DHM Rennrad 2012: Knappe Entscheidung bei den Herren - Einspruch bei den Damen
22.06.2012
Bei der DHM Rennrad, die am 17. Juni in Hannover stattfand, bewiesen die angetretenen Sportlerinnen und Sportler erneut wie schnell ihre Beine sein können, wenn es drauf an kommt.
„Einmal mit den Profis der Deutschen Hochschulmeisterschaft um die Wette fahren“, mögen sich wohl viele der Hobbyfahrer heimlich gewünscht haben und gaben von Beginn an mächtig Gas, um die zuvor gestarteten Fahrerinnen und Fahrer der DHM-Rennen einzuholen. „Dazu wird es keinesfalls kommen – und wenn ich mich selbst dafür einspanne!“ witzelte der Deutsche Cyclo-Cross-Meister von 2008, René Birkenfeld (TU Dresden), noch am Vorabend. Er wollte mit seinen Kommilitonen den Titel endlich einmal in die Elbmetropole holen. Gesagt getan möchte man meinen: Schon wenige Kilometer nach dem Start des 116km langen Rennens unternahm Birkenfeld eine ambitionierte Soloflucht und setzte sich mit ordentlichem Vorsprung vom Feld ab.
Schwere Windverhältnisse sorgen für ein spannendes Rennen
Birkenfeld wurde bald wieder eingeholt und mit dem Ex PT-Fahrer vom Team Milram, Christian Kux, versuchte der nächste Dresdener, diesmal mit einigen Mitstreitern, eine rollende Gruppe aufzustellen. Doch das Feld der Topleute blieb aufmerksam und ließ einen derartigen Hochkaräter natürlich nicht ziehen. In der Folge kam es immer wieder zu neuen Spitzengruppen, die im windanfälligen Teil der ersten Streckenhälfte jedoch regelmäßig aufgestellt wurden. Fast immer beteiligt: Die TU Dresden. Auch deren Obmann und WUC-Teilnehmer von 2008, Markus Weinberg, war sich nicht zu schade und erreichte gemeinsam mit Tobias Barkschat von der BTU Cottbus die erste nennenswerte Steigung an der Holzmühle mit einem Vorsprung von 1:35min. Doch das Feld jagte langezogen hinterher und so schafften es die Beiden zwar über die ersten 250 Höhenmeter, der Vorsprung schmolz allerdings bis zur Aussichtslosigkeit zusammen. Als das Feld in Sichtweite kam, sprangen zwei weitere Fahrer an das Spitzenduo heran. Maximilian Winterberg von der TU Clausthal und ein weiterer Fahrer der TU Dresden, Philipp Rechenbach. Doch das Quartett blieb nur kurz als Spitzengruppe zusammen. Winterberg und Weinberg fielen schnell zurück, während Rechenbach am zweiten Anstieg einen starken Eindruck hinterließ. Barkschat, der schon viele Körner verbraucht hatte, musste Kämpfen um an seinem Vordermann dranzubleiben, aber dieser wusste auch: Ohne Begleitung würde er die windige Einfahrt nach Hannover nie schafen – und es waren noch gute 30km bis zum Maschsee und dem DHM-Titel.
Grandiose Kulisse in den Ortschaften rund um Hannover
Ungebrochen war der Radsportenthusiasmus im Umland von Hannover. Wie bei der Tour hatten viele Familien in den Dörfern und Gemeinden am Streckenrand Biertische und Grillgarnituren aufgebaut. Großväter hielten ihre Enkelkinder auf dem Arm, winkten und jubelten den Fahrern begeistert zu. Bei km 100 verblasste der kühle Nordwind die letzten Erfolgsaussichten der beiden Fluchtgenossen Rechenbach und Barkschat endgültig. Das Rennen war nun wieder völlig offen und das Belauern und Attackieren begann von neuem. Jetzt war es Peter Clauß (TU Dresden), der die Konkurrenz zur Reaktion zwingt. Doch auch ihm gelingt der entscheidende Vorstoß nicht.
Finale Grande am Ufer des Maschsees
Bei der 5.000m-Marke war das Feld der verbliebenen Fahrer wieder geschlossen und alles bereitete sich auf den Finalen Sprint vor. Die TU Dresden eröffnete mit einem kompletten Sprinterzug das Massaker: Der letzte Trumpf musste stechen! Erneut war es Rechenbach, der noch einmal die Schlagzahl vorgab und Kux sollte offensichtlich den Vogel abschießen. Doch nicht er konnte auf der Ziellinie die Arme in die Höhe reißen sondern ein bislang völlig unauffälliger Fahrer: Max Erhardt (Uni des Saarlands) nahm sein Herz in die Hand, ließ Kux auf den letzten Metern keine Chance und streckte die Arme zum Himmel, als wolle er am liebsten gleich beim Überqueren der Ziellinie ins Meistertrikot schlüpfen. Dritter wurde Raoul Rothe von der FH Kiel.
Damenrennen von Regelauslegung überschattet
Am grünen Tisch musste der Zieleinlauf der Damen korrigiert werden. Demnach siegte nach 116km Katrin Hammes von der Uni Freiburg vor Stefanie Paul von der HMTM Hannover. Auf Platz Drei strafversetzt werden musste die Titelverteidigerin und Bronzemedaillengewinnerin der Universiade von Shenzhen , Jana Schemmer, nach einem Fahrerprotest der durch die Protokolle der rennbegleitenden Jury einwandfrei nachvollzogen werden konnte. Schemmer erreichte das Ziel zwar als Erste, war aber zuvor schon am Nierstädter Berg aus dem Spitzentrio herausgefallen. Später schoss das deutlich größere Feld der männlichen Jedermänner von hinten heran und die abgehängten Damen nutzten regelwidrig den Sog, um die beiden Fahrerinnen an der Spitze noch vor dem Ziel wiederherzustellen.
Im Hobbyrennen der Hochschulwertung gewann bei den Herren Sebastian May über die 116km und Benjamin Schenk über die 67km. Im Hobbyrennen der Damen siegte Ines Lenze, Hochschulsportleiterein des Hochschulsports Bochum.
Andere Radrennen mögen stagnierende Teilnehmerzahlen verzeichnen, die DHM Rennrad verzeichnete 2012 einen neuen Melderekord. So kann es weitergehen! Und für 2013 gibt es bereits neue Interessenten für die Ausrichtung. Darunter auch die TU Dresden, die dann eventuell mit heimischer Unterstützung endlich den Titel einfahren könnte.
Mehr Bilder von der DHM Rennrad 2012 gibt es in unserer facebook-Bildergalerie. Eine Übersicht über die einzelnen Platzierungen geben die Ergebnisse.
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