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Kategorie: Bildung, Tagung

adh-Perspektivtagung im Zeichen des eSports

12.06.2018

In den Räumen des Harnack-Hauses der Max-Planck-Gesellschaft fand am 6. und 7. Juni die Perspektivtagung 2018 an der FU Berlin statt. Im Fokus stand dabei eine hochaktuelle Fragestellung: „eSport – Ein Thema im Hochschulsport?!“. Diese lockte über 150 Teilnehmende nach Berlin Dahlem und sorgte für einen Teilnahmerekord bei der zentralen Bildungsveranstaltung des adh, die voller Innovationen steckte.

Neben der Nutzung einer Veranstaltungsapp wurden Teile der Tagung über verschiedene Plattformen gestreamt, um live Feedback und Rückfragen aufzunehmen und in die Diskussionen einfließen zu lassen. Ein abwechslungsreiches und inspirierendes Programm - mit einem eSport-Showturnier zweier Hochschulteams, verschiedenen Impulsen, einer Podiumsdiskussion, Beispielen guter Praxis, einem Barcamp sowie dem tollen Rahmen des Hochschulsportteams der Freien Universität Berlin ließen die Teilnehmenden positiv auf die Veranstaltung zurückblicken.   

eSport – Ein Thema im (Hochschul-)Sport?

Nach der offiziellen Eröffnung und Begrüßung durch adh-Vorstandsvorsitzenden Jörg Förster (Uni Hamburg), erläuterte der Leiter des Hochschulsports der FU Berlin, Christian Mundhenk innerhalb seiner Begrüßung die Nutzungsmöglichkeiten der Veranstaltungsapp ConnexMe, die innerhalb der zwei Veranstaltungstage interaktiv genutzt wurde und einen Mehrwert für die Veranstaltung darstellte. So spielte die App dem Moderator Moritz Belmann (HS Darmstadt) immer wieder spannende Rückfragen und Anregungen aus dem Plenum zu, die er gezielt aufgreifen konnte.

Den ersten Impuls zur Tagung setzte Hans Jagnow, Präsident des eSport-Bunds Deutschland (ESBD). Jagnow erläuterte zunächst was eSport ist, um anschließend Fakten, Zahlen und die derzeitige Struktur des ESBD darzustellen. Deutlich wurde dabei die Dynamik und Bedeutsamkeit des Breitensports. Auch die Ziele und Herausforderungen des im November 2017 gegründeten Verbands stellte der Präsident des ESBD dar. Neben der Anerkennung des eSport als eigenständige Sportart unter verbandlicher Autonomie wurde hierzu die Steigerung der Bedeutung des eSports in Deutschland und dessen Demokratisierung genannt.

eSport im Hochschulbereich

Abschließend gab Jagnow eine Einschätzung zum eSport im Hochschulbereich. Bereits jetzt sei dieser einer der größten eSport-Organisationsbereiche in Deutschland mit eigener Ligenstruktur und Turniere (z.B. UEG).   Hochschulen seien attraktiv für eSport da Breitbandanbindungen über Hochschulnetze möglich seien, begeisterte eSport-Spieler in flexibler Lebenslage an den Hochschulen studieren und die Identifikation mit der Hochschule möglich sei. Gleichzeitig sei eSport attraktiv für Hochschulen, da die Hochschulmarke gestärkt und sichtbar gemacht werden könne, eSport Studierende zusammenbringe (Public Viewing) sowie internationale Vernetzung der Studierenden stattfände.

eSport – eine sportwissenschaftliche Analyse

Prof. Dr. Thomas Borchert (Uni Leipzig) begann seine Analyse aus sportwissenschaftlicher Perspektive mit einem Überblick zu aktuellen Zahlen. 6,5 Millionen der 12- bis 19-Jährigen (44%) spielten Computer oder Konsole online (JIM-Studie, 2017). Computerspielen sei als (jugend-)kulturelles Phänomen in der zunehmend digital agierenden Gesellschaft angekommen. Dementsprechend sei eSport als wissenschaftlicher Forschungsgegenstand von zunehmender Bedeutung.

Borchert nahm eine theoretisch-systematische Betrachtung vor, in der deutlich wurde, dass „eSports als Indikator für die Entsportlichung des Sports und die Versportlichung der Gesellschaft“ dienen könne. Gleichzeitig sei der (e-)Sport und seine Einrichtungen Teile und Spiegelbild der Gesellschaft und ihrer Entwicklungen. In seiner komparativen Betrachtung stellte er den Diskussionsstand des Bundestages (9. Juni 2017) mit verschiedenen Pro- und Contra-Argumenten hinsichtlich der Anerkennung als eigene Sportart dar, die in der Zwischenzeit durch den Koalitionsvertrag vom 7. Februar 2018 (s.48/Digitalisierung) relativiert wurden. Dieser sieht eine vollständige Anerkennung als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht vor.

Ist eSport Sport?

Eine sprachphilosophische Betrachtung im Rahmen des Prototypenmodells vollzog Dr. Steffen Schmidt vom Institut für Sport und Sportwissenschaft des KIT. Aus sprachphilosophischer Sicht erläuterte Schmidt, dass „die Definition eines Begriffs sich aus dessen Gebrauch in der Sprache ergibt“. Daran angelehnt untersuchte Schmidt inwiefern eSport als Sport wahrgenommen werde, wobei er 40 Merkmale für „eSport“ und „traditionellen Sport“ klassifizierte. Seine Untersuchungsergebnisse verdeutlichten die altersabhängige Wahrnehmung und Beurteilung. So gaben 51% der 18-29-Jährigen an, das eSport Sport sei. Im Gegensatz dazu antworteten nur 19% der 30-49-Jährigen so. 

eSport – eine (rechtliche) Betrachtung aus Sicht des organisierten Sports

Hendrik Pusch, Justiziar und Rechtsanwalt (Syndikusrechtsanwalt) des Landessportbundes Sachsen e.V., stellte eSport aus rechtlicher Perspektive dar. Er analysierte dabei kritisch die sportlichen und organisatorischen Voraussetzungen zur Aufnahme des eSports als Sport (§ 3 Aufnahmeordnung DOSB; §4 Aufnahmeordnung DOSB ), um anschließend auf den Status Quo im organisierten Sport sowie dem Hochschulsport einzugehen. Letzterer stünde in Abhängigkeit der Organisationsform (Anstalt öffentlichen Rechts oder gemeinnütziger Förderverein) – losgelöst von der Frage, ob eSport Sport ist - vor Herausforderungen bezüglich der freien Verwendung von Geldern für eSport.   

Podiumsdiskussion zu eSport – Ein Thema im (Hochschul-)Sport?!

Der erste Tag der Perspektivtagung schloss mit einer intensiven und erkenntnisreichen Podiumsdiskussion, moderiert von Moritz Belmann (Hochschule Darmstadt) ab. Personen aus verschieden Organisationsebenen - Ines Lenze (Hochschulsportleiterin Uni Bochum), Veronika Rücker (Vorstandsvorsitzende des DOSB), Prof. Dr. Thomas Borchert (Uni Leipzig), Jörg Förster (Vorstandsvorsitzender des adh), Hans Jagnow (Präsident des ESBD) und Joshua Miethke (Sportreferent der Uni Bonn) - erörterten die zentrale Fragestellung der Perspektivtagung. Veronika Rücker, Vorstandsvorsitzende des DOSB verdeutlichte hierbei, dass „…sich der Sport unter dem Zeichen der digitalen Transformation verändert und weiterentwickelt hat“ und auch dadurch womöglich die Satzungen, Ordnungen und Rahmenbedingungen zur Bewertung und Einordnung von Sport an ihre Grenzen stoßen. Joshua Miethke schilderte hingegen die Einführung von eSport in das Angebot des Hochschulsports an seiner Hochschule, unabhängig von jeglichen Definitionen.

Mit einem gelungenen Rahmenprogramm und den feierlichen Ehrungen zum Bildungs- und Wettkampfranking endete der erste Tag der Perspektivtagung.

eSports an Hochschulen – Status Quo

Am zweiten Tag standen die Entwicklungen des eSports im Hochschulsport im Mittelpunkt. Hierzu gab Martin Hoffmann (University eSports Germany)  zunächst einen Überblick zur rasanten Entwicklung an Hochschulen. Seit 2015 existiert ein Ligenbetrieb mit einer wachsenden Anzahl von Spielen. Aktuell messen sich innerhalb der University eSports Germany ca. 54 Hochschulstandorte und über 140 Teams. Hoffmann erläuterte weiterhin die Potentiale für den Hochschulsport. Diese lägen in der möglichen Mitgestaltung/Partizipation in der Gewinnung einer Zielgruppe, die bislang noch keinen Zugang zum Hochschulsport hatte, in der Image-/Markenbildung sowie der Digitalisierung des Hochschulsports.

eSports im Hochschulsport – Beispiele guter Praxis und Barcamp

Bevor die Perspetivtagung mit einem Barcamp zu verschiedensten Themen bezüglich eSports endete, gaben Tilman Froeßl und Martin Miecke vom UNISPORT der Technischen Universität Kaiserslautern sowie Dr. Steffen Schmidt vom KIT, Einblicke hinsichtlich der Umsetzung von eSport an ihren Hochschulsporteinrichtungen. An der TU Kaiserslautern werden innerhalb der Räumlichkeiten des UNISPORTS verschiedene Spiele wie Beispielsweise League of Legends, Fifa 2018, Rocket League oder DOTA 2 gespielt. Am KIT erhielt eSport im Februar 2017 die Aufnahme in das Hochschulsportangebot. Der KIT SC eSports veranstaltet dort unterschiedliche Events und nimmt am Ligabetrieb in diversen Titeln (z.B. Fifa, Overwatch, League of Legends) teil.    

  • Das abschließende Barcamp (offener Austausch der durch die Teilnehmenden selbst gestaltet wird) generierte verschiedene Kernaussagen zum Thema eSport:
  •  Der adh soll die Entwicklung des eSports weiterhin aktiv begleiten und diese in der Mitgliedschaft diskutieren, muss aber aktuell keine Einbindung auf Verbandsebene anstreben
  • Es kommt auf die individuelle Kernidentität eines jeden Hochschulsportstandortes an, ob eSport eher an der Hochschule generell oder speziell im Hochschulsport als Vehikel für Themen wie z.B. Gesundheitsförderung, Suchtprävention, Forschung und Lehre oder Vernetzung in Zukunft dienen kann
  • Die Integration des eSports in die Strukturen des adh bedeutet eine große Herausforderung, die unter Berücksichtigung der Verbandsregularien entwickelt werden muss, wobei insbesondere bestehende Systeme, der Bildungsauftrag und der Bedarf der Teilnehmer*innne beachtet werden sollte
  • Wertefragen hinsichtlich des Spielens von Taktik-Shootern (z.B. Counterstrike) kann jeder Hochschulsportstandort nur für sich entscheiden, sollten Shooter ins Angebot integriert werden, dann mit einem aufklärerischen Bildungsauftrag
  • Es gibt das Potential zur symbiotischen Zusammenarbeit zwischen eSport und Sport, für dessen Nutzung sich beide Seiten „bewegen“ müssen

Positives Fazit

„Es ist gelungen, die aktuellen und dynamischen Entwicklungen des eSports darzustellen und einen umfassenden Einblick aus verschiedenen Perspektiven zu ermöglichen. Wir hoffen, die Grundlagen für einen differenzierten Umgang mit dem Phänomen eSport im Hochschulsport gelegt zu haben und sind sehr gespannt auf die zukünftige Entwicklung“, resümiert adh-Vorstandsmitglied Dirk Kilian.

„Ein großer Dank gilt dem Hochschulsportteam der Freien Universität Berlin sowie allen weiteren Beteiligten für die gelungene Perspektivtagung 2018.“

Weitere Bilder gibt es hier.

Ansprechpartner

Malin Hoster

Tel.: +49 6071 2086-13

Fax: +49 6071 2075-78

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