, soll es eine zweite Welle mit denselben Personen geben.

Es werden immer noch Teilnehmende in Deutschland gesucht. Brand und sein Team wollen Aussagen über die unterschiedlichen Lagen in den einzelnen Bundesländern treffen. Die etwa zehnminütige Online-Befragung ist in zwölf Sprachen verfügbar und lässt sich auch auf Mobilgeräten gut darstellen.     

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(Quelle: DOSB-Presse, Ausgabe 17/mx)