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Kategorie: National, Bildung Extern

Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport

28.06.2009

Die Förderung der dualen Karriere von studierenden Spitzensportlerinnen und -sportlern stand am 22. Juni 2009 bei der Woche des HSP in Köln im Mittelpunkt.

Im Rahmen der „Woche des Hochschulsports 2009 in NRW“ hatte Deutschlands führende Sportuniversität in Kooperation mit dem Innenministerium Nordrhein-Westfalen zu einer Tagung unter dem Motto „Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport“ geladen. Diesem Ruf folgten dann auch Sportler, Trainer, Verbandsfunktionäre, Mitarbeiter der Olympiastützpunkte sowie Vertreter von Hochschulen, Schulen und Ministerien. Die Teilnehmenden stellten sich in Referaten und Vorträgen den Schwierigkeiten, hörten Erfahrungsberichte von Betroffenen und versuchten in Arbeitskreisen erfolgreich, neue Lösungswege zu erarbeiten.

Geleitet wurde die Zusammenkunft von der für die weitere Entwicklung des bundesdeutschen Hochleistungssports bedeutsamen Erkenntnis, dass mehr als ein Drittel aller deutschen Medaillengewinner bei den letzten Olympischen Spielen Studierende sind, die sich in Zeiten gestiegener beruflich notwendiger Qualifikation nicht allein auf die sportliche Karriere beschränken wollen. Besonders die sensiblen Schnittstellen auf dem Weg von der Schule ins Studium, während des Studiums und vom Studium in den späteren Beruf wurden in Vorträgen und Arbeitskreisen intensiv beleuchtet.

„Wir Sportler und Sportlerinnen brauchen klare Vorgaben und rechtzeitige Aufklärung, was wir während eines Studiums an Unterstützung im Sinne einer Flexibilisierung unserer Ausbildungsgänge erwarten können“ befand etwa Hockey-Olympiasiegerin Marion Rodewald. Die Aktivensprecherin im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) forderte vehement die Gleichbehandlung aller studierenden Kaderathleten an deutschen Hochschulen, und zwar in dem positiven Sinne, wie sie es selbst während ihres Sportstudiums in Köln erfahren habe. „Es gibt leider immer noch Hochschulen, die sich öffentlich als leistungssportfreundlich erklären, deren innere Strukturen aber nicht den Anforderungen entsprechen.“

Mit seiner Aussage „als Bundestrainer will ich mich nicht mit Problemen der universitären Ausbildung meiner Athleten befassen müssen, sondern ohne Kompromisse die sportlichen Notwendigkeiten berücksichtigt sehen“ bezog sich Frank Wienecke, seinerzeit Bundes- und Heimtrainer von Judo-Goldmedaillengewinner Ole Bischof, eindeutig Stellung und entfachte damit eine Debatte um Zuständigkeiten für die Rahmenbedingungen einer dualen Karriere. Ob Kompromisslosigkeit aber der richtige Weg ist, die beiden Systeme Sport und Hochschule auf einen gemeinsamen Weg festzulegen, bleibt sehr umstritten. Hier hätte die Tagung seitens des Organisierten Sports hinsichtlich der Teilnahme besser genutzt werden können.

Einen interessanten Vorschlag brachte Professor Michael Böhnke, Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Hochschullehrer in Wuppertal und dort Beauftragter für den Spitzensport vor: Er sprach sich für die Schaffung einer bundesweiten Fördereinrichtung, z.B. in Form einer Stiftung aus, die sich ausschließlich um studierende Spitzensportler kümmern solle. In seiner Beschreibung des momentanen Ist-Zustandes nahm er auch den institutionalisierten Sport und die Athleten selbst in die Pflicht, auf die Hochschulen zuzugehen und sich an den verschiedenen Kooperationsmodellen aktiv zu beteiligen.

Werner Stürmann, Abteilungsleiter Sport im Düsseldorfer Innenministerium, wies nicht ohne Stolz auf die politischen Unterstützungsmaßnahmen in seinem Bundesland hin. Hier ebnete die Landespolitik nicht nur den Studienzugang für Abiturienten mit Kaderstatus, sondern die zuständigen Ministerien empfehlen den Universitäten und Fachhochschulen des Landes dringend den an eine Kaderzugehörigkeit gebundenen Erlass von Studienbeiträgen, was inzwischen auch Schritt für Schritt an den Standorten umgesetzt werde. Als neueste Maßnahme der gezielten Förderung im Nachwuchsbereich kündigte er die Einrichtung einer professionell aufgestellten Studien- und Berufsberatungsinitiative für leistungssporttreibende Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufen 11 und 12 an.

In den angeregt geführten Diskussionen wurden jedoch nicht nur die Schwachstellen betont, sondern ebenso Best Practice Beispiele vorgestellt, wie etwa das als Übergangsmodell in den Beruf geschaffene „Kölner Hockey-Modell“ oder Modelle von Verbundschulen des Sports, bei denen schulübergreifende Fördermaßnahmen ergriffen werden.

Als zukünftig wichtigste Schwerpunkte bei der dualen Karierreförderung wurden neben der finanziellen Absicherung studierender Spitzensportler vor allem der Abbau von Informationsdefiziten, die flächendeckende Erleichterung von Studienzugängen, die möglichst trainingsortnahe Universität, die stärkere Begleitung von studierenden Kaderathleten durch die Hochschulen selbst sowie eine engere Verzahnung von Sportverbänden, Olympiastützpunkten und Hochschulen herausgestellt, bei der die örtlichen Hochschulsporteinrichtungen eine nicht unwesentliche Rolle spielen können. Es wurde einheitlich beklagt, dass es immer noch ein unnötiges Kompetenzgerangel zwischen verschiedenen Institutionen des Sports gibt, welches das eigentlich Problem nicht selten in den Hintergrund treten lässt. Leidtragende sind in jedem Fall die ohnehin stark geforderten studierenden Spitzensportler. Die nämlich trachten zu Recht nach einfachen, aber wirksamen Lösungen, um ihre Ausbildung in absehbaren Zeiträumen abschließen zu können, ohne Qualitätseinbußen ihres Trainings und ihres Studiums hinnehmen zu müssen. „Wir alle müssen es nur wirklich wollen“, wie der Prorektor der Sporthochschule, Professor Wilhelm Kleine, eingangs betonte, „dann lässt sich vieles bewegen.“

Ansprechpartner

Julia Beranek

Tel.: 06071-208613

Fax: 06071-207578

beranek(at)adh.de

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