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Kategorie: Tagung, 2011

EAS-Konferenz zur "Dualen Karriere" in Newcastle

21.09.2011

Vom 15. bis 17. September 2011 trafen sich 75 Vertreterinnen und Vertreter von Sportorganisationen und Bildungseinrichtungen aus 19 Nationen zur Konferenz "European Athlete Student" in England.

Exekutiv Komitee

Gastgeber war mit TASS (Talented Athlet Scholarship Scheme) die Organisation, die 2003 gegründet wurde, um mit Blick auf die Ausrichtung der Olympischen Spiele in London 2012 die Nachwuchsförderung in England neu zu entwickeln. Für den adh waren Büroleiterin Martina Merz und Jörg Förster von der Freien Universität Berlin (Mitglied des Exekutiv Komitees der EAS) vor Ort.

Am ersten Tag präsentierten die britischen Gastgeber auf dem Campus der Northumbria Universität ihre erfolgreiche Netzwerkarbeit. TASS-General Manager Guy Taylor referierte über die erfolgreiche Arbeit seiner Organisation: Angefangen bei den Stakeholdern im Leistungssportsystem bis hin zu den Entscheidungsträgern und Institutionen im Bildungssystem hat TASS ein wirkungsvolles Netzwerk aufgebaut, um optimale Rahmenbedingungen für eine Duale Karriere zu schaffen.

Anschließend stellten David Faulkner und Peter Nicholson die Perspektive des englischen Hockeyverbandes für die olympischen Spiele London 2012 vor. Beide betonten wiederholt, dass es für den Verband unerlässlich sei, dass die Athletinnen und Athleten neben ihrer leistungssportlichen Karriere auch eine berufliche Perspektive entwickeln.

Den Abschluss des Tages bildete Collin Allen, der als Network Development Officer für TASS, systematisch Kontakte in die Wirtschaft aufbaut, um nicht nur den Fortbestand des Projekts über London 2012 hinaus zu sichern, sondern für Athletinnen und Athleten am Ende ihrer sportlichen Karriere die Möglichkeit eines erleichterten Übergang in das Berufsleben zu schaffen.

Studierendenwettbewerbe als Teil der leistungssportlichen Entwicklung

Am zweiten Tag erweiterte sich der Blick auf das Thema "Duale Karriere-Förderung" zunächst durch einen Beitrag aus Kanada. Aus deutscher Sicht besonders interessant war, dass das kanadische Spitzensport-System die nationalen und internationalen Studierendenwettbewerbe wie zum Beispiel die Universiade bewusst als Teil der leistungssportlichen Entwicklung betrachtet. Im langfristigen Leistungsaufbau der Sportlerinnen und Sportler stellen sie Zielwettkämpfe dar und für die kanadischen Vertreter ist unstrittig, dass Aktive, die neben dem Leistungssport eine Berufsausbildung absolvieren, erfolgreicher und weniger anfällig für Drop-Out sind.

Verpflichtung von Unternehmen beim Wechsel in die Erwerbstätigkeit

Die japanischen Kollegen von der Universität Tsukuba präsentierten ihre Version der Dualen Karriereförderung angelehnt an die Strukturen des japanischen Ausbildungssystems. Beim Wechsel in die Erwerbstätigkeit nehmen die Japaner Werksclubs, zum Beispiel von Toyota oder Sony, in die Pflicht, die somit nicht nur Marketinginstrument sind, sondern auch Hochleistungssportlerinnen und -sportlern während und nach ihrer sportlichen Karriere eine berufliche Perspektive bieten.

Online-Plattform als Unterstützung für spätere Berufstätigkeit

Mit Patrick Glennon und Steve Girdler traten danach zwei Vertreter des IOC-Partners Adecco vor das Plenum und präsentierten das umfangreiche Karriereförderungsprogramm des weltgrößten Recruiting-Unternehmens. Athletinnen und Athleten können über eine Online-Plattform umfangreiche Unterstützung bei der Vorbereitung auf eine spätere Berufstätigkeit erhalten. Neben Testings und Onlineseminaren offeriert Adecco mit seinen nationalen Niederlassungen auch ein ausdifferenziertes Seminar- und Workshopangebot. Dabei ist das Unternehmen davon überzeugt, dass die Potenziale und Softskills von Sportlerinnen und Sportlern einen Mehrwert für die Kunden von Adecco darstellen. Für die OS London 2012 ist Adecco zudem exklusiver Recruitement-Dienstleister.

Das Berliner Verbundsystem stellt sich vor

Im Anschluss war es an den deutschen Referierenden, das Berliner Verbundsystem zwischen acht Hochschulen und dem Olympiastützpunkts vorzustellen. Andreas Hülsen (Laufbahnberater am OPS Berlin), Andy Borchert (Projektassistent Beuth Hochschule Berlin) und Prof. Dr. Jochen Zinner (Vizepräsident für Studium und Lehre Hochschule für Gesundheit & Sport Berlin) präsentierten detailreich die dortigen Rahmenbedingungen und erläuterten die Schnittstellen zwischen Leistungssport und Hochschulen. Sie verschwiegen aber auch nicht die aktuell größte Herausforderung für den Standort: Noch gibt es in Berlin im Gegensatz zu anderen Bundesländern keine Profilquote, sodass die gute Arbeit der Laufbahnberatung im Hinblick auf eine leistungs- und interessengerechte Fächerwahl insbesondere bei den stark nachgefragten Fächern gelegentlich wirkungslos bleibt. Der "Neu-Berliner" Jörg Förster lud die EAS-Mitglieder anschließend zum zweiten "Study Visit" der EAS (30. November bis 1. Dezember 2011) in die deutsche Hauptstadt ein.

SportsAid setzt auf die Unterstützung von Wirtschaftsunternehmen

Mit SportsAid stellte sich dann eine Organisation vor, die sowohl in ihren Zielstellungen und Strukturen als auch in der konkreten Umsetzung hohe Ähnlichkeit mit der Deutschen Sporthilfe aufweist. SportsAid unterstützt insbesondere mit Hilfe britischer Wirtschaftsunternehmen Aktive mit monatlichen monetären Zuwendungen. Ein differenziertes Verteilungssystem soll dafür Sorge tragen, dass die britischen Athletinnen und Athlethen erfolgreich beide Lebenswelten der Dualen Karriere absolvieren können und nicht an finanziellen Schranken scheitern.

"Return of Investment"

Die ungarische Delegation, bestehend aus Dr. Tibor Kozsla, Prof. Dr. Csaba Sós (beide Semmelweis Universität Budapest) und Dr. Zsigmond Nagy (Direktor für internationale Beziehungen im ungarischen Olympischen Komitee), präsentierte erfolgreich ihr implementiertes Netzwerk zur Förderung der Dualen Karriere. Prof. Sós legte den Schwerpunkt seiner Präsentation auf die besonderen Potenziale von Leistungssportlern für die Gesellschaft und stellte den "Return of Investment" in die High Potentials an zahlreichen Beispielen dar. Derzeit prominentestes Beispiel ist der ungarische Staatspräsident Dr. Pál Schmitt, der als Fechter zwei olympische Goldmedaillen und zwei Weltmeisterschafts-Titel erlangte.

Verknüpfung von Lern- und Austauschprogrammen mit Spitzensport

Den Abschluss des zweiten Tages bildete der Beitrag von Bart Ooijen, der als Policy Officer der EU-Kommission für die Umsetzung der Lissaboner Verträge im Bereich Sport und Erziehung zuständig ist. Ooijens präsentierte unter anderem das Projekt "Athletes to Business" (A2B), an dem auch EAS-Vertreter intensiv beteiligt waren. EAS hat sich nach Ansicht Ooijens als erfolgreiches Netzwerk bewiesen, dessen Expertise bei der europaweiten Entwicklung von Programmen zur Dualen Karriere auch in Zukunft sehr gefragt ist. Im Dreijahresplan bis 2014 ist der Bereich "Dual Careers in Sport" eines von sechs zentralen Aktivitätsfeldern, für die Mittel bereitgestellt werden. Im Fokus steht dabei die Verknüpfung bestehender Lern- und Austauschprogramme, wie zum Beispiel Erasmus, mit dem (Spitzen-)Sport.

Die 8. EAS Konferenz ging erfolgreich zu Ende

In der abschließenden Generalversammlung des EAS-Netzwerks resümierte Präsident Bengt Nybelius am Samstag zunächst noch einmal die erfolgreiche Arbeit der letzten zwölf Monate. EAS ist es unter anderem gelungen, auf allen relevanten Konferenzen vertreten zu sein und sich mit zahlreichen Institutionen zu vernetzen. Ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung des Netzwerkes war die Verabschiedung neuer Statuten, an denen im vergangenen Jahr gearbeitet wurde, und die Wahl eines neuen Präsidenten, da Bengt Nybelius nicht länger zur Verfügung steht. Sein Nachfolger wurde Dr. Tibor Kozsla (Semmelweis Universität Budapest), während Nybelius unter lautem Beifall der Delegierten zum Ehrenpräsidenten der EAS ernannt wurde. Dr. Tibor Kozsla blieb es vorbehalten, den Organisatoren der 8. EAS Konferenz in Newcastle den besonderen Dank der Delegierten auszusprechen und das Plenum auf den Veranstaltungsort der Konferenz 2012, die in Riga stattfinden wird, hinzuweisen.

Ansprechpartner

Julia Beranek

Tel.: 06071-208613

Fax: 06071-207578

beranek(at)adh.de

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