Berliner Studenten überraschen Rugby-Europa bei der EUC
28.07.2008
Das Team der Wettkampfgemeinschaft Berlin hat sich bei der Europäischen Hochschulmeisterschaft im 7ér Rugby wackergeschlagen und dem deutschen Rugby als Plate-Gewiner alle Ehre gemacht.
Nach der Ankunft in Rom am Mittwoch Abend bezog man die komfortablen Bungalows auf dem Campingplatz, wo auch alle anderen Mannschaften untergebracht waren. Die Ausstattung war sehr gut und die Stimmung im Team bestens. Da man erst am nächsten Nachmittag am Spielort sein musste, nutze man die erste Nacht noch, um sich auf der zeltplatzeigenen Disco die Flugzeugsteife aus den Beinen zu zappeln und erste Kontakte zu knüpfen.
Am Donnerstag verzichtete man auf ein Vormittagstraining, sondern fuhr erst später zu den bestens gepflegten Plätzen, um die Abläufe nochmals durchzuspielen. Die feierliche Eröffnungszeremonie mit Offiziellen, Teamparade und Showprogrammm konnte das Berliner Team leider nicht bis zum Schluss ansehen, denn die Ansetzungen im Modus jeder gegen jeden folgten dem Alphabet und so durfte Berlin gegen die Titelverteidiger aus Cardiff (Wales) das erste Spiel bestreiten. Trotz der klaren Niederlage (der ersten für das Team seit 2003!) ging man erhobenen Kopfes vom Feld, hatte man doch immerhin zwölf Punkte gegen ein bärenstarkes Team erzielt, was den Berlinern in der gesamten Vorrunde niemand nachmachen konnte. Die Berliner mussten als einzige an diesem Abend zweimal spielen, doch gegen die Italiener von Padova war man von Beginn an hellwach und beeindruckte auch die Zuschauer und Presse durch „physical supremacy“, die zum ersten Sieg (26:12) führte.
Am zweiten Tag wartete neben den beiden Teams aus Coimbra (Portugal) die französische Mannschaft aus Limoges. Gegen die unglaublich flinken Jungs des ersten Teams aus Coimbra ließ man in der Verteidigung zu oft Lücken, so dass man sich trotz zweimaliger Führung am Ende geschlagen musste. Mit dem Frust im Bauch ließ man der Coimbra Polytechnic beim 41:0 Sieg nicht den Hauch einer Chance. Am Abend wirkte das Team gegen die Franzosen dann jedoch etwas müde und ließ sich in der ersten Halbzeit vorführen. Trotz gewonnener zweiter Halbzeit verlor man mit 7:31.
Noch drei Spiele waren in der Vorrunde zu bestreiten und die Berliner waren hoch motiviert, ihren Punktestand deutlich zu verbessern. Am Sonnabend gewann man zunächst 17:5 gegen Lausanne (Schweiz), bevor man gegen Leeds die Halbzeitführung nicht verteidigen konnte und letztendlich mit 12:33 deutlich verlor. Das Team nutzte jedoch die Chance, die Vorrun-denbilanz ausgeglichen zu gestalten und verschaffte sich mit einem deutlichen Sieg gegen den Tabellenletzten Lissabon eine gute Ausgangsposition für die Plate-Finals.
Als Tabellenfünfter musste man erneut gegen die achtplazierten Schweizer ran und tat sich unnötig schwer. Die Berliner vergaben die frühe Führung und konnten erst in der vorletzten Minute mit dem 19:14 den Sieg sichern. Im Finale um den fünften Platz sollte es zu einem Wiedersehen mit den Italienern kommen. Die Führung durch Marc Lowdon wurde von den Italienern schnell wieder ausgeglichen. Marcs nächster Versuch kurz vor der Halbzeitpause verschaffte dem Team wieder eine gute Ausgangsposition. Die zweite Halbzeit geriet zur Abwehrschlacht, bei der man neben den unermüdbar anrennenden Italienern auch den Schiedsrichter gegen sich hatte, der offensichtlich dem Gastgeber wenigstens den kleinen Pokal retten wollte. Jedes Tackling wurde zum Straftritt gegen die Berliner, doch letztendlich half es nichts. Als die Sirene ertönte stand es nach wie vor 12:7 und die nach fünf Spielen an einem Tag völlig erschöpften Berliner feierten mit den mitgereisten Fans den verdienten fünften Platz.
In der Cuprunde wurde der dritte Platz eigenartiger Weise nicht ausgespielt und ging an die Halbfinalverlierer Coimbra und Leeds. Das Finale wurde lautstark von der Tribüne begleitet und sah zwanzig Minuten rasantes Rugby, bei dem die Franzosen zunächst den Walisern auf und davon liefen, bevor diese in einer vom Publikum angeheizten Aufholjagd den 5:26 Rück-stand in ein Unentschieden verwandelten. Doch mit dem Schlusspfiff schafften es die Franzosen ein weiteres Mal, die Waliser Verteidigung zu durchbrechen und gewannen letztendlich verdient. Bei den lediglich zwei angereisten Frauenteams setzte sich in der best-of-three Serie das englische Team aus Northumbria gegen die Französinnen aus Lille durch.
Mit einer Bilanz von sechs Siegen aus zehn Spielen und starken Auftritten gegen die vier bes-ten Teams, deren Wettkampfvorbereitung und Erfahrung im „Rugby a sette“ annähernd professionell ist, hat sich die WG Berlin zurecht einen Namen im Europäischen Hochschulrugby gemacht. Topscorer des Teams wurde Kapitän Marc Lowdon, der neben beeindruckenden Läufen auch seine Dropkickqualitäten bei schwierigen Erhöhungen unter Beweis stellte.
Bleibt festzustellen, dass die Organisation und Versorgung durch die Italiener größtenteils erstklassig war. Lediglich die Qualität einiger Schiedsrichter (die deutsche Vertreterin Katharina Pickert ausdrücklich ausgenommen) ließ zu wünschen übrig.
Das Bankett am Sonnabend verlief nach Rugbymanier feuchtfröhlich und die Sängerknaben der WG Berlin sorgten wie schon die Tage zuvor für gute Stimmung. Sonntag blieb den Berlinern nach einem Vormittag der Entspannung noch etwas Zeit, Rom im Schnelldurchlauf zu besichtigen, bevor man Montag in aller Herrgottsfrühe den Weg heimwärts antrat. Nächstes Jahr findet die EHM in Bristol statt und es wird erneut Berlin sein, das das deutsche Hoch-schulrugby vertreten darf.
Gedankt sei an dieser Stelle nochmals der Physiotherapeutin Claudia „Dodi“ Serien, dem Teammanager Stephan Rauchut und Trainer Christian Lill, sowie allen Unterstützern, allen voran dem Hochschulsport Berlin, dem Deutschen und dem Berliner Rugbyverband sowie Achim Behring-Scheil für die finanzielle, materielle und logistische Unterstützung.
Die Ergebnisse im Überblick:
WG Berlin – UWI Cardiff 12:35
WG Berlin – Padova 26:12
WG Berlin – Coimbra 14:31
WG Berlin – Coimbra Polytechnic 41:0
WG Berlin – ASU Limoges 7:31
WG Berlin – Lausanne 17:5
WG Berlin – Leeds 12:33
WG Berlin – Lissabon 40:12
Plate ½- Finale: WG Berlin – Lausanne 19:14
Plate- Finale: WG Berlin – Padova 12:7
Für alle Interessierten noch ein paar Links mit Bildern, mehr Ergebnissen und Berichten:
http://www.eucrome.eu
http://euc2008.blogspot.com
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